Adel verpflichtet

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Stephanie zu Guttenberg und eine Fernsehfirma gehen auf eigene Faust und ohne Rücksicht auf rechtsstaatliche Prinzipien auf Verbrecherjagd. Das Ergebnis: eine Debatte, die Differenzierungen unmöglich macht.

Nun ist auch diese Debatte aus dem Ruder gelaufen. Seit die Ministergattin Stephanie zu Guttenberg die Fernsehsendung „Tatort Internet“ co-moderiert, wird weniger über Kindesmissbrauch, als über das Boulevardfernsehen und seine Methoden gestritten. Darf eine Fernsehsendung Verbrecher in die Falle locken? So nämlich verfährt die Sendung mit potenziellen Kinderschändern. Moralisch ist die Frage leicht zu beantworten: Im Angesicht des Verbrechens erscheint so manches Mittel als legitim.[1]

Die Vorstellung das in einer Debatte gestritten wird, bis die Fetzen fliegen, scheint der „süddeutschen“ irgendwie unheimlich zu sein. Versteht man. Unsere Qualitätsjournaille führt normalerweise keine Debatten sondern diktiert eine Meinung. Im Zweifel äußern die gar keine Meinung, sondern bleiben so „differenziert“, dass sie sich einfach totschweigen.

Man kann nämlich in der Tat gegensätzlicher Meinung darüber sein, was unsere künftige Kanzlergattin [2] im Boulevardfernsehen treibt. Pädophile anbaggern um sie bloßzustellen ist nicht die feine aristokratische Art. Eher etwas schmuddelig. Nun ja. Stephanie ist eine Eingeheiratete, kein Blutadel. Da kann man schon einmal ein Auge zudrücken. Trotzdem: Adel verpflichtet.

Denn eigentlich ist das, was sie da mitmacht eine veritable Straftat. Ob sich ein Kläger findet? Das wird ihrer und ihres Gatten Karriere schaden. Egal, wie die Debatte ausgeht. Bücher schreiben ist das Eine [3], Kinderschänder jagen das Andere. Beides kann berühmt machen: siehe Causa Tauss.[4]

Ich will nicht hoffen, dass „Die Guttenbergs“ über die Affäre stolpern. Aber anderseits; Stoff für einen tragischen Jahrhundertroman.

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[1] TV: „Tatort Internet“-Stephanie zu Guttenberg selbst am Pranger
[2] Seehofers Quälgeist; SPON
[3] Schaut nicht weg
[4] Jörg Tauss

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11 Antworten to “Adel verpflichtet”

  1. Benedetta Says:

    Ganz ehrlich: Ich habe gestern die Senung (zum ersten Mal) kurz angesehen, nach einer halben Stunde musste ich es ausschlaten (wg Übekeit😦 ). ICH finde: man sollte diese Männer nicht verpixeln, sondern offen zeigen, es ist eine himmelschreiende Schande, daß hier „Persönlichkeitsrechte“ der Täter gewahrt werden- wo bleiben die der Opfer?

    • Mcp Says:

      Die „Pixelanten“ gehören bestraft. Ohne jeden Zweifel. Nur bitte: nicht durch den Mob, sondern durch die Justiz. Man kann über die Justiz schimpfen, aber sie ist einzige Instanz, die Zivilisation von Barbarei scheidet.

      Indem man jemanden öffentlich macht, seinen Namen und seine Adresse nennt, liefert man ihn aus. An jene, die keine Gnade kennen.

      Jeder Sünder hat das Recht auf Reue. Auf Vergebung und Umkehr. Nur muss man ihm dieses Recht auch einräumen. Ihm Zeit lassen, zu bereuen. Wer abschwört, ist gerettet. Das ist große abendländische Tradition. Die gründliche Untersuchung vor der allgemeinen Verurteilung ist eine Erfindung der katholischen Kirche. Wie der Grundsatz in dubio pro reo. Wir liefern niemanden den Löwen aus.

      Lieber in den Bleikammern von Venedig ehrlich verrotten, als dem Straßenmob zur grausamen Kurzweil ausgeliefert. Was, wenn er unschuldig ist? Wer will so vor Gott treten? Dass er seine Instinkte ausgelebt hat, statt sie zu züchtigen? Dann ist er keinen Deut besser als ein Kinderschänder.

  2. Tiberius Says:

    Nur eine kleine Anmerkung: Bei der Gattin des zukünftigen Bundeskanzlers handelt es sich um eine geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen. Immerhin alter protestantischer Adel.

  3. Yon Says:

    Versteh ich das richtig, das ist jetzt so die deutsche Ausgabe von Chris Hansen?

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