Der Schamindikator

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Die tiefe Entfremdung, die jeder wirklich schöpferische und nicht stehen gebliebene Mann zu allem hat, was er selbst geschaffen hat, ist das beste Zeugnis für den Ernst der Situation. Affenliebe gegenüber einem geschaffenen Werk, ist die Eigenschaft des Philisters und zeugt von Geistesschwäche.[1]

Ohhhh ja, den Satz kann ich, zumindest in seinem ersten Teil sehr gut nachvollziehen. Ich habe sogar einen persönlichen Indikator dafür entwickelt, ob ich auf der Höhe bin oder mich meinen schwarzen Hunde jagen: Immer wenn ich einen Blick auf meine alten Arbeiten werfe und diese für gelungen halte, dann geht es mir schlecht; und umgekehrt bin ich dann auf der Höhe, wenn ich vor Scham in den Boden versinken möchte, das Werk verleugnen, die Tat am liebsten ungeschehen machen wollte.[2]

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[1] Hans Blüher; Der bürgerliche und der geistige Antifeminismus; 1916
[2] Wobei Letzteres sicherlich den „Tatbestand“ eines psychologischen Traumas erfüllt, also einem irgendwie geartetem Krankheitsbild entspricht, an dem irgendein moderner Psychofritze herumtherapieren kann.

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