Nicht Widerlegung, sondern Beweis

by

Ihre Zivilisationskritik dürfte in fortschrittsoptimistischen Ohren sehr düster klingen …

Als Christen glauben wir nicht, dass die Zivilisation am Ende das Reich Gottes hervorbringt, sondern die innere Dynamik der Geschichte bringt den Antichrist hervor. Und das Reich Gottes wird am Ende von außen her einbrechen. Das ist immer christliche Überzeugung gewesen.

Ist es das, wenn Sie davon sprechen, dass das Christentum am Ende geschichtlich scheitern wird?

Sogar das. Ja. Aber wie sagte Nicolas Gomez Dávila: Das Scheitern des Christentums ist nicht seine Widerlegung, sondern ist selbst christliche Lehre.[1]

Dem so Gesagten ist nichts hinzuzufügen. In Kontext des „Katechon“, aber nur in diesem, sehe ich auch das Schlagwort „von der Erhaltung der Schöpfung“. Es ist nicht Gottes Schöpfung, die man anbeten soll, vielmehr nur den Schöpfer selber, gerade weil seine Werke ein Verfallsdatum tragen.

Interessant auch, was Spaemann zu den Menschenrechten sagt, allerdings habe ich dazu eine dezidiert andere Meinung. Der Mensch hat keine angeborene Würde, er muss sie sich vielmehr verdienen. Würde ist ein Vorfeldbegriff der Weisheit und Weisheit hat etwas mit dem Alter zu tun, weil man das Objekt der Weisheit kennen muss und nicht nur um es wissen. Aus kennengelerntem Wissen wächst Weisheit, aus Weisheit Autorität und aus Autorität Würde.

Man kann die Würde eines Menschen nicht verteidigen, der keinen Begriff davon hat, folglich gilt dies auch für seine angeblich „unveräußerlichen Menschenrechte“, zumal es keinen einheitlichen „Konsens Kanon“ innerhalb der westlichen Industriegesellschaften gibt, sondern unter „den Menschenrechten“ jeder etwas anderes subsumiert, ja die „Uno-Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 an vielen Stellen im scharfen Widerspruch zur aktuellen Praxis steht. Siehe Familie. Die Menschenrechte stehen nicht der Ägide menschlicher Würde, vielmehr sind sie Anhängsel des westlichen Individualismus.

Ich bin an dieser Stelle immer noch bei Aristoteles: man kann aus einem geborenen Knecht keinen Herren machen. Die einen sind Schafe, die anderen Hirten.

______________
[1] „Aufhalten ist alles!“; Die Tagespost

Schlagwörter: , , ,

3 Antworten to “Nicht Widerlegung, sondern Beweis”

  1. Kassandra Says:

    Das Wort „Katechon“ habe ich hier zum erstenmal gehört und habe ein bisschen gegoogelt. Ich bin jetzt ein bisschen verwirrt.
    Könntest Du mal erklären, wie Du die Sache siehst?

    • Mcp Says:

      Ich sehe das im Grunde so .wie es das Mittelalter sah: Der „Kathechon“ ist der Aufhalter des Antichristen, wobei das „aufhalten“ viele Aspekte hat, die sich auf das Wirken des Antichristen beziehen und die Spaemann sehr treffend beschreibt:

      „Ich glaube, dass Aufhalten die wichtigste Aufgabe der Politik überhaupt ist. Sie kennen die Debatte um den „katechon“, den Aufhalter, von dem der heilige Paulus im zweiten Thessalonicherbrief schreibt, wenn er vom Antichrist spricht und sagt: ihr wisst, wer ihn noch aufhält. Die Kirchenväter haben gerätselt, was er meint. Manche haben gesagt, es ist das Römische Reich. Im Mittelalter hat man es auch so verstanden, dass der Herrscher der Aufhalter des Antichrist ist. Es ist eines der schlechten Argumente gegen das Aufhalten, dass man sagt: Naja, man kann ja nur aufhalten, am Ende kommt es ja doch. Das ist gerade kein Argument. Erstens weiß man nicht mit Sicherheit, ob es doch kommt. Denn: Kommt Zeit, kommt Rat. Zeit gewinnen heißt, nochmal nachdenken können. Und außerdem ist das Aufhalten auch dann wertvoll, wenn langfristig alles den Bach runtergeht: Nämlich für eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Epoche hat man noch eine gute Form des Lebens. Aufhalten ist alles!“

      Die Figur des „Kathechon“, sie eine wohl eine argumentative Vorstellung und sie spielt in der Theologie eigentlich keine Rolle, beschreibt das Dilemma eines Christen, der gegen den Antichristen kämpft. Indem er kämpft, ja kämpfen muss, verzögert er die Heraufkunft des „Tieres“. Aber er verzögert damit auch seine eigene Erlösung, weil die Herrschaft des Antichristen die Voraussetzung für die zweite Ankunft des Heilands ist.

      Geschichte, meint Carl Schmitt im „Nomus der Erde“, ist für Christen nur über die Figur des Katechon verstehbar:

      „DAS REICH ALS KAT-ECHON
      dessen die Geschichte eines Kampfes um Rom, nicht die eines Kampfes gegen Rom. Die Heeresverfassung des Römerzuges ist die Verfassung des deutschen Königtums 1. In der konkreten Ortung auf Rom, nicht in Normen und allgemeinen Ideen, liegt die Kontinuität, die das mittelalterliche Völkerrecht mit dem Römischen Reich verbindet 2. Diesem christlichen Reich ist es wesentlich, daß es kein ewiges Reich ist, sondern sein eigenes Ende und das Ende des gegenwärtigen Aon im Auge behält und trotzdem einer geschichtlichen Macht fähig ist. Der entscheidende geschichtsmächtige Begriff seiner Kontinuität ist der des Aufhalters, des Katechon.

      “Reich“ bedeutet hier die geschichtliche Macht, die das Erscheinen des Antichrist und das Ende des gegenwärtigen Aon aufzuhalten vermag, eine Kraft, qui tenet, gemäß den Worten des Apostels Paulus im 2. Thessalonicherbrief, Kapitel 2. Dieser Reichsgedanke läßt sich durch viele Zitate aus den Kirchenvätern, durch Aussprüehe germanischer Mönche aus der fränkischen und ottonischen Zeit — vor allem aus dem Kommentar des Haimo von Halberstadt zum 2. Thessalonicherbrief und aus dem Brief des Adso an die Königin Gerberga —, durch Äußerungen Ottos von Freising und andere Belege bis zum Ende des Mittelalters dokumentieren. Man darf hier sogar das Kennzeichen einer geschichtlichen Periode erblicken. Das Reich des christlichen Mittelalters dauert solange, wie der Gedanke des Kat-echon lebendig ist.

      Ich glaube nicht, daß für einen ursprünglich christlichen Glauben ein anderes Geschichtsbild als das des Kat-echon überhaupt möglich ist. Der Glaube, daß ein Aufhalter das Ende der Welt zurückhält, schlägt die einzige Brücke, die von der eschatologischen Lähmung alles menschlichen Geschehens zu einer so großartigen Geschichtsmächtigkeit wie der des christlichen Kaisertums der germanischen Könige führt.“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: