Freiheitskämpfer oder Informationskommunist?

by

Ein radikaler Gedanke am Rande: Die Pressefreiheit verbieten, statt dessen die Meinungsfreiheit stärken.

Die Pressefreiheit ist die Freiheit von 300 Reichen, ihre Meinung öffentlich zu verkünden.[1] Trotz aller Redaktionsstatuten: Kein Redakteur beißt die Hand, die ihn füttert. Pressefreiheit ist eine Fiktion, die durch das Internet schlagend entlarvt wird.

Zudem, die „Qualitätsmedien“ hetzten seit geraumer Zeit gegen das Internet, weil es ihr Meinungsmonopol bedroht. Sie nehmen Einfluss auf die Politik. Sie wollen ihre Pressefreiheit erhalten, dafür die Meinungsfreiheit einschränken. Hohe Zeit, ihnen in den Arm zu fallen.

Anderseits ist Assange ein unverantwortlicher Anarchist. Nein, er ist eigentlich ein Informationskommunist. Denkt man ihn nämlich konsequent zu Ende, so gäbe es in Bälde keine privaten oder intimen Geheimnisse mehr, wäre jede Information immer und überall öffentlich abrufbar, denn wo setzt Assanges Anspruch Grenzen? Beim Staat? Sicher nicht. Wer das Netz kennt, tut gut daran seine Person zu anonymisieren, denn der virtuelle ist um keinen Deut besser als der reale Mob. Hosianna heute, morgen kreuzigt ihn. Dem Mob gehört die Kugel. Ob real oder virtuell, ist vollkommen egal. Das Internet schafft keine besseren Menschen.

Da könnte jeder seinen privaten E-Mail Account gleich ins Internet stellen. Das klingt nicht nur nach Big Brother, das ist die Steigerungsform von Orwells erdachter Vision. Die totale Vergesellschaftung des Privaten. Das ist nicht Horror, das ist Kommunismus. Ich bin keine Ameise und lebe auch nicht in einem Bienenstaat.

Nun ja, die Pressefreiheit liebe ich trotzdem nicht, schätze aber die Möglichkeiten, die sich einem Blogger bieten. Aber es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen Assange und meiner Person. Ich kann bloggen und meine Privatsphäre trotzdem bewahren, weil ich nur das preisgebe, was ich wirklich will. Das nenne ich Freiheit.

Assange steht für eine andere Kultur: er will das innerste zuoberst kehren. Das will ich garantiert nicht. Ein Beichtgeheimnis soll ein Beichtgeheimnis bleiben. In Zeiten, in denen das Bankgeheimnis nichts mehr gilt, ist das schon ein hoher Anspruch.
_________________
[1] Das stammt nicht von mir, ich habe es irgendwo gelesen, aber die Quelle gegenwärtig nicht parat. Trotzdem ist der Aphorismus stimmig.

Schlagwörter: , , ,

2 Antworten to “Freiheitskämpfer oder Informationskommunist?”

  1. Rautenklause Says:

    Das Zitat ist von Paul Sethe und stammt aus einem Leserbrief im Spiegel vom 5. Mai 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: