Bürokratie und „Führerprinzip“

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Einen interessanten Beitrag veröffentlicht Bruce Charlton auf seinem Blog [1], in dem er fragt, ob das „Führerprinzip“ den Westen vor dem Tod durch die Bürokratie retten könne.

Die Frage wäre nur dann relevant, wenn das „Führerprinzip“ die Bürokratie ausschließen würde. Gerade das „Dritte Reich“ hat schlagend bewiesen, dass ein derartiger Zusammenhang mitnichten existiert. Das „Führerprinzip“ schützt vor ausuferndere Bürokratie schon deshalb nicht, weil die relative Macht des jeweiligen „Führers“ mit dem Anschwellen seines ihm hörigen Apparates wächst.

Es macht gerade für die Bürokratie keinen Unterschied, ob am Anfang der Befehlskette ein anonym agierendes „Räte-“ oder Kommissarssystem – siehe EU – steht oder man einen Einzelnen als politisch Verantwortlichen identifizieren kann. Beide Formen haben im Bezug auf die Bürokratie genau dieselben Interessen.

Ich sehe nicht, dass der Westen durch das Comeback eines „Führerprinzipes“ [2] vor seiner Bürokratie zu retten wäre. [3]

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[1] Bruce Charlton; Could ‚the Fuhrerprinzip‘ save the West from death by red tape?
[2] Das sogenannte „Führerprinzip“ der Nazis war ein rein Institutionelles, d.h. der „Führer“ bekam seine „Autorität“ erst durch die Verleihung eines Amtes oder einer Würde. Ein wahrer Anführer verleiht aber umgekehrt dem Amt die Autorität, die er auf jene Männer ausstrahlt, die ihm freiwillig folgen und die ihm aus eigenem Willen dienen. Der Mann schafft das Amt und nicht umgekehrt das Amt den Mann. Ein solches Prinzip, da privat, lässt sich nicht in staatliche Formen pressen, es existiert neben dem Staat. Klassische Beispiele solcher Anführer sind Wallenstein oder Frundsberg, die sich mit ihren „privaten“ Heerhaufen zwar für eine Seite entschieden, aber im Grunde immer unabhängig von ihren „Dienstherren“ blieben.
[3] Überhaupt kann man Bürokratie nur durch Privatisierung auf ein notwendiges Maß zurückschrumpfen. Solange die Bürokratie eine öffentliche Angelegenheit ist, sie über Steuergelder finanziert wird, solange wird sie unaufhaltsam wachsen, bis der Staatsbankrott eintritt. Erst wenn ein in ein Amt gewählter Politiker seine aus seiner Tasche bezahlte Bürokratie mitbringen muss, hat man vielleicht die Chance die Wucherungen über die Kosten in den Griff zu bekommen. Zumindest geht im Falle eines Scheiterns nicht der Staat daran zugrunde, sondern nur ein einzelner Politiker.

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8 Antworten to “Bürokratie und „Führerprinzip“”

  1. nk Says:

    Staatspleite würde auch helfen, die Bürokratie zu erledigen. Deshalb wird ja auch der Konkurs verschleppt, den im Grunde seines Herzens jeder kennt.

    • Mcp Says:

      Eher nicht. Die Beamten der Weimarer Republik und die unter den Nazis haben einen erheblichen Teil ihrer Ansprüche in den Rechtsnachfolger BRD hinübergerettet. Das Volk zahlt die Zeche, solange es noch einen Beamten gibt.

  2. Hansjuergen Says:

    Nach Joachim Fest war der „Fuehrerstaat“ allerdings kein Fuehrerstaat. Danach kann man das 3. Reich auch nicht als Beweis fuer die Nichtausschließlichkeit von Fuehrerprinzip und Bureaukratieprinzip heranziehen.

    Begrifflich schliessen sich diese allerdings aus. Nach Schmitts Dezisionismustheorie ist derjenige im Staate souveraen, der letztendlich entscheidet. Dies kann zwar auch eine bureaukratische Institution sein, aber es kann nur einen Letztentscheider geben. Entweder ein „Fuehrer“ oder eine Institution.

    • Mcp Says:

      Ein Prinzip des „Dritten Reiches“ war das sogenannte „Führerprinzip“, das nach Machtergreifung sukzessive alle Organisationen übernehem mussten. Ich erinnere an die Burschenschaften, die ihre quasidemokratischen Strukturen auflösen mussten. Das allerdings das „Führerprinzip“ der Nazis kein echtes „Führerprinzip“ sein konnte, schrieb ich.

    • moise trumpeter Says:

      Genau genommen sagt der Plettenbergs großer Sohn: ‚Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.‘

      • J.K. Says:

        Ja, das sagte er. Reduziert um die „Frage seiner Zeit“ bleibt die „letztendliche Entscheidung“, die durchaus über den Ausnahmezustand ergehen kann, übrig.

        Der Ausnahmezustand als die Aussetzung der Rechtsordnung. Ein solche Entscheidung ist die höchste Entscheidungsform die das Recht kennen kann, weil sie nicht mehr innerhalb der Rechtsordnung steht, sondern denknotwendigerweise über ihr.

  3. Hansjuergen Says:

    Wallenstein, als wirklicher Koenig von Deutschland, noch Frundsberg, als Vater der Landsknechtsverbaende, waren getragen von einer wirklichen Demokratie: Von den Lanzen ihrer Soldaten und das letztendlich freiwillig; ebenso wie Caesar von seinen Demokraten getragen wurde.

    Wallenstein und Frundsberg haben etwas gemeinsam: Wallenstein, evangelisch getauft, dann katholisch erzogen, Frundsberg katholisch getauft und im Alter zum Protestantismus gewechselt. Beide waren ihrem jeweiligen Glauben, vor allem den Kirchen gegenüber mental unabhaengig; wohl auch dem weltlichen Regiment, dem Kaiser, dem sie ja zumindest vorgeblich dienten.

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