Juden, Christen, Islamisten

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Deutschland findet seine kulturellen Wurzeln zum großen Teil in christlich-jüdischen Einflüssen und wurde so das, was heute ist.[1]

Wobei man beim Judentum nie vergessen darf: Über tausend Jahre war der Antijudaismus eine tragende Säule abendländischer Kultur. Die Judenemanzipation und damit ihr Einfluss auf das europäische Denken begann erst, als das klassische Abendland schon untergegangen war. Die Reaktion auf den Aufstieg der europäischen Juden war das Aufkommen des Antisemitismus, der zu den bekannten Exzessen führte.

Was außerdem oft vergessen wird, der Islam und das Judentum lebten bis zur Gründung Israels in einer Symbiose. In ganz Arabien und Spanien waren es die Juden‚ die für die Verwaltung und Wissenschaft zuständig waren. Ihre Vertreibung im Zuge der Reconquista war folgerichtig, sie gehörten zur Oberschicht in „Al Andalus“.

Große Teile des Judentums haben daher auch heute noch eine Affinität zum Islam, die sich aus dieser Historie erklärt. Vergleichbare Pogrome gegen Juden, wie sie im christlichen Europa üblich waren, hat es unter islamischer Herrschaft nie gegeben. Schon deshalb, weil es im Islam, anders als im Christentum, keine theologische Grundlagen dafür gibt.

Erst die Gründung Israels hat die Frontstellung geändert. Deshalb aber von „einer christlich-jüdischen Kultur“ Europas zu sprechen, ist historisch einfach falsch. Das Christentum hat sich gegen das Judentum emanzipiert, nicht mit ihm. Vielleicht erklärt das auch das Interesse gewisser Teile des Judentums an der Etablierung des Islams im einst christlichen Europa.
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[1] CDU-POLITIK.DE » Bunte Republik: Islam, Christentum und Judentum gleichwertig?.

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11 Antworten to “Juden, Christen, Islamisten”

  1. Meyer Says:

    Jüdisch-christliche Wurzeln? – So ein Schwachsinn.

    Im Christentum ist natürlich seine Herleitung aus dem Jüdischen enthalten. Das ist selbstverständlich und bedarf keiner weiteren Betonung durch ein Bindestrich-Wort. Das Judentum als solches hat auf die deutsche Kultur keinen Einfluß gehabt, vielleicht ein wenig in letzter Zeit. Andersherum sehr wohl, wie man an der Entstehung der jiddischen Sprache, ein deutscher Dialekt, erkennen kann. So nennt man die größte, die osteuropäische Gruppe unter den Juden die Ashkenasim – die Deutschen. (Und nur für diese gelten Sarrazins Aussagen bezüglich der IQ-Intelligenz, ein durch zu geringe Zuchtwahl entstandener Gen-Defekt, der neben einer erhöhten IQ-Intelligenz auch körperliche Krankheiten hervorruft. Für Sephardim gelten sie ganz sicher nicht. Die liegen mit dem Durchschnitts-IQ deutlich unter den mitteleuropäischen Werten.)

    Wir sind ebenso römisch beeinflußt. Der Einfluß der Römer läßt sich auch diesseits des Limes nicht leugnen. Jenseits desselben war er sogar wesentlich (Köln, Bonn). Die Römer hingegen sind selbst aus Griechenland beeinflußt gewesen. Selbst das Christentum wäre nicht ohne die Ausseinandersetzung mit den Griechen und Römern entstanden (siehe Paulus).

    Das Christentum ist doch erst durch Karl den Großen wirksam verbreitet worden, durch die Sachsen-Christianisierung. Dabei ist zu betonen, daß alle Stämme nördlich des Mains und ostwärts des Rheins Sachsen waren.

    Also: Bei all dem obigen handelt es sich nicht um „Wurzeln“, sondern um nicht zu leugnende „Einflüsse“! Das Wort „Wurzel“ ist schon bildlich genug. Um den Begriff „Einfluß“ zu verbildlichen, würde ich „Regenwasser“ oder „Dünger“ verwenden wollen. Das zeigt das richtige Verhältnis.

