Archive for the ‘Konservatismus’ Category

Die Dreifaltigkeit des Konservativen

November 11, 2010

Demokratie, schreibt Aristoteles unter Bezugnahme auf den Stadtstaat Athen, ist die Herrschaft der Tagediebe und Banausen, die im Gegensatz zum ehrlichen und hart arbeitenden Landmann, genug Zeit und Gelegenheit findet, sich auf Straßen und Plätzen deshalb zusammenzurotten, um angebliche Ungerechtigkeiten zu beklagen und ihre Abschaffung zu fordern.

Demokratie ist die Herrschaftsform der urbanen Unterschichten, auch deshalb, weil die oberen Stände immer eine verschwindende Minderheit sind und bleiben werden. Die latente Forderung nach „mehr Demokratie“ ist nicht anderes, als das drängen der Massen nach einer Verschärfung des quantitativen Terrors von unten.

Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt den Begriff des Konservativen, so wird vollkommen klar, wo das Interesse nach steter Neuverteilung, vulgo Fortschritt, liegt und wo nicht. Das ist ein Aspekt, warum linke Methoden auf Konservative nicht anwendbar sind. Die NPD mag eine rechte Partei sein, aber auch sie blökt im Chor der linken Umverteilter munter mit. Klar, weil sie um „Mehrheiten“, also Quantitäten ringt, ihr Qualität also vollkommen egal ist. Nationalismus mag veraltet sein, konservativ ist er deshalb noch lange nicht. Der hart arbeitende Familienvater, der sich steten Abgabenerhöhungen aus „Gerechtigkeitsgründen“ gegenübersieht, ist sicherlich keiner, der sich im blinden Politisieren übt.

Wie lächerlich und folgenlos konservative Proteste mit „modernen“ Mitteln sind und wirken, mag dieses Bild verdeutlichen:

Eine kleine Gruppe artikuliert ihren Protest gegen die gewaltsame Bodenreform während der sowjetischen Besatzung Ostdeutschlands. Nicht die Menschen oder ihr Anliegen sind lächerlich, die Form des Protests schon. Man kann ihr Unbehagen aus ihren Gesichtszügen lesen. Wer den Mob nicht mobilisieren kann, der sollte auf den „Straßenkampf“ von vornherein meiden.

Ein uniques Attribut des Konservativen ist die bedingungslose Verteidigung des Eigentums gegen die Begehrlichkeiten roter Enteigner genauso, wie gegen die staatliche Einschränkung seiner Nutzung durch den Besitzer.

Eigentum ist immer auch Erbe. Erbe ist Ausdruck der Kontinuität, der Generationenfolge. Natürlich möchte ich das, was ich geerbt und dem Erbe hinzugefügt habe, an meine Kinder weitergeben. Das ist der Sinn meiner Existenz.

Erben, vermehren, vererben. Das ist die heilige Dreifaltigkeit eines Konservativen. Aus dem Geist der Vergangenheit vererbt der Vater an seinen Sohn. So steht es geschrieben, so soll es sein.

Elite statt Plebs

November 8, 2010

„Sie sind gut! Toll! – Und wer weiß davon?“ Der Marketing-Spruch eines Werbeflächen-Anbieters gilt auch für die Politik: Es reicht nicht, gute Ideen und vernünftige Ziele zu haben, man muß sie auch an den Mann bringen können. Unter den Bedingungen der Mediendemokratie und neuer digitaler Kommunikationsformen ist die Fähigkeit, moderne und zielgenaue Kampagnen zu führen, eine unerläßliche Vorbedingung für politische Durchsetzungsfähigkeit.[1]

Nein! Das höchste aller Gefühle ist der Schweigemarsch für das Leben. Ich gehe nicht in infantil quitschbunter Kleidung auf die „Straße“ und tröte andere Meinungen kaputt. Ich verkleide mich nicht als Clown und führe mich auf, als käme ich geradewegs aus einem „Kindergarten“. Das überlasse ich gerne dem Pöbel von der roten, grünen oder der braunen Seite.

Ich bin elitär, nicht egalitär. Ich will keine Massen gewinnen, nichts „verkaufen,“ geschweige „überzeugen“, sondern Eliten formen, die zu führen verstehen. Persönlichkeiten, denen die Massen von ganz alleine hinterherlaufen, wie anno zu Hameln dem Rattenfänger.

