Wenn das der Führer wüsste

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Trotz schlechter Werte für die Regierung gewinnt Angela Merkel an Sympathie.[1]

Entweder ist die Umfrage getürkt oder die Deutschen leiden noch immer an dem „Führer“-Syndrom: „Wenn das der Führer wüsste“. Wobei man bei den Ostdeutschen statt „Führer“ getrost „Erich“ hätte einsetzen können. Es ist der uralte Glaube des einfachen Volkes an den rechten Mann an der Spitze, dessen gutes Wollen von seinen „Ministranten“ desavouiert wird. Die Deutschen verzweifeln zwar an ihrer Regierung, aber, seit Kaiser Rotbart Zeiten, nie an ihrem Regierungschef:  ganz  so, als hätte Merkel damit überhaupt nichts zu tun.
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[1] Deutschlandtrend: Die Deutschen verzweifeln an der Bundesregierung; WELT ONLINE.

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9 Antworten to “Wenn das der Führer wüsste”

  1. Arminius Says:

    Was der Demokratische Block der Parteien und Massenmedien der BRD als Wahrheit verkündet, muß nicht unbedingt mit der Realität korrelieren.

  2. Don't care Says:

    Der Verdacht beschleicht mich immer heftiger, dass die Umfragen getürkt sind. Mit der typisch deutschen Duckmäusermentalität lässt sich damit nämlich herfürglänzend eine Bockshornjagd fabrizieren. Der Art nämlich, dass indem dem Bundeshornvieh suggeriert wird, eine groooooosse Mehrheit sie für oder gegen irgendwas/jemande, traut es sich nicht mehr aus Angst vor Denunziation eine „erschröckliche Abweichler-Haltung“ einzunehmen. – Also schliesst sich Bundes-Mitläufer brav der getürkten „Mehrheitsmeinung“ an.
    Denn: “ Ach Gott, was sollen nur die Nachbarn von mir denken, wenn ich „pöhser Fascho“ gegen den „allgemeinen Konsens“ verstosse !“

  3. Mcp Says:

    Schon klar, dass Umfragen nicht unbedingt mit der Realität korrelieren, aber irgendwer muss die Regierung wählen, denn die Wahlbeteiligung liegt immer noch jenseits der 50% Marke.

    In der DDR lag die Zustimmung, trotz Wahlkabine und Wahlfälschung, jenseits von 90%.

    Machen wir uns nichts vor: Wir Andersdenkenden sind eine verschwindende Minderheit, stets gefährdet dem allgemeinen Konformitätsdruck zu erliegen oder zu resignieren.

  4. Don't care Says:

    Den mittleren Abschnitt verstehe ich nicht ganz. – Lag die Zustimmung schon ohne Manipulation jenseits von 90 %, wozu dann Fälschung ? – Wurde denn nur von 9X % auf 99 % hoch- getürkt ??? –

    Andererseits, sollte prinzipiell gefälscht worden sein, woher soll denn dann die Vermutung von über 90 % (ohne Fälschung) herstammen ? – Wurden die „wahren“ Prozentsätze aufgezeichnet ?

  5. Mcp Says:

    Um das zu begreifen, muss man die Interna eines totalitären Systems verstehen. Wenn ein Funktionär, meist der 1. Kreissekretär der SED, bei den vorhergehenden Wahlen 99 Prozent Zustimmung gemeldet hatte, dann konnte er um seines eigenen Untergangs willen nicht unter diesem Ergebnis bleiben, ohne seine sofortige Ablösung – wegen schlechter ideologischer Arbeit – zu riskieren. 99,1% waren dann der zu erbringende Mindestsoll. Das was der Mindestmaßstab für eine „erfolgreiche“ politische Arbeit unter den „Werktätigen“. In diesen statistischen Bereichen bewegten sich auch die Stimmfälschungen. Es ging dabei, das bewies der Modrow-Prozess in Dresden, um nie mehr als ein Prozent aller abgegebenen Stimmen, wobei nicht einmal das tatsächliche Ergebnis geschönt werden musste, sondern allenfalls die Anzahl der Nichtwähler nach unten getürkt wurde.

