Zauberwort der Mitläufer

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„Ausdruck moderner Individualität.“

Das Konstrukt habe ich gerade in einem Kommentar gelesen. Witzig.

Modern heißt eigentlich nichts anderes, als mit der Mode zu gehen. Sich zu kleiden, wie andere sich kleiden. Zu denken, was Zeitgenossen denken. „Modern“ sein heißt, man will nicht aus Reihe tanzen. „Trendi“ sein, nicht gegen den Zeitgeist paddeln. „Modern“ waren zu ihrer Zeit auch die Nazis. „Modern sein“, ist das Zauberwort der Mitläufer.

Individualität ist ein Gegenteil, denn es bezeichnet die Eigenschaften einer Person, durch die sie sich von allen anderen Individuen unterscheidet, sich aus der Masse heraushebt, sie als Person sichtbar wird. Aber das ist nicht „modern“. Denn je größer die Unterschiede zwischen Masse und Individuum werden, desto „unmoderner“ wird die Person. Irgendwann stammen seine Ansichten aus dem „Mittelalter“; er wird angefeindet, ausgegrenzt.

Spätestens jetzt beginnt sich der wahre Charakter des relativierenden Adjektives „modern“ zu enthüllen: Man darf zwar ein Individuum sein, aber bitte schön, ein an den Zeitgeist Angepasstes. Modern ist als Adjektiv nichts anderes als die Einhegung des Individuums auf die herrschende Mode.

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4 Antworten to “Zauberwort der Mitläufer”

  1. Don't care Says:

    Das ist hierzulande eine besonders krass auffallende Tugend, dieses Mitläufertum, und sich dabei besonders „individuell“ und „einmalig“ vorzukommen. Dieses herumstolzieren in der „Nonkonformisten-Uniform“, dem Zeitgeist nachzuplappern, der da einflüstert, man sei doch ach so „autonom“, unabhängig, habe den grossen Durchblick, sei manipulationsresistent, insbesondere nach der grossen Antifa-Läuterung, das ist so eine typische Attitüde der linksgrünfemi-formatierten Pseudeo-Intellektuellen. –
    Man braucht nur mal den typischen Phrasen solcher Figuren nachzulauschen. – Da hagelt es nur so von den penetranten „letztendlich“, „umsetzen“, „angesagt“, „nachhaltig“, „alternativlos“, „Sinn machen“, etc. – Alles aus dem Pool der Hohl-Sprüche, die die tollen „Indiviualisten“ tagtäglich von den „MSM“ eingeflüstert bekommen.

    Kommt mir irgendeine FigurIn mit derlei Ditkion, triggert bei mir allsogleich der „Pappenheimer-Effekt“ an, und die Lauscher werden alsbald auf Durchzug gestellt.

  2. Johannes Says:

    Doderer hat einmal geschrieben, emotional werde es immer dann, wenn die Argumente ausgingen.
    Man sollte meinen, in ähnlichem Sinn kämen immer dann diese nichtssagenden Quasisätze, wenn das Handwerkzeug fehlt. Dem ist leider nicht so. Die Phrasen sind euphemistische Bäume, hinter die die Redner ihre wahren Absichten schieben. Vielleicht sollte man sich doch die Mühe einer Übersetzung machen, um hier und da ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten?

  3. Erich Zimmermann Says:

    von mitspieltheater@googlemail.com Ich schlage hiermit
    Allen das Mitläufertum aus Humor vor.Habe mir mal, weiss
    nicht mehr wo, billige Pappmache-Masken (Herkunftsland
    Indien gekauft.Irgendwann lagen sie dann mal längere Zeit
    in der prallen Sonne und sind „Geschmolzen ? Dabei stanken
    sie nach einem bekannten Material, welches in Indien auch
    für billige Götterfiguren verwendet wird = „Scheisse (natür-
    lich von heiligen Kühen.Dieser schönen Tradition wollen wir
    uns auf dem Augsburger Faschingszug wieder erinnern und
    backen unsere Figuren aus Scheisse, Kalk u Holzmehl. Dann
    malen wir sie als richtig schöne kunstwerke an zum aufstellen
    in der Stadt und wenn Sie uns dann loben,-haben Sie Scheisse gelobt

  4. Don't care Says:

    Ein Aspekt wäre bei der rezenten „Schlafmütze Michel“ nochmal besonders hervorzuheben:
    – So ein aufgeblasener Stolz auf seine Degradierung zum Paria der Weltgeschichte, so eine Weichtigheimerei mit seiner „Nichtswürdigkeit“, grossmauliges Prahlen mit seinen Ketten, schleimige Dankbarkeit für seine Gehirnwäsche, Euphorie über seine „finale Nazi-Exorziertheit“, fanatische Weltverbesserungs-Allüren, krampfhaftes „Immer-besser-Mensch-Werden“, alles Tradierte zu verachten und zu verhöhnen. Vor allem mit letzterem kommt er sich so super-progressiv, modern und mit hämischer Ablehnung von Konventionen so hyper-individualistisch vor. –

    Dabei isser vielleicht noch ein lächerlicherer Arschkriecher, als seine in Grund un Boden verteufelten „braunen“ Väter und Grossväter-

    Denn er meint, in seiner Hybris, er sei, nach Zeiten der Lüge und Verblendung, Partizipant an einer Ära der Wahrheit und Erleuchtung.

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