Daher sind linke Methoden vollkommen ungeeignet.

Aber ich weiß, woher diese Forderung stammt: aus der Weißmannschen Schule und der KSA. Jugendlichen mag man derartigen Rabulismus noch nachsehen und man kann die pubertäre Gaudi sogar unterstützen, aber gerade die KSA beweist, dass mit solchen Methoden Konservative nicht zu „mobilisieren“ sind. Zu was überhaupt und warum? Zur Machtergreifung?

Weißmann behandelt das Konservative wie eine Ideologie. Das ist es aber nicht. Ich will niemanden vorschreiben, wie er zu leben hat. Ich bin ein Freiheitlicher, kein Ideologe. Ich will nicht den Staat okkupieren, sondern Einfluss in der Gesellschaft erlangen. Der Weg der Rechten geht nicht über die Straße, sondern über elitäre, lebenslange Männerbünde, wo jedes Mitglied einem anderen in einflussreiche Positionen hilft. Hier liegt die Schwäche der Rechten. Wohl auch deshalb, weil das nicht (mehr) in der Öffentlichkeit erfolgen kann, sondern heute der Kunst der Konspiration bedarf. Die Linke weiß genau, wo ihr Todfeind steht. In eingeschworenen Seilschaften, die sich gegenseitig zum Gipfel ziehen. Solange sich Konservative linker Methoden bedienen, laufen sie Gefahr sich lächerlich zu machen. Wirkung oder Einfluss generieren sie damit nicht, weil man mit diesen Mitteln die „Zielgruppe“ nicht erreicht. Das blendet Weißmann regelmäßig aus.

Gerade seine heiß geliebte „Konservative Revolution“ zeigt eindringlich, wohin eine „Querfront“ führt: auf direkten Weg vor ein standrechtliches Erschießungskommando. Die Brauen haben die Konservativen in Deutschland ausgerottet, den Rest erledigten die Roten. Das Schicksal von Edgar Julius Jung ist unvergessen.

Lieber Evolas Initiation, als Lenis „Was tun?“. Konservative gehen nicht auf die Strasse, sie bekämpfen die Strasse. Sie machen keine Revolution, sondern die Konterrevolution.

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[1] JUNGE FREIHEIT; Konservative müssen von Linken lernen.

Der Pontifex

September 25, 2010

Konservativ sein, heißt zuerst erben. Das Erbe annehmen, damit überhaupt etwas da ist, das man bewahren kann und bewahren will.

Konservativ sein heißt zweitens, das Erbe zu mehren, Neues hinzuzufügen, es reicher zu machen. Damit es unseren Kindern besser geht, es ihnen leichter fällt, ihr künftiges Leben zu meistern. Das ist unser Vermächtnis.

Konservativ heißt drittens, das Vermehrte zu vererben, an Nachkommen, die man so erzogen hat, dass sie ihr Erbe nicht verprassen, verhuren oder versaufen.

Ein Konservativer ist der Brückenbauer, ein Pontifex, der zwischen Vergangenheit und Zukunft vermittelt. Er ist der Gegenwärtige, der die Verantwortung für die Zukunft auf seinen Schultern trägt.

Mehr Worte braucht man nicht, um den „Konservatismus“ erschöpfend zu beschreiben.

Eine Replik auf: Vom Konservativen.

Die Kirche muß nicht modern sein

August 18, 2010

Es gibt gar keine „Moderne“. Denn jede Zeit??epoche ist zu sich selber „modern“ und „neu“. Nicht daß eine Epoche „neu“ ist, macht sie gut oder schlecht, sondern welche Ideen oder Moden sie hervorbringt. Man muß die propagierten Inhalte des jeweiligen Zeitgeistes nüchtern analysieren. (Zu seiner Zeit war z. B. eben auch der Faschismus „modern“. Man wird ihn aber objektiv nicht als menschlichen „Fortschritt“ betrachten können.)

Insofern ist „modern“ ein inhaltsloses Wort. Wenn man dazu noch die Stimmung, die mit dem Wort „modern“ transportiert wird, ansieht, wird man ein euphorisches, ja geradezu hysterisches Element in der Rede von der „Moderne“ feststellen – und eine gewisse Realitätsferne: Denn davon, daß die Welt besser geworden sei, kann natürlich keine Rede sein.

