Stunde der Konterrevolution?

by

Ägyptens Autokrat Hosni Mubarak lehnt sich zurück und lässt auf dem „Platz der Befreiung“, bislang Zentrum der Proteste, Regierungsgegner und bezahlte Prügeltrupps aufeinander losgehen. Auch das Militär greift nicht ein. Es könnte der Anfang vom Ende sein – für Mubarak oder den Umsturz.[1]

Wie im Iran scheint sich die Revolte auf eine kleine gebildete Mittelschicht zu stützen, die im urbanen Umfeld den Errungenschaften der Moderne frönt, die sich einen westlichen Lebensstiel zu eigen gemacht haben, die aber gleichzeitig weit weg von den Lebenswirklichkeiten des ägyptischen Hinterlandes ist. Wenn die westlichen Medien viel über die Macht des Internets schwätzen, so muss man einfach wissen, dass nahezu 50 Prozent der Ägypter Analphabeten sind, die also an den vermeintlichen Segnungen der Moderne gar nicht teilhaben können. Diese Menschen interessiert der Brotpreis mehr als die nächste Handy-Rechnung.

Wenn sich diese schweigende Mehrheit der Konterrevolution anschließt, dann ist der Spuk innerhalb weniger Tage vorbei.

Mit einer kommoden Militärdiktatur, welche die sozialen Ungleichheiten einebnet und für bisschen mehr Gerechtigkeit sorgt, könnten wir hierzulande viel ruhiger leben und wäre der Masse der Ägypter sicherlich besser gedient als durch quasidemokratische Experimente mit ungewissem Ausgang.

_____________
[1] Aufruhr in Ägypten – Der Präsident schlägt zurück – Politik – sueddeutsche.de.

Schlagwörter: , ,

3 Antworten to “Stunde der Konterrevolution?”

  1. Arminius Says:

    Man darf auch nicht vergessen, daß ca 90 % der Ägypter Mohammedaner sind. Da der Islam sich nicht mit Demokratie verträgt, gibt es für Ägypten nur die Wahl zwischen einer Diktatur der Marke Mubarak oder einer Diktatur der Koranprediger.

    • Mcp Says:

      Ja, das ist der Hintergrund. Auch deshalb ist zu hoffen das Mubaraks Konterrevolution erfolgreich ist, auch wenn er selbst nicht zu retten ist. Was Ägypten wirklich braucht sind keine westlichen Freiheiten, die wieder nur wenigen zugute kommen, sondern soziale Reformen, die vor allen der Jugend eine Perspektive jenseits islamischer Frömmelei bieten.

  2. Kassandra Says:

    Es ist eigentlich beachtlich, wie Mubarak es schaffte, 83 Millionen Menschen über einen so langen Zeitraum satt zu bekommen.
    Bei diesem Bevölkerungswachstum und bei der geringen Anbaufläche.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: