Stunde der Voyeuristen

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Libyens Diktator Gaddafi soll laut Wikileaks eine Affäre mit seiner Krankenschwester haben. Der Fall zeigt, wie mit einfachen Menschen gespielt wird.[1]

Wikileaks hat bis jetzt nichts aufgedeckt, es bedient im Gegenteil nur Voyeuristen, die sich zudem noch als Freiheitshelden generieren.

Wer jetzt widerspricht, der soll daran denken, wie er sich fühlen würde, wenn man seinen E-Mail Account hackt und den Inhalt ins Internet stellt.

Gäbe es nur den geringsten Hinweis darauf, dass irgendwer gegen Recht vorstößt, wäre ich der Erste, der die Veröffentlichung fordern würde. Statt dessen kommt nur Klatsch und Tratsch. Widerlich.

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[1] Enthüllungen: Der Wikileaks-Rufmord an Gaddafis Krankenschwester; WELT ONLINE.

13 Antworten to “Stunde der Voyeuristen”

  1. Imrahil Says:

    Bemerkung: Selbst wenn beispielsweise die US-Armee gegen das Recht verstößt, veröffentlicht man in einer Situation, in der sich die eigene Truppe im Kampf befindet, nicht Meldungen, die dem Feind eine Lagebeurteilung ermöglichen könnten. Dann sterben nur die eigenen Kameraden. Es ist ja auch nicht so, daß man die Rechtsverletzung der US-Armee nicht auf dem ordentlichen d. h. gerichtlichen Weg verfolgen könnte.

  2. Mcp Says:

    Das stimmt.

    Allerdings ist in bestimmten Fällen ein wenig Öffentlichkeit hilfreich. Siehe Abu Ghraib. Ohne die verräterischen Fotos säße die dumme Kuh heute nicht dort, wo sie hingehört.

    In jeder Bruderschaft läuft irgendwann etwas aus dem Ruder. Und irgendwann muss man darüber reden. Offen und ehrlich. Je eher, desto besser, bevor die Krankheit zum Geschwür mutiert. Denn es kann sein, dass man im Kampf gegen den Feind dessen Wesenheit übernimmt, zu dem wird, was man vorgibt zu bekämpfen.

    Solche Kameraden muss man zurückholen oder, wenn das nichts hilft, wie einen Feind behandeln. Denn dann sind sie nichts anderes als Verräter.

    Man zieht nicht in den Kampf um der Kameradschaft willen.

  3. Imrahil Says:

    Das ist ja klar.

  4. moise trumpeter Says:

    Kammerdiener-Perspektive ist wohl die zutreffende Umschreibung für das Ganze.

  5. LePenseur Says:

    @Mcp:

    Wer jetzt widerspricht, der soll daran denken, wie er sich fühlen würde, wenn man seinen E-Mail Account hackt und den Inhalt ins Internet stellt.

    Sie blenden hier nur einen gaaanz kitzekleinen Unterschied zwischen mir (oder auch Ihnen, cher Mcp) und Herrn Gaddhafi aus: Sie und ich sind keine gemeingefährlichen Wahnsinnigen, die im Heimatland eine blutige Revolution angezettelt haben und bis heute ein totalitäres Regime führen, weltweit Terroristen finanzier(t)en, Auftragsmorde am Gewissen haben, ungeniert andere Staaten und ihre Bürger erpressen.

    Derartigen Personen gegenüber finde ich Hinweise auf Datenschutz und Achtung der Privatsphäre etwas deplaciert. Das wäre etwa so, wie wenn es verboten wäre, einen Hitler oder Stalin als Massenmörder zu bezeichnen, weil beide schließlich als unbescholtene Bürger verstarben und eine posthume strafgerichtliche Verurteilung durch die StPO nicht gedeckt ist …

    • Kassandra Says:

      @ LePenseur

      Was wir von Gaddhafi zu halten haben, wissen wir doch alle. Die Tatsache, dass er eine ukrainische Krankenschwester hat (oder vielleicht auch viele) ändert doch überhaupt nichts. Weder an seinem Verhalten noch an unserer Meinung.

    • Mcp Says:

      Sie und ich sind keine gemeingefährlichen Wahnsinnigen

      Woher wollen Sie das denn wissen? Zumindest in Bezug auf meine Person.😉

      Sie haben gewiss einen Satz überlesen: Wenn Gaddafi beispielsweise immer noch Terroristen finanzieren würde, dann hätte ich gegen eine Veröffentlichung dieser Tatsache nicht das geringste einzuwenden. Ob er allerdings Sex mit seiner Krankenschwester hat, ist schlicht Privatsache, die niemanden etwas anzugehen hat.

