Moralisch abgestumpft

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Schwere Vorwürfe: Ein junges Ehepaar hat eine Frauenärztin verklagt, weil sie die Schwangerschaft nicht rechtzeitig erkannt hatte. Der Mutter blieb keine Chance, das Kind abzutreiben.

Ein junges Elternpaar steht am Mittwoch vor einem Sitzungssaal im Münchner Landgericht. Mutter und Vater halten wechselweise ihren kleinen Sohn auf dem Arm, lachen mit dem Buben und herzen ihn. Dann geben sie das Kind in die Obhut der Oma, gehen in den Gerichtssaal und erklären dort ihren kleinen Tom (Name geändert) buchstäblich zum Schadensfall. Sie haben die Frauenärztin verklagt: Die habe die Schwangerschaft nicht rechtzeitig erkannt – „deshalb hatte ich keine Chance mehr, das Kind abtreiben zu lassen“, bedauert die junge Mutter. Unter dem Strich verlangen die beiden als finanziellen Ausgleich dafür rund 120.000 Euro.[1]

Was wird in dem Kind vorgehen, wenn es eines Tages begreift, das es heute nicht leben würde, weil seine eigene Mutter den Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft als „unpassend“ empfand, sie statt dessen viel lieber in einen Urlaub gefahren wäre. Kann man eine kindliche Seele tiefer verletzen, als mit der Eröffnung das es sein Leben nicht dem Wollen seiner Mutter, sondern dem Kunstfehler einer Gynäkologin verdankt?
Die moralische Abstumpfung der Gesellschaft erschreckt. Ist niemand mehr in der Lage die ganze Monströsität dieses Vorgangs zu begreifen?

[1] Frauenärztin angeklagt – Zu spät für Abtreibung; sueddeutsche.de.

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9 Antworten to “Moralisch abgestumpft”

  1. Don't care Says:

    Der Betrag kümmt mir verdächtig bekannt vor. So viel soll die „Zumutung“ Kind insgesamt das arme Elter1 und/oder Eltrr2 kosten. -Das wäre doch fürwahr ein nachahmneswerter guter Trick. Man erklärt dien Nachwuchs zum gynälologischen Störfall und lässt sich das „Erzeihungsgeld“ für den Balg aushändigen. – Was den Glanz der Geschichte noch etwas eintrübt, ist der Fakt, dass es eine GynäkologiIN, war, der dieser unverzeihliche Lapsus unterlief. Einem defezitär/tumben Maskulinum hätte eine solche inkompetenzverratende Eselei viel besser angerstanden.

  2. alipius Says:

    Allmächtiger! So weit sind wir bereits?

    Und wenn Mama und Papa nun mit ihrem Buben lachen und ihn herzen, ist das dann so etwas wie erzwungene Elternliebe („Naja, jetzt wo der Störenfried da ist, müssen wir ja schon irgendwie lieb zu ihm sein“)? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich denke, die Eltern haben den Kleinen wirklich lieb und würden ihn nun auch nie wieder hergeben.

    Somit haben wir wenigstens ein auch für Abtreibungsbefürworter verständliches Beispiel für jene Erklärweise des Bösen, welche da lautet: Gott läßt das Böse zu (hier: Geburt eine Babys), um daraus Gutes zu erwirken (hier: Die Elternliebe)😉

  3. Anonyma Says:

    Bin zwar schon eine Weile raus aus dem weißen Kittel, aber zu meiner Zeit waren Schwangerschaftstests nicht so 100%ig. – Und wann ist die Frau zum Doktor? Vielleicht erst nach der 12-Woche-Frist? Ich nix faschtehn.

    • Mcp Says:

      Das war kein Schwangerschaftstest, sondern eine Ultraschalluntersuchung. Aber darum geht es im Grunde nicht. Ob die Ärztin geirrt hat oder nicht, ist für mich absolut unwichtig. Die Mutter, wie der Vater sagen ihren ihrem leiblichen Kind ins Gesicht: „Du lebst nur, weil die Dame sich geirrt hat. Wir hätten Dich sonst kaltblütig umgebracht.“

      • moise trumpeter Says:

        Ich glaube nicht, dass die Eltern einen Embryo als Menschliches Wesen betrachten, folglich werden sie eine Abtreibung als eine späte Verhütungsmaßnahme ansehen – die schweren moralischen Implikationen die sie sehen tauchen da garnicht erst auf.
        Sie wohnen doch im Osten, bei Gelegenheit können sie sich ja mal mit normalen (nicht christlichen) Einheimischen über das Thema unterhalten, die erste Reaktion auf ihre Ansichten zur Abtreibung dürfte ungefähr der gleichen, die sie erhalten würden, wenn sie Grund- und Ankündigungslos eine Ohrfeige verteilen.

  4. conservare Says:

    Das Bild passt einfach nicht zusammen. Die Eltern herzen und liebkosen ihr Baby – eben dieses Baby, wegen dessen Existenz sie vor Gericht stehen und eine Entschädigung für eben diese Existenz verlangen!

    Ich kann nur hoffen, dass die Verhandlung nicht aufgezeichnet und eines Tages dem Kind unterkommt. Aber vermutlich merkt das Kind auch so, dass da etwas mit seinen Eltern nicht stimmt.

    • Mcp Says:

      Das Kind wird es erfahren. Aber darum schert sich niemand – außer uns beiden freilich.🙂 Ich frage mich ernsthaft – rein moralisch – wie diese Frau und dieser Mann ihrem Kind je wieder unbefangen gegenübertreten können. Ich begreife das nicht – und ich ich will es nicht begreifen. In Acht und Bann, von Haus und Hof gejagt, verstoßen und geächtet für alle Ewigkeit. Wenn es das Böse gibt, dann ist es das.

  5. Meyer Says:

    Exakt diese Diskussion wurde bereits in der jurisprudenz geführt. Stichwort „Kind als Schaden“. Wenn Sie diesen Begriff in die Suchmaske der üblichen verdächtigen juristischen Suchsysteme eingeben, werden sie erschagen. Zu meiner Studienzeit war das DER Renner – ist aber auch schon was her.

    Letztendlich handelt es sich um die Frage ob das Kind vom Schadensbegriff des (heutigen) § 280 BGB bzw. § 823 Abs. 1 BGB umfaßt ist oder ob über die sog. „objektive Werteordnung des Grundgesetzes“ mittelbar Artikel 1 Abs. 1 S.1 – Menschenwürde greift.

    Man löst das gemeinhin damit, daß man nicht das Kind als solches als Schaden annimmt, sondern bloß den Unterhalt.
    Das entbehrt aber, wie bereits oben zutreffend ausgeführt der Logik. Denn der Unterhalt als Schaden wäre ja nur bei einer ABTREIBUNG weggefallen. Und genau dieser Aspekt wird nicht berücksichtigt.

    Und eine Abtreibung ist grundsätzlich nach wie vor strafbar. Davon konnte nach Ansicht des BVerfG auch der Gesetzgeber nicht abrücken.
    Aber auch das – wie immer – eine Mogelpackung, wie wir alle wissen.

    Manchmal habe ich den Eindruck, die ganze Bundesrepublik besteht nur aus Mogelpackungen und ist letztlich selber eine – vielleicht auch schon immer gewesen.

  6. abitene Says:

    für mich klingt das so, als ob die Eltern nun doch froh sind nun über den Jungen, aber versuchen finanziell was rauszuholen.

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