    Im übrigen, auch das Ergebnis des Modrow Prozesses, wurde nie die offizielle Auszählung manipuliert, sondern ausschließlich die durch die Öffentlichkeit unkontrollierbare Briefwahl.

    Im Großen und Ganzen aber blieben die Fälschungen marginal. Das Volk hat, aller Legenden zum Trotz, bis zum Schluss den Sozialismus gewählt und es ist erst auf die Straße gegangen, als es vollkommen ungefährlich war.

    • moise trumpeter Says:

      In der zweiten Hälfte der 80iger Jahre hat mein Vater mich kleinen Stift mal zu einer DDR-Wahl mitgenommen. Der Modus war ganz einfach, man konnte den Wahlvorschlag der Nationalen Front nur als ganzes zustimmen, dann faltete man den Wahlzettel und warf ihn in die Wahlurne oder man konnte auf dem Wahlzettel einzelne Kandidaten ablehnen, was niemand getan hat. Mein Vater hat auch einfach den Zettel gefaltet ohne einen Blick auf ihn zu werfen und ihn eingeworfen. Die vorhanden Wahlkabinen hat niemand genutzt, aus Angst vor Repressionen und erst recht hat niemand in der Öffentlichkeit des Wahllokals einen Wahlvorschlag der Einheitsliste abgelehnt. Wer am frühen Nachmittag noch nicht gewählt hatte wurde besucht und zur Wahl aufgefordert, die nicht ganz so standhaften Gegner des Systems sind in den Urlaub gefahren um nicht wählen zu müssen.
      Aus der formalen Korrektheit der Ergebnisse der DDR-Wahlen auf eine Zustimmung der Volkes zu schließen und die Annahme zu implizieren hier hätte sich das Volk in freier Wahl für das Regime entschieden bedeutet nachträglich den Lügen dieser Verbrecher auf den Leim zu gehen. Das wenig gefälscht werden musste lag daran, dass das ganze Wahlsystem so eingerichtet wurde, dass de facto keine freie Wahl möglich war. Die Wähler waren bereits im Vorfelde durch die Drohung möglicher Repressionen eingeschüchtert und wurden bei der Wahl überwacht.

      • Mcp Says:

        Es gab nicht nur pro forma sondern de facto die Möglichkeit zur Benutzung der Wahlkabine. Es gab auch praktisch keine Repressionen, wenn ein Bürger es „wagte“ eine solche zu benutzen. Die Aktenlage ist in dieser Frage ganz eindeutig. Warum die Mehrzahl der Bürger von dieser Wahlmöglichkeit – noch im Jahre 1989, dem Jahr des Untergangs, zu einer Zeit also, in der der das Regime schon deutliche Schwächen zeigte – keinen Gebrauch machte, ist mit Repression nicht mehr erklärbar.
        Zum anderen war auch die „Masse“ der Nichtwähler, sofern sonst nicht auffällig, keineswegs Repressionen ausgesetzt. Ich habe selbst eine parteiinterne Anweisung der Magdeburger SED-Bezirksleitung gelesen, in der die Parteibonzen angewiesen wurden, potenzielle Nichtwähler wie Bürger zu behandeln, die eine „berechtigte Eingabe“ an die Partei- und Staatsführung verfasst haben und ihren Wünschen, im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten, weitgehend Rechnung zu tragen, um sie so zur Wahl zu motivieren. Der parteiinternen Weisung anbei waren diverse Berichte geheftet, in denen „Hausbeauftragte“ oder einfache Parteimitglieder diverse Fälle aufgelistet haben. Meist ging es um zumutbaren Wohnraum. Es gab allerdings, ob dieser Vorgehensweise, auch heftige Kritik aus der „werktätigen Bevölkerung“, die sich über die windelweiche „Sonderbehandlung“ solcher Personen heftig mokierten: Alles das ist aktenkundig.

        Ich warne davor „das Volk“ zu stilisieren. Jede totalitäre Diktatur schöpft ihre Macht nicht aus abgehobenen Eliten, sondern aus der Masse des radikalisierten, urbanen Kleinbürgertums, dem es im Grunde egal ist, ob es Braun- , Rot- , Schwarz- oder Blauhemden trägt, solange es am gesellschaftlichen Reichtum partizipiert. „Das Volk“ war seit 1789 der Resonanzboden, mit dessen vorgeblichen Bedürfnissen man seitdem jede Diktatur rechtfertigte.

