Wenn Dämme brechen

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Die Bundesärztekammer will den Medizinern Freiräume schaffen für den Fall, dass Schwerstkranke um tödliche Medikamente bitten.[1]

Die Umfragen, meint die WELT abschließend, sprechen eine eindeutige Sprache: Die meisten Deutschen wünschen sich Sterbehilfe in aussichtslosen Situationen.

Man könnte die Sterbehilfe auch gleich „demokratisch“ regeln: Eine gewählte Jury stimmt, ganz demokratisch und zum „Wohle der Allgemeinheit“, darüber ab, welchen „aussichtslos Kranken“ der Hahn abgedreht wird und wem nicht. Die sterblichen Überreste kann man dann zu „Soylent Green“ verwursten.

Ein abwegiger Gedanke? In den USA hatte ein Paar kürzlich das „Internet“ darüber abstimmen lassen, ob ihr noch ungeborenes Baby das Licht der Welt erblicken darf oder doch abgetrieben werden soll. Der Vorgang beweist, dass es zwar einen „bestirnten Himmel“ über uns gibt, aber kein moralisches Gesetz in der Brust der Masse wohnt.[2] [3]

Man muss die Dinge überspitzen, um solche Horrorargumente zu entlarven. Wenn man die sittliche Grundordnung dem Mob überlässt, dann bleibt von ihr soviel übrig, wie von einem Stück Fleisch, das man den Wölfen zum Fraß vorwirft.

Der Rubikon ist ein lächerlich plätschernder Bach; Cäsar musste nicht einmal Brücken bauen, um ihn zu überschreiten. Er markierte eine moralische Grenze, ein Prinzip, dessen Verletzung Mord, Totschlag und Bürgerkrieg gebar.

Jede Flut beginnt mit einem kleinen Rinnsal.

__________
[1] Suizid-Assistenz: Ärzte wollen Regeln zur Sterbehilfe lockern; WELT ONLINE.
[2] siehe Immanuel Kant; Kritik der praktischen Vernunft: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“
[3] Aufforderung zur Euthanasie

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3 Antworten to “Wenn Dämme brechen”

  1. Kassandra Says:

    Gottes Gesetzt ist Gottes Gesetz. Darüber kann man nicht demokratisch abstimmen. Oder man setzt die Demokratie an Gottes Stelle. Man sieht ja wo das hinführt.

  2. SGS Says:

    Der Arzt als Todesengel?

    Eine erschreckende Vorstellung, dass ein Arzt seine Patienten nun auch töten darf, wenn er es nur mit seinen persönlichen Überzeugungen vereinbaren kann. Herrn Dr. Hoppe ist für das neue Jahr mehr Mut zu wünschen, gegen den angeblichen Zeitgeist anzukämpfen, welcher eine Selbstbestimmung propagiert, an deren Ende aber immer nur der Tod steht (Recht auf Abtreibung, Recht auf Sterbehilfe, Recht auf PID …). Wenn das Standesrecht nicht im Einklang mit dem Strafrecht steht, dann kann auch das Strafrecht dem Standesrecht angeglichen werden, Österreich oder Irland sind hierfür gute Vorbilder. Nicht der schnelle und einfache Tod, sondern das menschliche Sterben sollte das Ziel einer humanen Gesellschaft für ihre Mitglieder sein. Hierzu müssen Palliativmedizin und hospizliche Betreuung weiter ausgebaut werden – eine weitere Forderung, die Herr Dr. Hoppe an die Politik adressieren sollte.

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