Homoerotische Staatenbildung II

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Wir sind heute nach den Forschungen von Heinrich Schurtz, Otto Weininger und Benedikt Friedländer langst darüber hinaus, in der Familiengründung die Grundlage zur Staatenbildung zu sehen. Die Liebe zum andern Geschlecht führt nie über die Ehe hinaus, während gerade das Interesse des Mannes am Manne und an den Interessen des Mannes die eigentliche Sozialisierung herbeiführt. Das Weib hat den Staat nicht erfunden.[1]

Blüher meint das mit der homoerotischen Staatenbildung tatsächlich ernst und bringt nebenbei die Homosexualität gegen den Feminismus in Stellung.

Der Mann kennt die Ilias nicht. Marodierende Männerhorden verfolgen keine höheren Ziele und der willkommene Anlass, den der Raub der Helena liefert, verflüchtigt sich als Motiv zum Ende hin; an ihrem Schicksal nehmen die Sieger keinen Anteil mehr. Wohl aber bleibt die Geraubte das Hauptmotiv ihrer Verteidiger auch über jenen Punkt hinaus, wo die Vernunft dringlich Einhalt und Umkehr erfleht. Das Opfer verlangt einen Sinn und der findet sich nur im Schoße des Weibes und in den Früchten die ihm entspringen.

Aus der Männerliebe zu Patroklos entspringt nur entmenschlichter Hass[2], der sich in barbarischer Leichenschändung entlädt, der aber zugleich auf den wahren Helden dieses Epos weist: Es ist nicht Achilles, sondern Hektor, der sich als Aristokrat erweist und der sich für die Liebe seines Bruders Paris – seines Bruders! – willig opfert. Achilles hatte nie vor sich zu opfern – er will nur siegen – und im Tode seines Geliebten erkennt er keinen Sinn. Er ist es auch, der die Kürze des Lebens beklagt.

Der Grund des Staates ist das Weib. Um sie herum errichtet der Mann jene Mauern, die seiner Existenz erst Sinn verleihen. Von hier aus kann er sie opfernd verteidigen. Um sie zu bauen, verbündet er sich mit seinesgleichen: Blüher stellt Ursache und Wirkung auf den Kopf.[3] Nicht Männerbünde sind Keimzellen des Staates, vielmehr bringt die Staatsgründung ihre Notwendigkeit erst ans Licht. Aber schon Plato warnt vor deren Destruktivität, wenn diese die Beziehung zum Grund verlieren. Dort, wo Männerbünde den Staat okkupieren, haben sie nichts anderes getan als ihn gründlich zu zerstören.

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. So steht es in der Bibel. Gott schuf daraufhin das Weib und eben keinen anderen Mann. Vor unseren Weibern senken wir unsere Lanzen, unter ihren Farben reiten wir freudig in jede Schlacht: wohl wissend, dass unsere gemeinsame Zukunft allein in ihren Schößen ruht. Ich hoffe nur, sie wissen das auch. Für sich allein wird niemand überleben.
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[1] Hans Blüher; Drei Grundformen der Inversion

[2] Eine erhellende Lektüre dazu: Martin Compart; Schwule Sadisten; Ernst Röhm und die SA; Teil1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9

[3] Nicht nur er. Auch Alfred Beumler verliert vor lauter Begeisterung über die strahlende Männlichkeit den Bezug zur Wirklichkeit, indem er den Heerzug zur natürlichen Existenzweise des Mannes verkläret. Natürlich ein Faszinosum für Männer, aber mitnichten Selbstzweck. Dieser vermeintliche Selbstzweck scheint auch bei Jünger durch, indem er den Kampf jeder ideologischen Floskel entkleidet und auf sich selbst reduziert, erliegt er in Wahrheit einer Sucht, die sich beim ihm im Kampfe um des Kampfes Willen äußert – mehr als bereit auch den Tod zu ersehen. Bei der Masse der weniger Begabten, endet die vom Sinn entwurzelte Todessehnsucht im bewussten Alkoholismus.

11 Antworten to “Homoerotische Staatenbildung II”

  1. Don't care sagt Says:

    Nein, sie wissen das nicht mehr, wollen es nicht mehr wissen, oder leugnen es. Freudig ins Verderben/Nirwana lassen sie uns reiten.

    • Mcp Says:

      Agrr…; Das war schon wieder mal ein unvollendeter Text, der durch die Tücken der Technik zu schnell aus der Feder rauchte. Ich wollte ihn speichern, nicht veröffentlichen.🙂

    • Mcp Says:

      Ach, ich glaube mein Freund, du siehst zu schwarz. „Die Weiber“ gibt es nicht; die Figur ist allerhöchstens ein billiges Manipulationsobjekt. Die gewöhnliche Frau ist Opfer, nicht Täter. Die wahren Schuldigen sitzen in der Regie und sie inszenieren eine Dreigroschenoper:

      Und der Haifisch, der hat Zähne
      Und die trägt er im Gesicht
      Und Macheath, der hat ein Messer
      Doch das Messer sieht man nicht.

  2. Meyer Says:

    Ich würde sagen, die Griechen verteidigten ihre Rechtsordnung, das bis heute berühmte Gastrecht, welches durch Paris mit den Raub der schönen Helena gebrochen wurde. Der Raub war die Herausforderung der Greichen.
    Sie verteidigten nicht unbedingt das Raubopfer.

  3. sinus Says:

    Meine Freundin mag das Gartenspiel von Facebook, oder wie und wo man das spielt.

  4. Vinneuil Says:

    Blüher kannte die Ilias und Odyssee auswendig, auf Griechisch.

  5. alipius Says:

    „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. So steht es in der Bibel. Gott schuf daraufhin das Weib und eben keinen anderen Mann. Vor unseren Weibern senken wir unsere Lanzen, unter ihren Farben reiten wir freudig in jede Schlacht: wohl wissend, dass unsere gemeinsame Zukunft allein in ihren Schößen ruht. Ich hoffe nur, sie wissen das auch. Für sich allein wird niemand überleben.“

    Das ist ein sehr schöner Absatz! Danke!

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