    • moise trumpeter Says:

      Macht und Herrschaft bauen nicht auf Repressionen und Gewalt sondern auf der Angst vor Repressionen und Gewalt auf (jedenfalls in Zeiten jenseits direkter revolutionärer Umwälzungen). Die Revolution ist da, wenn die Sanktionsdrohungen der Obrigkeit nicht mehr ernst genommen werden – dann zeigt sich, dass die Obrigkeit überhaupt nicht fähig ist ihre Sanktionsdrohungen gegen die plötzliche Masse ihrer Gegner durchzusetzen und jeder fragt sich im Nachhinein wovor man eigentlich Angst hatte. Bricht die Revolution aus ist die alte Obrigkeit hilflos, ihre alten Machtmittel versagen und sie kann sich nur über massive Gewalt in einem Bürgerkrieg durchsetzen.
      Nicht die realen Repressionen sondern die Furcht der vereinzelten Bürger vor den Repressionen, gegen die sie auf keine erprobte Solidarität zurückgreifen konnten, hat die Masse der DDR-Bürger bei der Stange gehalten und zu ‚richtigem‘ Wahlverhalten bewegt. Die Mitglieder von christlichen und anderen Oppositionsgruppen hatten natürlich eine gewisse Narrenfreiheit, weil sie mediale Unterstützung im Westen organisieren konnten, aber der ‚Normalbürger‘ stand dem Druck des Regimes allein gegenüber. Es ging bei den Repressionen nicht nur um Wohnraum sondern stets auch um das eigene berufliche Vorannkommen und nicht zu vergessen auch um die Ausbildungs- und Zukunftschancen der eigenen Kinder.
      Ich habe keinesfalls die Absicht das Volk zu stilisieren, ich mache nur darauf aufmerksam wie schwierig es ist sich einem etabliertem Herrschaftssystem zu widersetzen. Die DDR ist in ihrer etablierten Phase von der Masse der anpassungsbereiten kleinbürgerlichen Spießer mit durchaus konservativen gesellschaftlichen Ansichten getragen worden, die auch in jeder anderen modernen Gesellschaft das Rückgrat bilden. Allerdings glaube ich nicht, dass diese Schicht der Kern des modernen revolutionären Furors bildet, den würde ich eher bei den orientierungslosen Kindern der akademisch gebildeten Mittelschicht verorten.

      • Mcp Says:

        Das Erste gilt allerdings nur, wenn Revolutionen relativ friedlich über die Bühne gehen und nicht im Bürgerkrieg enden, wie dies etwa in Jugoslawien der Fall war. Die osteuropäischen Revolutionen nach 1989 waren ein Sonderfall, weil es nicht wirklich um einen Systemwechsel ging. Im Grunde herrschen dort die alten Eliten weiter, nur der Staat ist ein wenig aufgehübscht.

        Der Staat hat schon die Möglichkeit Sanktionsdrohungen auch gegen große Massen durchzusetzen, China hat dies zuletzt bewiesen.

        Das alles aber erklärt nicht das Verhaltender DDR-Bürger in der Wahlkabine. Hier hätte er, ob seines Verhaltens, keine Repression zu fürchten brauchen. Auch in der DDR waren die Wahlen geheim und die Möglichkeit Kandidaten von der Einheitsliste zu streichen bestand. Allerdings konnte man die, die davon Gebrauch machten an zehn Fingern abzählen. Wegen denen hätte man die Wahlen nicht zu fälschen brauchen. Das Problem waren wohl die Wahlverweigerer, die waren namentlich bekannt und die hätten auch Repressionen zu fürchten gehabt. Aber auch diese Anzahl bewegte sich wohl im Promille-Bereich. Da ging es um die Frage ob die Wahlbeteiligung bei 99,97 oder 99,98 Prozent lag. Das konnte über das Schicksal eines Parteisekretärs entscheiden. Zumindest bei der Kommunalwahl 1989, bei der viele massive Wahlfälschungen vermuteten, die aber offenbar nie stattgefunden hatten.

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