    Im Kern ist der deutsche Baum also germanischen Ursprungs. Nicht durch bloße äußere Beeinflussung, sondern aus der Wurzel heraus. Alles andere kam später, wie Regenschauer, Sonne, Bemoosung, Waldbrände, Zuwucherung und Abschattung, Veränderung des Bodens und nicht zuletzt Parasitenbefall.
    Und ein deutsches Bewußtsein gibt es spätestens seit Arminius. Tatsächlich muß es das aber schon verher gegeben haben, sonst hätte dieses Bewußtsein auf den fast-schon-Römer Arminius keine Wirkung entfalten können. Sein Bruder hat bekanntlich sein deutsches Bewußtsein als „barbarisch“ abgelegt.
    Mit einem „römisch-germanischen Museum“ wird man unseren kulturellen Wurzeln gerecht; scher nicht mit einem „jüdisch-christlichen Museum“. Da wäre nicht viel zu bestaunen.

    Ich kann und will mich mit dem Verkümmern dieses Baumes nicht abfinden; auch nicht mit dem Versuch, aus einer Eiche eine Mittelmeer-Palme zu machen.

    Ergänzung: Es wäre wohl unredlich, wenn wir den heute wirksamsten Einfluß verschweigen würden: Den Amerikanismus. Dazu hat Fernau alles nötige gesagt. Dieser könnte tödlich gewesen sein.

    • Mcp Says:

      Ist mir recht.

      Eine Anmerkung noch: Germanische Stämme waren schon vor Karl christlich domestiziert. Jedenfalls die an der westlichen Donau und die meisten zwischen Rhein und Elbe. Karl der Große hat die Ostexpansion betrieben, die unter den Nachfolgern, nunmehr unter dem Kreuz geeint, erfolgreich bis ins Baltikum fortgesetzt wurde.

      Und ja, die Europäer haben das Christentum assimiliert und nicht umgekehrt, wie heute oft behauptet.

      Dies alles ganz ohne Juden oder Antisemitismus. Die spielten in Europa, von der neueren Neuzeit abgesehen, eine höchstens marginale Rolle. Nicht einmal als Geldverleiher. Dabei natürlich als Sündenbock immer höchst brauchbar. Das war ungerecht.

      Und natürlich schätze ich die Bereicherung der europäischen Kultur, die wir der jüdischen Emanzipation mit zu verdanken haben: Materialismus, Kapitalismus, Marxismus, Kommunismus, Sozialismus und Feminismus, sowie sonstige „ismuse“.

      Endlich sind wir aufgeklärt.

  2. Meyer Says:

    Ich schätze tatsächlich alle „ismuse“, obwohl ich keinem nahestehe oder mir gar zueigen mache. Aber sie sind Gegenstände der geistigen Auseinandersetzung. Man ist gezwungen, seine eigene Position zu verbalisieren und damit gedanklich zu schärfen. Und hier sehe ich allerdings einen großen Beitrag von Juden für unser heutiges Europa – einen positiven. das habe ich tatsächlich unterschlagen. Aber es handelt sich eben eher um eine Beeinflussung durch Juden und nicht eine des Judentums; also eine mittelbare.
    Wie auch sonst keinem „ismus“, stehe ich eben auch dem Antisemtismus nicht nahe. Überall dort wo „Anti“ drauf steht ist ein „ismus“ drin.
    Deswegen muß ich mich aber noch lange nicht als „christlich-jüdisch“ bezeichnen. An diesem Bockmist erkennt man bloß den Wert- also Pseudokonservativen. Das bin ich nicht. Das riecht mir zu sehr nach „neocon“. Und das bin ich schonmal gar nicht. Dort steckt zweifellos eine große Portion Judentum drin, und zwar
    unmittelbar.

    Allem Gesagten kann ich natürlich zustimmen. Aber das ist ja nichts neues.

    • Mcp Says:

      Die „ismuse“ können mir gestohlen bleiben. Nichts davon ist brauchbar, logisch oder gar „wissenschaftlich“, sofern man Letzteres annimmt. Die meisten „ismuse“ erfüllen nicht einmal die Mindeststandards des theoretischen Denkens. Die „ismuse“, inklusive des Antisemitismus, sind pure Ideologie. Auswüchse, Metastasen der urbanen Massengesellschaft. Insofern unerheblich.

      Ich komme aus der Mathematik, der reinen Lehre von der unbefleckten Empfängnis des Verstandes durch Gott. Natürlich ironisch gemeint.