      Genauso wie Hitlers Intimsphäre: Ob seine Unterhosen braune Streifen hatten, ist nur obszöner Schweinkram. Mehr nicht.

      Jeder, wirklich jeder hat ein Recht auf den Schutz seiner Intimsphäre. Gaddafi und Hilter sind, respektive waren in erster Linie Menschen und erst in zweiter Linie gemeingefährliche Wahnsinnige.

      Wenn sie diese Reihenfolge umkehren, kann man künftig wieder per Definition bestimmen, wer Menschenrechte genießen darf und wer nicht.

  6. LePenseur Says:

    @Mcp:

    Jeder, wirklich jeder hat ein Recht auf den Schutz seiner Intimsphäre. Gaddafi und Hilter sind, respektive waren in erster Linie Menschen und erst in zweiter Linie gemeingefährliche Wahnsinnige.

    Klingt gut. Finde ich aber dennoch nicht richtig: im Fall eines Kampfes gegen einen gemeingefährlichen Massenmörder wie Gaddhafi ist es m.E. erlaubt, Informationen zu verwenden, die ihn bei seinen Anhängern diskreditieren. Wir reden nicht über gezielte Verleumdung (wenn es z.B. diese ukrainische Krankenschwester überhaupt nicht gäbe) — ich halte es für durchaus effektiv, jemanden, der auf geradezu penetrante Weise das moralische Superioritätsgefühl des echten Musels gegenüber den unglubigen Christenhunden raushängen läßt, durch Aufdeckung seiner Doppelmoral zu entwaffnen.

    Ich hätte auch nichts dagegen, z.B. einen schwulen Kardinal, der von der Kanzel aus gegen Homosexualität loszieht, und mit seinem Sekretär ein intimes Verhältnis pflegt, bloßzustellen. Auch hier wäre m.E. der Hinweis, daß einverständliche Hinterladereien unter erwachsenen Männern strikt die Privatsphäre betreffen und darüber nicht berichtet werden darf, fehl am Platz.

    • Mcp Says:

      Ich kenne Gaddhafi nicht gut genug, aber er ist mir persönlich nicht durch muselmanische Moralpredigten aufgefallen. Ihnen etwa?

      Die Morallehre der KK ist bekannt: sie sagt, dass alle Menschen Sünder sind. Also würde mich ein schwuler Kardinal der über öffentlich über Homosexuelle herzieht überhaupt und heimlich mit seinem Sekretär rummacht, nicht wirklich überraschen. So sind die Menschen. Na und? Auch Sünder können das Wort Gottes verkünden, ohne das sein Wahrheitsgehalt darunter leidet.

      Kennen Sie einen schwulen Kardinal, der sich so verhält?

      Nicht? Dann halten Sie gefälligst ihr Schandmaul.

      Natürlich verstehe ich das Bedürfnis gewisser Kreise nach der Defloration guter Sitten und des menschlichen Anstandes. Ganz einfach, weil sie so ihren eigenen Lebenswandel entschuldigen wollen, sie Sitte und Anstand längst hinter sich gelassen haben. Die modernen, dekadenten Kulturverächter sind sämtlich Voyeuristen, die sich an den Schwächen anderer Leute weiden. Auch eine Art Gleichheit. So können sie aus Gosse, in der sie leben, in die Höhe lallen: Alle Menschen sind gleich.

      Weil sie nicht einmal den Versuch unternehmen, ihr Leben in Würde zu leben.

  7. LePenseur Says:

    @Mcp:

    Zu Gaddhafi und seinen Ansichten z.B. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42601653.html
    (im Internet finden Sie noch mehr, wenn sie suchen — mir war es dieser Verrückte nicht wert)

    Kennen Sie einen schwulen Kardinal, der sich so verhält?

    Nicht? Dann halten Sie gefälligst ihr Schandmaul.

    Kennen Sie einen, weil Sie so Nerven zeigen?

    Also, wenn Sie’s genau wissen wollen: ich kenne einen Kardinal, von dem ich den intensiven Verdacht habe, daß …

    Ich besitze alerdings weder Photos mit den beiden in actu, noch einschlägige DNS-Analysen, die meinen Veracht zu einem 100%igen Beweis machen würden. allerdings ist besagter Kardinal auch klug genug, sich nicht groß in Anti-Schwulen-Rhetorik zu ergehen.

    • Mcp Says:

      Nein, ich zeige keine Nerven. Es war eigentlich auch nicht persönlich gemeint und schon gar nicht aus Sie gemünzt. Das es so herübergekommen ist, tut mit leid. Manchmal geht die Feder mit mir durch. Deshalb ist die Feder auch elektrisch, fließt manchmal Starkstrom durch meine Leitungen.

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