Wer noch nicht darüber gestolpert ist, dem sei der Artikel von Wolfram Schrems auf Kath.net wärmstens anempfohlen. Ich unterschreibe jeden Satz.
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[1] KATH.NET – Katholischer Nachrichtendienst.

Abwartende Sympathie

Mai 18, 2010

Nachdem über lange Zeit neben ständigen Beteuerungen einer lebendigen Diskussionskultur eine weitestgehende Ruhe die Partei auch dann beherrschte, wenn fundamentale Überzeugungen über Bord gingen und die inhaltliche Annäherung an die Grünen auch viele ansonsten wenig konservative Mitglieder verschreckte, scheint nun etwas Bewegung in die 500000 Mitglieder-Organisation zu kommen.[1]

Ich warte ab. Ich bin seit längerem Nichtwähler und kann bisher keine Bewegung erkennen, die mich veranlassen würde, mein Kreuz bei irgendeiner Partei zu machen. Ich verfolge die Mühen konservativer Kreise – innerhalb und außerhalb der CDU – mit einer gewissen Sympathie, werde aber, solange diese Kreise keinen merklichen Zugriff auf die praktische Politik bekommen, das Lager der selbst gewählten Abstinenz nicht verlassen. Sehr wohl wissend, das dieses System mich weder braucht, noch in eine Krise gerät, wenn ich mich oder andere dem politischen Alltagsgeschäft verweigern.

Ich will eine solide und bodenständige Politik, die das Notwendige tut und das Überflüssige lässt.

Eine Politik, die dem „mündigen Michel“ dient und sich nicht als Lobbyist lautstarker Minderheiten generiert, sondern deren Maßlosigkeit endlich deckelt.

Eine Politik, die dem Zeitgeist nicht nachhechelt, in der Neues erst beweisen muss, das es keine Mode ist, sondern einen sichtbaren Mehrwert gegenüber Bewährten nachweist.

Eine Politik, die dauerhaft weniger Steuern ausgibt als sie einnimmt und die dem Bürger mehr Einkommen lässt, als sie ihm nimmt.

Eine Politik, die das Politische privatisiert und die nicht das Private politisiert. Eine Politik, die Abschied von omnipotenten Allmachts- und Allreglungsfantasien nimmt. Eine Politik, die dem Einzelnen lässt, was des Einzelnen ist.

Eine Politik, die das Eigentum schützt und nicht umverteilt.

Eine Politik die Bürokratie wirklich abbaut, statt ständig neue anzuhäufen.

[1] CDU-POLITIK.DE » Kritik und Diskussion.

Für ein gewöhnliches Leben

Mai 15, 2010

Viermal verheiratet. Ihr Leben ist nicht so verlaufen, wie sie dachte. „Ich hab doch alles falsch gemacht! Ich hätte doch zu Hause bleiben sollen und hätte Kinder hervorbringen müssen und das Haus zur geborgenen Stätte des im fremden Leben tätigen Mannes machen müssen! Das wäre doch das Glück gewesen! Und nun habe ich das, verführt durch den emanzipatorischen Feminismus, verspielt.“ Und aus ihrer Sympathie heraus, meine Damen und Herren, mit den vielen Müttern, die im Hause, in den deutschen Häusern, sitzen, tritt sie [1] nun in die Arena und verkündet ihre neue Botschaft, die natürlich banal ist. Aber die elementaren Lebensinhalte sind alle banal!

Sie können als Philosoph nur irren, lieber Herr Seubert, ich meine nicht Sie, sondern rundum, wenn Sie nicht den Mut zur Banalität haben. Sie müssen den Mut haben, auch Banales aussprechen zu können. Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich das gelernt habe. Inzwischen klappt das schon ganz gut.

