Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss

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Die beiden großen Kirchen haben das Sterbehilfe-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) unterschiedlich aufgenommen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hob gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ (Samstag) hervor, die Entscheidung gebe nun in solchen Fällen den Beteiligten Rechtssicherheit. Wie die katholische Deutsche Bischofskonferenz bereits am Freitag in Bonn erklärte, sieht sie in dem Richterspruch dagegen eine „ethische Verunklarung“.[1]

Niemand hat das Recht ein Leben zu beenden. Auch sein eigenes Leben nicht. Ob es ein Recht gibt, es zu verlängern – ich weiß es nicht. Die „Patientenverfügung“ ist nichts anderes als der Wille zum indirekten Freitod, indem man die Waffe, die man sich selber nicht an den Kopf zu halten wagt, dem Nächsten in die Hand drückt und ihn bittet abzudrücken. So wie man Pferden den Gnadenschuss gibt.

Ich beleuchte nicht die vielen anderen Facetten der Diskussion. Nicht auszudenken was passiert, wenn die Exekution von Patientenverfügungen in die Hände der Organ-Spende Mafia fällt, die alles andere im Sinn hat, als den Hippokratischen Eid zu getreulich zu erfüllen. Es ist ein absonderlicher Aberglaube darauf zu vertrauen, dass ein auf wirtschaftlichen Erwägungen ruhendes „Gesundheitssystem“ allein das „Wohl des Patienten“ zur Absicht hätte. In Wahrheit, das beweist nicht nur die Pharma-Lobby, geht es ums große Geschäft. Um Geld, um Macht, um Einfluss. Die Patientenverfügungen sind aus dieser Sicht nichts anderes als ein ideologisch verbrämtes Mittel zur Kostensenkung. Es soll den Patienten zynischerweise vor dem Horror schützen, das genau dieses System erst hervorgebracht hat und das die allermeisten Zeitgenossen auch noch für einen großen Fortschritt halten. Man lese Chesterton zu diesem Thema.

Es geht um ein fundamentales christliches Prinzip, dass mit diesem Schandurteil durchlöchert wird wie ein Schweizer Käse. Hier wird nichts „verunklart“, wie die deutschen Bischöfe meinen, das ist der gerichtsfeste Einstieg in die Alters-Euthanasie. Ob passiv oder aktiv, mit solch scholastischen Spitzfindigkeiten mögen die Bischöfe ihr Gewissen beruhigen, dem Satan sind solche Unterscheidungen vollkommen egal. Aber die Hoffnung, dass Zollitsch und Konsorten, der Herr vergib mir diesen unflätigen Ausfall, etwas dagegen tun – und sei es nur einen mutigen Hirtenbrief wider den Zeitgeist zu verfassen, der die Dinge beim Namen nennt – habe ich unlängst endgültig begraben.

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[1] Kirchen uneins über Sterbehilfe-Urteil.

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