Glaubensfreiheit wird Makulatur

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Die Betreiber eines Bed-and-Breakfast-Hotels in der englischen Touristenregion Cornwall haben einem schwulen Paar die Übernachtung in einem gemeinsamen Zimmer verboten – und müssen dafür nun Schadenersatz zahlen. Die Eheleute beriefen sich auf ihren christlichen Glauben, als sie den Männern verboten, das Bett zu teilen, wie sie nach der Urteilsverkündung erneut sagten.[1]

Der 70 Jahre alte Mann berief bei der Begründung seiner Entscheidung auf die Bibel: „Wir sehen die Bibel als heiliges, lebendiges Wort Gottes an und versuchen, ihr so weit wie wir können zu folgen.“

Der Richter sah das anderes und verurteilte das Paar zu 2140 Euro Schadenersatz.

Der eigentliche Knüller aber ist dieser Satz aus der Urteilsbegründung:

„Wie die Rechtsprechung in den vergangenen Jahrhunderten auch gewesen sein mag, heute müssen unsere Gesetze nicht mehr automatisch die jüdisch-christliche Position widerspiegeln.“

Mit diesem Urteil wird nicht nur nebenbei die unternehmerische Freiheit ausgehebelt, das Recht des Eigentums beschnitten sondern auch die Glaubensfreiheit einschränkt. Denn de facto hat der Richter ein Berufsverbot verhängt, weil das Ehepaar vor der Wahl steht, künftig gegen die Paragrafen ihres Glaubens zu leben oder ihr Geschäft aufzugeben. Wer die Homolobby kennt, weiß, dass dies keine rhetorische Frage ist.

Der Kolumnist des Londoner Telegraph brachte es auf den Punkt:

„Das Recht auf religiöse Überzeugungen und im Einklang mit seinem Glauben zu handeln, wurde gegen das Recht gesetzt, nicht beleidigt zu werden – und verliert. Dies ist ein entmutigender Trend in einer freien Gesellschaft. Die Ansichten der Bulls werden vielen zu altmodisch oder geschmacklos erscheinen – aber sie sie jedes Recht dazu, sie zu haben.“ [2]

__________
[1]Großbritannien: Schwules Paar durfte Hotelzimmer nicht teilen – Nachrichten Panorama – WELT ONLINE.
[2] Telegraph; The law is eroding our right to a set of beliefs

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9 Antworten to “Glaubensfreiheit wird Makulatur”

  1. Meyer Says:

    Ich bin ja immer noch gespannt darauf, wann mir einer zum ersten Mal erklären kann, was eine „jüdisch-christliche Kultur“ ist und wo ich die finden kann. An der amerikanischen Ostküste, in der Washington-Post-Redaktion? In der „Fed“?

    Wenn man die kulturellen Unterschiede zwischen griechischem und lateinischem Ritus alleine bei den alten Kirchen, den Unterschied zwischen Lutheranern und Calvinisten bei den Protestanten betrachtet, fällt es einem schwer, da eine einheitliche Kultur auszumachen, wobei verbindende Elemente natürlich vorhanden sind.

    Und wenn man das Christentum als Einheit begreifen wollte, so stellt sich das aktuelle, wie historische Judentum als das geradezu Gegenteil heraus. Wo sollen die verbindenden Elemente sein, die das NT nicht auf den Kopf stellen würde? Das Christentum ist religionswissenschaftlich doch das Anti-Judentum! Und weltliche Verbindungspunkte? Ja ein Einfluß von jüdischen Denken auf das heutige, westliche Weltbild ist kaum zu leugnen. Aber in wie weit war dieser kulturprägend?, zumal in der Alltagskultur? Er war doch eher kulturzerstörend. Einem Marx kann man Schopenhauer, Nietzsche und Kierkegard entgegenhalten; einem Spinoza Kant.
    Selbst die Römer haben doch bis heute prägenderes hinterlassen, alleine eine große Anzahl an Generationen, die sich mit Caesars Gallischem Krieg beschäftigt haben und in der römischen Kirche eine Art Relikt des römischen Reiches. Und wie tief germanisches in der Alltagskultur steckt, ist den wenigsten klar, selbst den wenigsten Katholiken. Wesentliches der (weltweiten) katholischen Religion und dem westlichen Christentum überhaupt sind Relikte der Germanen, bzw. derer Bekehrungsbestrebungen.
    Das Daispora-Judentum, gerade das geistige, war wohl eher der nihilistische Wind, dem die Kulturen stärker oder schwächer ausgesetzt waren.