Das heißt also, der Konservativismus wäre eine hoffnungslose Angelegenheit, wenn man ihn als Postulat dem herrschenden Trend, dem vermeintlichen, entgegensetzen würde. Er wäre hoffnungslos, wenn er sich gar nostalgisch daran orientieren würde, Verlassenes, Traditionelles wieder herzustellen, sondern das, was Weikersheim von der neuen Rechten unterscheiden muß – und, Herr Seubert, Sie haben schon darauf hingewiesen – daß es zwei verschiedene Dinge sind: Entweder das Rechte als Gegenentwurf gegen eine angeblich der Linksliberalität und Verführung verfallenden Gesellschaft entgegenzusetzen und dann mit Herrn Weißmann [2] eine Revolution von rechts mit linken Mitteln zu fordern. Das ist Scheiße![3]

In diesem Punkte hat Rohrmoser recht. Ich will die Welt nicht verändern, sondern einfach nur leben dürfen: Eine Familie gründen, Kinder zeugen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen. Meinen Gott anbeten. Nichts anderes verlange ich, als ein gewöhnliches Leben. Das ist banal, aber eine Tragödie, wenn man darum betrogen wird. Eva Hermann hat den Betrug erkannt und sich öffentlich darüber empört. Sie steht stellvertretend für eine ganze Generation, die um ihre Lebenschancen betrogen wurde, weil sie sich den Einflüsterungen des Zeitgeistes ergab. [4]

Wenn der zeitgenössische Konservatismus einen Sinn haben will, so muss er die Stimme des Klageweibes zum Chor erheben, zu einem anschellenden Bocksgesang, der den kommenden Generationen die Tragödie der heute Lebenden als warnendes Beispiel vor Augen führt. Streitet für euer Recht, so die Botschaft, auf ein einfaches Leben und jagt alle Weltverbesserer, Ohrenbläser und Revolutionäre genau dorthin zurück, woher diese Ratten hervorgekrochen sind: in Dantes Hölle und zum Teufel.
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[1] Gemeint ist Eva Herman
[2] Gemeint ist Karlheinz Weißmann und sein Umfeld
[3] Die Wiederkehr der Geschichte; Prof. Dr. Günter Rohrmoser; Rede im Weikersheim; 2006
[4] Wohl auch deshalb, weil die vorangehenden Generationen durch das Feuer zweier Weltkriege ihrer moralischen Kompetenz scheinbar verlustig gingen. So hatte es der Zeitgeist leicht, die Tradition zu überwältigen.

Die Watschen

Mai 13, 2010

Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn. So steht es im Alten Testament. So wurde es seitdem gehandhabt, bis in die frühen sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein. Die Watschen war ein anerkanntes Erziehungsmittel – für Söhne. Die Töchter zu züchtigen stand dem Vater zwar zu, aber nicht an, denn deren Erziehung lag in der Hand der lieben Mama und die hatte ein grausames Mittel zur Disziplinierung ungezogenen Nachwuchses: den Liebesentzug auf Zeit. War mit einer Watschen die Sache meist ausgestanden, konnte der Liebesentzug schon mal eine Woche dauern und endete immer erst nach einer demütigen Unterwerfungsgeste, die auch jedes Affenjunge kennt: der Entschuldigung. Gott, wie habe ich dieses Ritual gehasst.[0] Eine kräftige Watschen wäre mir tausendmal lieber gewesen. [1]

Als ich jüngst in der Zeitung las, dass wieder einmal eine „Historikerkommission“ die Opferzahlen der Dresdener Bombennacht zu Hornung 45 [2] „neu bewertet“ hatte [3], da konnte sich keiner der neunmalklugen Kommentatoren den Hinweis auf die Schuldfrage verkneifen: Ganz so als hätte meine Großmutter – ein Bomberopfer – höchstpersönlich der ganzen Welt den Krieg erklärt und wäre somit selber daran schuld gewesen, dass ihr eine Bombe zwar nicht das Leben nahm, wohl aber ihre Trommelfälle platzen ließ. Man könne, so unsere Aufklärer [4], das eine nicht ohne das andere betrachten, das Ereignis nicht aus seiner Zeit herauslösen, sonst käme man womöglich zu ganz falschen Schlüssen.

