Ein feste Burg ist unser Gott

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Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

Am 19. September war Familientreffen. Diesmal in einem Ort in Sachsen. Deshalb, weil einige unsere Verwandten ihre Wurzeln hier verorten und im Zuge der „Bodenreform“ von hier vertrieben wurden. Auch deshalb tragisch, weil ein Teil der von den Kommunisten Vertriebenen vorher schon aus Ostpreußen und dem Sudetenland flüchten mussten und diese gehofft hatten, in Sachsen eine sichere Zuflucht zu finden.

Wie dem auch sei, zum Abschluss des Treffens besuchten wir traditionell die Kirche zu einem Gottesdienst und es stellte sich heraus, dass sich der Nachwuchs gehörig mausert: Ein Luxemburger Spross enterte spontan die Kirchenorgel und stimmte – freilich evangelische – Psalmen an. Die Familie erhob sich, wer konnte, sang mit. Ich natürlich nicht. Gefreut hat es mich trotzdem. Endlich einen Musikus in unserer Gens.

(Und WordPress werde ich, ob seiner scheiß neumodischen Spielereien, irgendwann in die Tonne treten. Hatte grad einen Wutanfall. Ich bin mir sicher, ich hatte auf speichern, nicht auf publizieren geklickt, als heute morgen das Telefon klingelte.)

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4 Antworten to “Ein feste Burg ist unser Gott”

  1. Kassandra Says:

    „Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“

    Das heisst aber nicht, dass wir uns hinsetzen und warten bis Gott das Ding schon schaukelt. Wir sollten beten, um Erkenntnis und Führung ringen und handeln nach dem Motto: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.“
    Und wir sollten seine Worte nicht vergessen: „Fürchtet Euch nicht, denn seht, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“

  2. Meyer Says:

    Schön!

    Ich, als alter Protestant, erfeue mich um so mehr daran, diese altlutherische Hymne hier abgedruckt zu sehen (wordpress sei dank!).

    Doch mittlerweile höre ich nicht nur evangelische Lieder gerne, sondern auch katholische. Da weigere ich mich zwar auch mitzusingen, sofern ich das überhaupt könnte; freue mich aber doch und erkenne das eine oder andere wieder. Zwar ist es schade, daß Reformation und Gegenreformation unser Vaterland und Europa zwischen Nord und Süd zerrissen haben. Aber es ist wie in allen Notzeiten: In der Gefahr rückt man zusammen. Ich ertappe mich jedesmal dabei, wie ich, katholikenfeindlich erzogen, gerade die strenge Linie der katholischen Kirche immer wieder verteidige. Nicht unbedingt deswegen, weil diese Haltung inhaltlich richtig liegt, was aber oft genug der Fall ist, sondern weil sich die wenigen konsequenten Vertreter weigern, sich dem Zeitgeist zu ergeben. Oder deutlicher: Sie haben einfach einen Hintern in der Buxe.

    Bei IDEA, dem evangelikalen Pressebetrieb, sieht man immer positive Bezüge und Anlehnungen an die traditionelle katholische Linie. Darüber hinaus habe ich die Seiten der Pius-Brüder angeschaut und festgestellt, daß dort ausdrücklich die Querverbindungen zu den Evangelikalen betont wurden.

    Ich weiß gar nicht, ob ich nun so dermaßen konservativ im allegeinverständlichen Sinne bin. – Aber ich weiß, daß ich Standfestigkeit als einen positiven Charakterzug ansehe. Das ist kein ethischer oder moralischer Standpunkt, sondern eine Frage nach den Tugenden. Und die Brufung auf Tugenden – anstatt auf Moral und Ethik – sind per se eine konservative Erscheinung; gerade auch in der Philosophie.

    Tugenden „gab“ es schon immer; seit es Menschen gibt. Ethik ist ein noch nicht einmal 3000 Jahre alter Schnickschnack. Und das Konservativsein, könnte man auch so definieren, daß es heißt, sein Sein konsequent an der conditio humana auszurichten: Sich selbst zu erziehen.
    Das Ziel wurde im obigen Aufsatz in wenigen Sätzen dargelegt und muß nicht weiter ergänzt werden. Letztlich gejht es darum, den Seinen alles (an Strenge gegen sich und andere) mitzugeben, was diese zu Überleben benötigen und dennoch einen offenen Geist zu erlauben, der Dinge existenziell Hinzterfragen darf.