    „Christlich-jüdische Kultur“ ist der Deckmantel der „konservativen“ Multikulturalisten à la Schäuble und Co., an denen natürlich nicht das geringste konservativ ist, außer ihre defensive, getriebene Grundhaltung, wenn sie denn nicht so nachgiebig wäre: Erfüllungspolitiker.

    Der Unterschied zwischen dem romanisierten (und in der Regel katholischen) Deutschland des Süd-Westens ist schon groß genug zum lutherischen und historisch freigermanischen Norden. Dennoch ist der Unterschied zwischen lutheranischen Norwegern, Dänen, Finnen, Isländern, Letten und Esten zu den Deutschen lutherischer Tradition größer, als zwischen einem Südtiroler und einem Niedersachsen. Kulturträger ist die Nation, die Ethnie.
    Glaube und Bekenntnis sind zwar äußerst relevant zur Bestimmung des Wesens der Kultur, aber bei weitem nicht die einzig prägenden Faktoren.

    „Jüdisch-christlich“ ist daher schon dreimal ein Betrugsversuch. Bald wird es wohl heißen: „Die abend- und morgenländische Kultur“. Ad adsurdum!

    • Mcp Says:

      Mit der Beurteilung würde ich vorsichtig sein, da das Urteil in Großbritannien gefällt wurde, dem Geburtsland des christlichen Zionismus. Um 1655 musste Oliver Cromwell auf verlangen der Puritaner das Ansiedlungsverbot für Juden in England aufheben, da diese, die Puritaner, der Meinung waren, dass die Sammlung der Juden und ihre anschließende Bekehrung die Voraussetzung für die Heraufkunft der Endzeit und der anschließenden Erlösung durch Jesus Christus war. Mit Mühe gelang es Cromwell damals, weitergehende Beschlüsse – z. B. die Umbenennung Englands in Zion – zu verhindern. Fakt ist, das solche Vorstellungen in England weit verbreitet und Juden ein relativ bevorzugte Behandlung – im Gegensatz zum Rest Europas – genossen. Das erklärt auch den Aufstieg Londons zur Weltfinanzmetrople, bis es durch die Wall Street abgelöst wurde. Aus England gelangten diese Vorstellungen nach Nordamerika und diverse Evangelikale unterstützen Israel aus exakt diesem Grund vorbehaltlos. Es ist nicht nur dem Einfluss der jüdischen Lobby zuzuschreiben, dass die USA Israel so bedingungslos unterstützt. Der Bibelgürtel mischt in dieser Hinsicht kräftig mit.

      Eine solch „christlich-jüdische“ Kultur hat es auf dem Kontinent nie in dem Umfang gegeben, wie auf der Insel. Hier gab es einen Léon Bloy („Das Heil durch die Juden“), aber solche Stimmen blieben Außenseiter.

      Das klassische Abendland endete 1789. Hernach begann die Judenemanzipation und sie gewannen zunehmend Einfluss auf das geistige und kulturelle Leben Europas. Nur hat das nichts mehr mit dem Christentum zu tun, sondern mit dem Aufstieg neuzeitlicher Ideologien: Liberalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus, Faschismus, Nationalsozialismus….

      Man kann von dem Zeitpunkt an, vielleicht von einer europäisch-jüdischen Kultur sprechen, eine „Christlich-jüdische“ war das mit Sicherheit nicht. Es ist ja umgekehrt so, das die neuen europäischen und bürgerlichen Eliten sich mit den Juden gegen das Christentum, vornehmlich das Katholische, verbünden.

