Katholischer Kommunismus?

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Dort, wo Christen ob ihres Bekenntnisses zum einen Herrn getötet werden, stirbt auch die Vernunft und die Möglichkeit eines Dialogs, dessen Mittelpunkt der Aufbau einer gerechten Gesellschaft ist.[1]

Wenn man vom Thema Christenverfolgung absieht; was ist an diesem Satz falsch? Nicht syntaktisch, vielmehr semantisch.

Wo genau hat Jesus von einer „gerechten Gesellschaft“ gepredigt? Ist es nicht vielmehr so, dass er das Himmelreich und Hirten versprochen hat, die uns durch das dunkle Tal des Lebens hinauf zum himmlischen Heil führen? Eine gerechte Gesellschaft hat Gott nie versprochen. Es kann sie auch gar nicht geben, weil die Gerechtigkeit allein von Gott kommt und die, wie man sieht, von nicht allen Menschen angenommen wird. Gerechtigkeit gibt es entweder durch Christi oder es gibt schlicht keine.

Eine „gerechte Gesellschaft“ versprechen Kommunisten, Sozialisten, Liberale oder Nazis. Dabei sind ihre Vorstellungen von „irdischer Gerechtigkeit“ rein materieller Natur; es geht ihnen um die „gerechte Verteilung“ irdischer Reichtümer.

Soll nun die Kirche in einen Wettstreit mit politischen Parteien treten, sich auf ihre widerlichen Verteilungskämpfe einlassen, ja vielleicht selbst Partei werden? So eine Art „katholischer Kommunismus“? Manche Würdenträger hören sich an, als hätten sie einen Schluck zu viel vom Zeitgeist genascht.

Brot gibt es genug auf der Welt, es ist der Geist, der hungert. Eine gute Predigt füllt keine Mägen, aber sie nährt den Geist. Dass man in Not geratenen Glaubensbrüdern hilft, versteht sich von selbst, aber so verstandene Caritas ist, zumindest aus meiner Sicht, nicht Hauptaufgabe einer Kirche, die um das Seelenheil ringt. Nicht der Körper und seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt des christlichen Glaubens, vielmehr ist es die menschliche Seele, die heute mehr denn je um Hilfe ruft.

Der Glaube sitzt im Hirn und nicht im Magen.

Soviel zum Dialog: Autsch!
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[1] KATH.NET – Katholischer Nachrichtendienst.

3 Antworten to “Katholischer Kommunismus?”

  1. Arminius Says:

    Eine gerechte Gesellschaft setzt jemanden voraus, der definiert, was gerecht ist, und dafür sorgt, daß seine Vorstellungen von Gerechtigkeit durchgesetzt werden. Das birgt natürlich die Gefahr der Unterdrückung all derer, die eine andere Vorstellung von Gerechtigkeit haben. Von daher ist der Begriff gerechte Gesellschaft eine gerne verwendete Parole totalitärer Ideologien und nicht unbedingt ein christlicher Begriff.

    In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag, auf die sich der Beitrag auf kath.net bezieht, verwendet auch der Heilige Vater den Begriff Gerechtigkeit, sogar mehrfach, jedoch nicht in einem materiellen Sinn.

  2. LePenseur Says:

    Eine „gerechte Gesellschaft“ versprechen Kommunisten, Sozialisten, Liberale oder Nazis.

    Sorry, nein! „Gerecht“ ist typisch linker Mainstream — da passen also Kommunisten, Sozen und Nazis rein. Liberale streben nach einer freien Gesellschaft. Wobei Freiheit natürlich auch den freien Zugang zum Recht beinhaltet — und (nur!) insofern auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat. „Gerecht“ im Sinne von „Gerechtigkeit herstellend“ (mit der Hinterbedeutung: „Gleichheit herstellend“) war und ist nicht liberal, und wird es auch nie sein.

    Lassen Sie sich doch von irgendwelchen dubiosen Gestalten wie Schnarrenhäusser doch nicht jeden Unsinn als „liberal“ verkaufen! Sie und ihresgleichen sind ca. so „liberal“ wie Ulbricht „sozial“ war …

    • Mcp Says:

      Wenn ich „Liberalismus schreibe“, dann meine ich explizit den Deutschen „Sozialliberalismus“. Im anderen Fall schreibe ich als Attribut „angelsächsisch“ davor, obwohl auch dieser sozialistische Neigungen, weil er, wie man gerade in England sieht, die Gleichheit nicht grundsätzlich in Frage stellt. Der Liberalismus ist eine Hure, die es mit jedem „ismus“ treibt.

      Im übrigen setzt der freie Zugang zum Recht keine Gleichheit voraus. An den Reichsgerichten der HRRDN konnte jeder Bauer seinen Landesherren verklagen, was vornehmlich allerdings keine Einzelpersonen, wohl aber Ständeorganisationen reichlich taten.

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