      Trotzdem, ich kann keine Wissenschaft ernst nehmen, deren Grundlagen sich der Mathematik verweigern. Das sind Häresien des Denkens. Die „ismuse“ gehören sämtlich dazu.

  3. Meyer Says:

    Ismen haben mit Wissenschaft nicht das geringste zutun, ohne daß sie deshalb völlig dumm sein müssen. Die meisten Ismen kann man getrost in zwei Teilen betrachten, einen analytischen und einen systemtisch-kreativen. Nicht jeder Ismus scheitert in der Analyse bzw. der Phänomenologie. Alle, ausnahmslos, scheitern in der Alternative, die sie versuchen aufzubauen.
    Zwischen einem Ismus und einer Ideologie würde ich vielleicht einen kleinen Unterschied noch sehen wollen. Die Ideologie würde ich als ein geschlossenes denk- und erklärungssystem betrachten wollen. Ein Ismus kann Offenheiten besitzen.

    Interessant sind die Ismen, die allerdings Hand in Hand mit der Wissenschaft gingen. Der Empirismus Aristotoles und Newtons. Allerdings auch die teilen Grund-Axiome, die nicht beweisbar sind.

    Es gibt Fächer, die eng miteinander verwandt sind, sich als wissenschaftlich begreifen, ohne es zu sein: die Jurisprudenz und die reine (philosophische) Theologie. Beide haben jeweils ein oder mehrere unwissenschaftliche Grundaxiome. Mit diesem Geburtsfehler können sie dadurch auch nicht mehr wissenschftlicher werden. Das sage ich als Jurist.

    Bei den Ismen geht es mir um die Notwendigkeit, in der Auseinandersetzung die Gegenpositionen in Sprache umzuwandeln. Das schult allerdings, zumindest die Sprache und die saubere Begrifflichkeit und damit das eigene Denken (B.L. Whorf).

    Es ist wie mit einer Gesellschaft, Wirtschaftsordnung, Staatsverfassung oder einer Armee. Erst im Gegenwind beweist sich, ob sie was taugen. Und nur im Gegenwind werden diese gehärtet und verbessert.

  4. juko Says:

    ….dass der Islam und das Judentum stets in friedlicher Eintracht gelebt hätten, kann man aber definitiv nicht behaupten:
    -bereits Mohammed führt die erbittertsten Kämpfe gg. die jüdischen Stämme und seine Flüche aus der Zeit sind elementarer Bestandteil jeglichen islamischen Antisemitismus unserer Zeit.
    Auch die Diskriminierung von Juden unter islam. Herrschaft machte keinen Unterschied zu der, die Christen erleiden mußten,- Symbiose sieht anders aus!
    Dass es in Saudi-Arabien und Umgebung keine Juden mehr gibt, ist ebenfalls kein Ergebnis des letzten Jahrhunderts, sondern jahrhunderte langer systematischer Vertreibung und Zwangskonversion, die musl. Kalifen dort durchführten.
    Ich zitiere aus einem netten FAZ-Essay:
    „Das erste große Pogrom gegen Juden auf europäischem Boden fand 1066 im muslimischen Granada statt; dabei kamen 1500 jüdische Familien um. 1135 wurde das Judenviertel Córdobas niedergebrannt, die Zahl der Massakrierten nicht zu wissen mag heilsam sein.“
    (Quelle: http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E2671621C1A9B4E51A70E106F774BB376~ATpl~Ecommon~Scontent.html )
    ….und bei allem Gerede über den bösen Antijudaismus des Mittelalters, muss doch auch bemerkt werden, dass man hier kein einheitlich negatives Bild zeichnen kann, denn genauso wie es in vielen Städten Juden verboten war sich niederzulaßen, gab es z.B. das „Privilegium de non tolerandis christianis“ welches rein jüdische Städte und Viertel generierte, in denen Christen diskriminiert wurden, bzw. sich nicht niederlaßen durften.

    Viele weitere Beispiele ließen sich nennen, für wichtiger halte ich es jedoch nicht kommentarlos diese Lüge vom toleranten Islam stehen zu laßen.