      Man muss auch einen dicken Trennungsstrich zwischen Antijudaismus und Antisemitismus ziehen. Der Erstere ist religiös determiniert, der andere biologisch. Dem Antijudaismus kann man durch Konversion entkommen, dem Antisemitismus nicht.

  2. Meyer Says:

    Anlaß meiner Bemerkung war nur die Assoziation zum „Jüdisch-Christlichen“, welches man immer wieder von „konservativen“ „Christdemokraten“ hört.

    Schön, da habe ich wieder etwas gelernt und in kurzer Zeit eine völlig neue Perspektive hinzugewonnen: Der britsche und amerikanische Weg wird auf einmal verständlich. Niemals stand mir der Gegensatz zwischen diesen puritanischen USA und Großbritannien so deutlich vor Augen, wie jetzt.
    Marcus Aurelius und die Stoiker hatten schon recht, als sie erkannten, daß der Haß auf Dinge, die man nicht ändern kann, völlig sinnlos ist und den Blick für das Zweckmäßige verstellt.

    Anmerkung: Es ist schon beachtlich, wieviele Wörter man in Anführungsstriche setzen muß, um nicht zu lügen.

  3. Meyer Says:

    Ich definiere das Lügen als das vorsätzliche falsche Aussagen. – Das ist wohl gegeben, ließe man die Anführungszeichen weg.

    Fraglich ist, ob man als Tatbestandsmerkmal einer Lüge noch eine zusätzliche Absicht beim Äußernden verlangt, bei einem (bestimmten?) Empfänger einen Irrtum zu erzeugen. – Naja, die Irrtumserregungsabsicht ist wohl nicht vorhanden, aber die bewußte vorsätzliche Falschaussage bliebe. Also kann man Herzenslust nach Juristenmanier darüber streiten, ob es eine Lüge ist oder nicht. Präziser (und damit klarmachend, daß juristisches Denken außerhalb des Gesetzesrechts sinnlos ist) formuliert: Man kann darüber streiten, ob man das obige eine Lüge nennen wollte oder (platonisch gesehen) wie man eine Lügenheit definieren wollte.

    Mit freundlichen Grüßen!

  4. Anonymous Says:

    „Mit diesem Urteil wird nicht nur nebenbei die unternehmerische Freiheit ausgehebelt, das Recht des Eigentums beschnitten sondern auch die Glaubensfreiheit einschränkt.“

    Ja, das ist in der Tat der Fall und daher ist das Urteil geradezu grotesk.

    Mein Glaube gestattet es mir auch, Sklaven zu halten. Auch in diesem Fall beschneidet mich das geltende Recht meiner Freiheit und hindert mich am Ausüben meines Glaubens. Skandalös, oder?

    • Mcp Says:

      Das haben Sie wirklich gut erkannt, denn die Grundlagen der Sklaverei ruhen auf den Zwang für jemanden arbeiten zu müssen, für den man nicht arbeiten will.

      Mit anderen Worten verpflichtet der Gesetzgeber mit dem sogenannten Antidiskriminierungsgesetz Gewerbetreibende wie mich, für Leute zu arbeiten, für die ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht arbeiten will. Das schränkt meine persönliche Freiheit ein und dies ist sehr wohl eine Vorstufe zur modernen Sklaverei.

      Wenn ich also Homosexuellen meine Dienstleistungen nicht anbiete, so ist das meine Entscheidung, die niemandes Freiheit berührt. Im Gegensatz zu ihren wohl ironisch gemeinten Beitrag, mit dem Sie eigentlich nur beweisen, dass sie von Religion im Allgemeinen und vom Christentum im Besonderen nicht geringste Ahnung haben.

      • anonymus Says:

        Ja, Religionen spielen in meinem Leben glücklicherweise keine Rolle mehr.
        Mein Beitrag war eher ein vllt etwas unglücklicher Versuch, die Bigotterie bzgl. der Bibelauslegung, d.h. Homosexualität als Sünde, aufzuzeigen.
        Wenn man sich auf seinen „christlichen Glauben“ mit der Bibel als Grundlage wie im Falle der Homosexualität beruft, wieso unterlässt man dasselbe aber im Falle der Sklaverei u.ä.?
        Natürlich muss man die Bibel im Kontext betrachten, aber wer bestimmt dies und nach welchen Kriterien geschieht dies?
        Das war jetzt völlig ohne Ironie….mich würde eine ernsthafte Erklärung wirklich interessieren.

