Staatskirche oder Kirchenstaat?

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Der EKD-Vorsitzende Schneider lehnt eine Bundestagsrede von Benedikt XVI. ab, kritisiert das Papsttum an sich und das Staatsverständnis der Katholiken.[1]

Es ist das – heute katholische – Staatsverständnis, für das Jesus ans Kreuz genagelt wurde und noch genagelt wird: Er, unser Gott, ist König der Könige. Eine Anmaßung aus der Sicht der Mächtigen, weil ihre Macht dort endet, wo das Himmelreich Jesu das irdische Dasein transzendiert. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Aber nicht mehr als ihm zusteht, nicht die Seele.

Die Kirche, mithin auch der Vatikanstaat, ist, metaphorisch, die transzendierte Präsenz des Himmelreiches auf Erden und nicht der geistliche Arm weltlicher Mächte.

Mein Großpapa wurde im Kaiserreich geboren, ging in der Weimarer Republik zur Schule, zog unter Hitler in den Krieg, flüchte vor der Bodenreform von der DDR in die Bundesrepublik und verstarb im wiedervereinten Deutschland. Die einzigen Konstanten in seinem Leben waren sein Glaube und seine Sippe. Staaten kommen und vergehen. Nichts ist vergänglicher als irdisches Wollen. Der eitle Anspruch hält nicht einmal für ein ganzes Leben.

Die Reformation war nichts anderes als die Verlängerung des Investiturstreites, die ewige Auseinandersetzung zwischen weltlichen und himmlischen Mächten. Noch Bismarck versuchte die einzig wahre Kirche unter die Kontrolle des Staates zu stellen, um den Einfluss des Glaubens auf weltliche Politik einzudämmen. Denn genau darum geht es bist heute. Hier die Welfen, dort die Ghibellinen. Hier der Papst, dort der Staat. Seit Pontus Pilatus ein christlicher Bestseller.

Deshalb bellen die Kettenhunde staatlicher Macht Zeder und Mordio, wenn ein Papst sich anschickt, der weltlichen Macht zu predigen.

Aber gemach, denn mit der anstehenden Auflösung der Nationalstaaten wird auch die Geschäftsgrundlage ihrer „vorsitzenden“ Homunkului schwinden, werden „Nationalkirchen“ so überflüssig wie ein Kropf.

Der Papst wartet zu Canossa auf die Ökumene.

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[1] Nikolaus Schneider: EKD-Vorsitzender ist gegen Papst-Rede im Bundestag; WELT ONLINE.

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Eine Antwort to “Staatskirche oder Kirchenstaat?”

  1. nk Says:

    Schön ! Hoffen wir das beste !

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