Genosse Zufall

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Mit der Freigabe des Materials durch die Birthler-Behörde darf die Erkenntnis als bestätigt gelten, die der BStU-Historiker Helmut Müller-Enbergs bereits im Mai 2009 formuliert hatte: Die Tat, die Kurras zur zeithistorischen Person machte, war kein Auftragsmord im Dienste der Stasi. Die verschlüsselten Funksprüche, die das MfS im Frühjahr 1967 an Kurras schickte, enthalten dafür keinerlei Indiz.[1]

Halten wir uns an die Fakten:

  • Ein westdeutscher Faschist – O-Ton Ostpresse – erschießt einen Westberliner „Antifaschisten“.
  • Der westdeutsche Faschist entpuppt sich als ostdeutscher Kommunist und Stasi-Spion, der im Auftrag des MfS die Westberliner Polizei infiltrierte.
  • Der erste Reporter vor Ort, zufällig ein Fotograf mit schussbereiter Kamera, steht zufällig in Diensten einer von der SED finanzierten Zeitung.
  • Anderen Tags bricht eine „spontane“Studentenrevolte los, die von den unzähligen linken Agitpropgruppen angeheizt wird, die nachweislich sowohl von der Stasi, als auch von der SED infiltriert und „weltanschaulich“ aufmunitioniert waren.
  • Ein Historiker stellt nach Studium der Akten eben dieses Geheimdienstes fest: Es gibt keine Indizien für einen Mordbefehl oder eine „führende Rolle“ dieses Geheimdienstes bei der Vorbereitung, der Auslösung und dem Ablauf der Revolte. Vielmehr sind alle diese, wie auch die folgenden Ereignisse, rein zufällig verkettet. Wer dahinter die gestaltende Hand handelnder Intelligenzen vermutet, ist ein Verschwörungstheoretiker.
  • Fakt ist, dass diejenigen, die heute in der Bundesrepublik politische Macht ausüben, es eben diesen Ereignissen verdanken, dass ihre Ideen heute die politische Agenda bestimmen. Deren Interesse an der Aufklärung der damaligen Ereignisse hält sich vermutlich in sehr engen Grenzen.
  • Fakt ist, dass die meisten Menschen in diesem Lande an die zufällige Entstehung des Lebens auf der Erde glauben und alle diejenigen, die dahinter eine gestaltende Intelligenz vermuten, zumindest skeptisch betrachten. Natürlich hat dieses Faktum nichts mit den Ereignissen zu tun, welche die Revolte von 1968 auslösten. Etwaige Übereinstimmungen in den Denkmustern bei Interpretation von Fakten sind rein zufällig.

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[1] Fall Ohnesorg: Kurras-Akten entlarven Zynismus der Stasi; WELT ONLINE.

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4 Antworten to “Genosse Zufall”

  1. Don't care Says:

    Möchte gar nicht wissen (wegen Blutdruck), wieviele der von der linken Schickeria und DDR-Schönrednern hier im Westen seinerzeits willfährige Stasi-Zuträger waren. Oder wieviele von der linken Journaille den DDR-Desinformanten aus der Hand frassen. So manche Kampagne in „Stern“, „Speichel“, etc. ,die damals die gesamte „Punzreplik“ erschütterte, dürfte ihn Stasi-Töpfen ausgekocht worden sein. Vor allem gehässige Diffamierugnen konservativer Politiker, Verteufelungen westlicher Militärstrategien, aber auch AKW(KKW)-Dämonisierungen, kurzum alles was den Staat destabiliserte, war doch geradezu Leib-u. Magenspeise der östlichen Maulwürfe.

    • Mcp Says:

      Wissen muss man es, denn die Legitimation dieser Politik stützt sich auf die Legende einer Revolte, die ihren Ursprung und ihre Ursache im Westen haben soll. Das zu widerlegen, würde die Legitimität des politischen Systems schwer erschüttern. Deshalb glaube ich nicht, dass wir díe Wahrheit erfahren werden, obwohl sie so offensichtlich auf der Hand liegt: Die SED wollte die Revolution in den Westen exportieren. Das war offizielles Staatsdogma und nicht nur leeres Geschwätz. Das war die Hauptaufgabe der Staatssicherheit, die daran fast 40 Jahre gearbeitet hat.

      • Don't care Says:

        Das dürfte stimmen. Und heute werden das rotgrüne Lügen-Konsortium nicht müde die Legende zu verbreiten, die 68-er Revolte sei eine REINE „Reaktion“ der Nachgeborerenen auf die „braune Vätergeneration“, und ein Protest gegen die „miefigen, spiessigen, restaurativen, kleinbürgerlichen und verkusteten“ 50-ger und 60-ger gewesen.

  2. LePenseur Says:

    @Mcp:
    Durch die Verknüpfung der Ungereimtheiten im Fall der Studentenrevolte mit Fragen der Entstehung des Lebens haben Sie dem Argument nicht eben gedient.

    Man kann nämlich durchaus in Zeiträumen von Jahrmilliarden und planetarischen Maßstäben an Zufälligkeiten glauben, hingegen auf dem kleinen Territorium Westberlins und innerhalb kürzester Zeit auftretende Ereignisse als nicht einfach „zufällig“ betrachten. Zumal wir von der tatsächlichen Existenz von SED und Stasi definitiv wissen — die Existenz Gottes hingegen bloß vermuten können.

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