    Erinnern könnte man an dieser Stelle noch an die klassischen Tugenden der Antike. Auch an die scholastisch-katholischen Tugenden, niedergelegt durch Albertus magnus und Thomas von Aquin. Letztere umfaßten erstere. Machiavelli berief sich in der eher antichristlichen italienischen Renaissance genauso auf diese Tugenden, wie der katholische und evangelische Widerstand im Dritten Reich.

    Tugenden sind allgemeingültig und ich habe noch NIEMALS einen Linken einen Appell auf die Tugenden halten hören, jedoch täglich idiotische Vorträge über Ethik und Moral (Mit Tugenden könne man ja auch ein KZ führen, sagte Lafontaine. Es schreit da nach einer Erwiderung, die spare ich mir mal. Sie ist zwingend schon im Zitat angelegt.)

    Der „Wertkonservativismus“ und die „Spießbürgerlichkeit“, des ersteren primitiver Bruder, sind deswegen nicht konservativ im eigentlichen Sinne. Sie sind sogar antikonservativ. Letztendlich schaffen sie sich selbst ab.

    Paradebeispiel für eine konservative Ordnung:
    – die lakedaimonische (ich weiß ja, mit wem ich spreche!),
    – die altpreußische.

    Sich lakonisch kurz zu fassen, ist eine Tugend, an der ich noch zu arbeiten habe!

    • Mcp Says:

      Ich singe nicht, weil ich an Amusi leide, mein Mitgesang also eine Zumutung für meine mithörende Umwelt wäre. Ich singe so falsch, das meine Musiklehrerin, sich die Ohren zuhaltend, meinen „Gesang“ als „Gabe“ bezeichnete. Ich sprenge jede Karaoke-Runde. Augenblicklich. Ich bin eine Sirene aus Odysseus Irrfahrt.🙂

      Tugend, Moral, Ethik – drei Stufen des Abstiegs. In der Tat – so denke ich. Noch weiter: Schwert, Zepter, Sektglas.

      Aber, um es „modern“ zu sagen: Alles ist Entropie.

      Gruß vom Katholiken zum Protestanten.

  3. Meyer Says:

    Ich singe auch nicht besonders gut, vor allem zu tief. Aber da ist man ja selten alleine. Es entwickelte sich gerne mal ein „Wettkampf“, wer’s denn noch tiefer kann.

    Wer mal in einem gewöhnlichen evangelischen Staatskirche im Gottesdienst war, dürfte meist recht enttäuscht sein. gerade als Katholik. Anders sieht es aus, wenn man mal einen echten lutheranischen Gottesdienst besucht. Das ist bereits viel „katholischer“ dem Äußeren nach. Luther selbst hat ja in der deutschen Messe einfach nur die Teile aus der katholischen Hl. Messe herausgenommen, die sich mit seinem Bekenntnis nicht vereinbaren ließen.
    Der wirklich große Kulturbruch im Protestantismus kam mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., der die heutige Form per Gesetz befahl. Er mag in vielem richtig gelegen haben, teils mit Widerwillen.
    In den Nachwirkungen konnten Mitglieder altlutheranischer Freikirchen bis zuletzt nicht die Offizierlaufbahn in der preußischen Armee einschlagen. Dioe freikirchen waren die Widerstandsbewegung gegen die Kirchenverstaatlichung und -vereinheitlichung, Stichwort Unierte Kirche, zuletzt altpreußische Union. Das hätte vielleicht nicht per se zu dieser femenisierten „Kirche“ werden müssen, aber die dauernden Umbrüche und Veränderungen haben nunmal eine Tradition gar nicht erst entstehen lassen.
    Da hat es katholische Kirche bedeutend besser. Dennoch haben auch hier die beiden letzten vatikanischen Konzilien eine Unruhe hereingebracht, die sich zerstörerisch auswirkten. Eine Femenisierung kann man auch dort ausmachen, bis in die Ränge der Kardinäle hinein; von der Laienorganisation ganz zu schweigen, nur noch nicht so vollständig, wie bei dem Staatsprotestanten. Die Papstkür hat dies bewiesen.

    Gruß zurück!

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