      • Mcp Says:

        Beispiel Indien. Dort werden Christen von den Hindus nicht aus religiösen Gründen verfolgt, sondern weil die christliche Mission das indische Kastensystem aus den Angeln zu heben droht.

        Dabei skandieren Christen keine Parolen gegen die Unterdrückung der Unberührbaren, sie gründen auch keine Parteien, geschweige zetteln sie Revolten an. Dass Einzige was sie wirklich tun, ist es den Unberührbaren ein Licht der Hoffnung ins Herz zu pflanzen, sie wie Gleiche zu behandeln und ihre Würde zu achten. Christen wenden sich nicht an Massen, stellen keine politischen Systeme in Frage und fordern keine Umwälzung von Verhältnissen im Namen irgendwelcher Gerechtigkeiten.

        Es sind in der Masse die Unberührbaren, die in Indien zum Christentum konvertieren und die aus der Religion ein neues Selbstbewusstsein schöpfen, was die Grundlagen des Kastenwesens von innen heraus in Frage stellt. Das ist nicht Ziel der Mission, eher ein Nebenprodukt.

        Ich weiß, das klingt alles sehr idealisiert, aber dieses Grundprinzip hat sich seit Christ Geburt nicht geändert. Religion ist ausdrücklich kein politisches Heilsversprechen.

        Die Frage der Homosexualität ist ähnlich gelagert. [1] Die Grundlage katholischer Sexualmoral ruht auf einem Gebot der Genesis: Seid fruchtbar und mehret euch. Punkt.

        Folglich ist alles, was dem Gebot entgegensteht schlecht, falsch oder böse. Homosexualität gehört genauso dazu, wie Selbstbefriedigung, Abtreibung oder der Gebrauch von Verhütungsmitteln.

        Man darf dabei nicht vergessen, dass es genau diese Sexualmoral war, die über zwei Jahrtausende hinweg der menschlichen Population das Überleben ermöglichte. Das war keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in den Seuchen fast zwei Drittel der europäischen Population dahingerafft haben.

        Dass sich heute die Gewichte, z. B. durch die moderne Medizin, verschoben haben, ändert nichts an einer Überlebensstrategie, die sich wiederholt als die einzig richtig erwiesen hat. Religion ist, wenn sie so wollen, ein genuiner ‚Evolutionsvorteil’, der sich übrigens auch mathematisch exakt nachweisen lässt.

        Die moderne, also antikatholische Sexualmoral führt uns augenscheinlich direkt in eine demografische Katastrophe. Seit 1972 übertrifft die Sterberate die der Geburten. Die Population schrumpft und Mathematiker werden ihnen vorrechnen können, wann der „Point of no Return“ erreicht wird, es also keine Strategie mehr gibt, um das Verlöschen einer Population aufzuhalten.

        Religion, zumindest die genuin christliche, ist keine Ansammlung willkürlicher oder archaischer Gebote, sondern ein fein gegliedertes System ineiandergreifender Überlebensregeln, die man rational durchdringen kann und dort, wo uns das noch nicht gelingt, wir einfach daran glauben müssen.

        _________
        [1] Wobei es immer wieder zu einem Missverständnis kommt: praktizierte Homosexualität ist zwar eine Sünde, ist also im Sinne der Genesis ein falsche Verhaltensweise, aber damit zurechtkommen muss der ‚Sünder’ selbst. Insofern wollen zumindest die Katholiken keine Homosexuellen an die Wäsche oder ihn irgendwie zwangsweise „umpolen“. Der Katholizismus beharrt auf dem freien Willen, also auch auf dem Recht eines Menschen sich ganz bewusst für ein Leben in ‚Sünde’ zu entscheiden.

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