  5. thysus Says:

    1. Von „christlich-jüdisch“ zu sprechen, ist nicht ein Fehler, sondern Bedingung, das Christentum (auch in Deutschland) wirklich zu erfassen – auch wenn diese Einsicht erst spät wieder Fuss gefasst hat. Das Judentum ist nun mal die originale Wurzel des Christentums und nicht bloss eine, wenn auch wichtige, Nahrung. Die Aussagen Jesu hat beruhen praktisch ausschliesslich auf Aussagen der Propheten und der Tora.
    2. Die Behauptung, dass „es im Islam, anders als im Christentum, keine theologische Grundlagen [für Judenverfolgungen] gibt“ ist absolut unrichtig. Es gibt im Christentum keinerlei theologische Grundlagen für Verfolgungen jeglicher Art, auch nicht für Judenverfolgungen, auch wenn dies vielerorts jahrhundertelang schmerzlich missachtet wurde! Das Gegenteil ist richtig: Die Evangelien fordern absolute Liebe für Brüder, aber auch für Gegner oder gar für Feinde.
    Dar Koran hingegen fordert unmissverständlich und hasserfüllt zur Vernichtund der Juden auf.

  6. Meyer Says:

    Zu thysus und juko: Oh weia.

    Zwischen Judentum und Christentum eine Art Identität anzunehmen, ist neumodischer Schnickschnak, und völlig ahistorisch. Da können Sie es mit dem orthodxen, römisch-katholischen oder lutherischen oder reformierten Bekenntnis halten, wie sie wollen. In der Erscheinung Jesu als DER Messias ist der KERN des Christentums, seine Göttlichkeit, steht unüberbrückbar zwischen dem AT und dem NT. In religösem Zusammenhang dürfte geschichtlich in den Juden wohl eher der Nachfahre der Jesusmörder gesehen worden sein.

    Der Versuch, das Christentum als eine Sekte aus dem Stamm des Judentums zu machen, ist in den Köpfen amerikanischer neocons geboren, um für ihre Interessen, den etwas primitiven bible belt nebst der GOP zu gewinnen. Das dürfte denen auch gelungen sein.

    Lesen sie mal ein wenig Luther. Das dürfte Erkenntnisgewinn versprechen. Er dürfte der bessere Theologe sein.

  7. Mcp Says:

    Ich sag es nochmal: Jesus hat sich gegen die Juden emanzipiert. Kennt keiner mehr die Bibel? Das Neue Testament? Die Juden sind Gottesmörder. Da ist kein Interpretationsspielraum, außer man will sich einseitig mit der Synagoge versöhnen.

    • moise trumpeter Says:

      Ich empflele Ihnen nachzulesen was Paulus im Römerbrief Kapitel 9-11 zu dem Thema zu sagen hat. Erik Peterson hat dazu einen schönen Kommentar mit dem bezeichnenden Titel ‚Die Kirche aus Juden und Heiden‘ verfasst.
      Nirgendwo in den Evangelien ist zu erkennen das Jesus sich von den Juden emanzipiert, vielmehr wird eindeutig klar das sich seine Botschaft nur an die Juden richtet (keine Perlen vor die Säue werfen). Erst nachdem die Juden die Botschaft Jesu trotz Kreuztod und Auferstehung abelehnt haben entstand die Kirche aus Heidenchristen die sich vom Judentum emanzipierte.

      • Mcp Says:

        Dem widerspreche ich entscheiden. Ich bin kein Theologe, aber die Logik der Texte spricht eine deutliche Sprache. Ihr könnt nur einem Herren einen Herren dienen: Gott oder Mammon. Es war der Mammon der Jesus an Kreuz nagelte, es ist der Mammon der bis heute die Synagoge beherrscht.

        In gewisser Weise sogar die Reformierten, wie die Protestanten. Wer Reichtum, Erfolg zum Maßstab dafür erhebt, dass Gott ihn liebt, der ist judaisiert, der kann mit der „revolutionären“ Botschaft des Neuen Testamentes nichts oder wenig anfangen. Auch deshalb die Affinität vieler Freikirchen zum Alten Testament.

        Die radikale Abwendung von der Welt welche Juden heiligen, ist sehr wohl die ursprüngliche Botschaft Christi und Versatzstücke späterer Botschafter sind Versuche zur Judenmission.

        Das hat in diesem historischen Moment noch nichts mit den Heidenchristen zu tun. Die eifrigsten Denunzianten, in antiken, antichristlichen Rom waren die romanisierten Juden.

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