Nun wurde kürzlich ein Bischof Namens Mixa von einem, in deutschen Landen häufig vorkommenden medialen Moralin-Tsunamie aus seinem Sitze gespült, weil man ihm vorwarf, er hätte in der Vergangenheit Schutzbefohlene gezüchtigt. Er hat dieses, nach heutiger Rechtslage, „Verbrechen“ eingeräumt und zugegeben, dass er in der Vergangenheit hin und wieder „eine Watschen“ ausgeteilt hat. Rechtlich ist das „Geständnis“ unerheblich, denn zu der Zeit war die Prügelstrafe noch erlaubt und in der Justiz gilt – wenigstens ab und zu noch – das Rückwirkungsverbot [5]. Die Watschen im Kontext der Zeit war eben keine Schandtat, für die man sie heute hält. Aber wo kein Recht ist, ist immer noch reichlich Moral, mitunter sogar eine doppelte: Dieselben schlichten Gemüter, die oben den zeitlichen Kontext inquisitorisch anmahnen, „vergessen“ desselben, wenn es ihnen dabei hilft, einen lästigen, weil im Kirchenvolk hoch beliebten Kerl loszuwerden, nur weil der nicht nach ihrer Zunge schwatzte. Sie tun einfach so, als wäre die Watsche schon immer ein verabscheuungswürdiges Verbrechen gewesen.

Bleibt noch die Frage zu klären, ob eine Welt ohne Watschen wirklich zu besseren Menschen verhülft. Die Alten haben es verneint, wie es die Fabel vom Hänschen erahnen lässt. Immerhin können unsere Vorfahren auf eine über 2000 Jahre währende Empire verweisen, die unseren akademisch gebildeten Pädagogen deshalb vollkommen abgeht, weil all ihre wunderbaren Theorien den ersten Praxistest nicht überleben. Gewaltfrei, so das Paradigma der vom Zeitgeist Geknutschten, solle das Kind erzogen werden, weil das gute Beispiel, so der fromme Gedanke dabei, den Charakter formt. Leider beugt sich die Polizeistatistik nicht der kategorischen These: Die Täter werden immer jünger, dreister und brutaler. Was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr. Das lässt für die Zukunft nicht viel Gutes erahnen.

Und die Moral von der Geschicht?

Eine Watsche zur rechten Zeit,
Erspart im Alter sehr viel Leid.

Der Mixa hätte vielleicht einmal mehr hinlangen sollen, da währ‘ er vielleicht heuer nicht abgewascht wurden. Gott sei ihm gnädig.

In diesem Sinne allen Vätern und Söhnen eine gesegnete Christi Himmelfahrt. Und sauft nicht soviel.
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[0] Entschuldigungen verlangen immer nur Weiber. Und die werden einem ewig auf Butterbrot geschmiert, das hat kein Ende. Männer schreien sich an, kampeln sich und finden am Abend beim Bier einen Kompromiss, mit dem beide leben können. Anderntags ist die Geschichte vergessen.
[1] Ich bin schon in die prügelfreien Zeiten hineingeboren, als man anfing Jungen wie Mädchen zu behandeln und dem Vater die Erziehungskompetenz abzusprechen begann.
[2] Hornung ist eine vergessene deutsche Bezeichnung für den Monat Februar. Er ist die Substantivierung der germanischen Verbes „horen“, was soviel wie „sich paaren“ bedeutete.
[3] Wenn das so weiter geht, wird wohl eine der nächsten Kommissionen feststellen, dass der Angriff gar nicht stattgefunden hat, sondern eine Propagandalüge der Nazis war.
[4] Nebenbei: Unter Aufklärung verstand Kant die Nutzung des eigenen Hirns – Sapere aude!, um sich von der Herrschaft der Ohrenbläser zu befreien. Ironischerweise wird heute unter dem Begriff das genaue Gegenteil verstanden: Die Aufklärung durch Aufklärer ist im Grunde nichts anders als die Rückkehr in die Unmündigkeit, weil man sich aufklären lässt, statt sich eine eigene Meinung zu bilden. Oder sich eine solche bilden darf.
[5] Rückwirkungsverbot: Niemand darf für eine Tat bestraft werden, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht strafbar war. Ein Gesetz gilt ab dem Tage seiner Inkraftsetzung, es darf nicht vordatiert werden.

Was Hänschen nicht lernt …

Mai 13, 2010

Ein Vater gestand seinem Sohne jeden Mutwillen solange zu, bis dieser ihm in allen Stücken über den Kopf gewachsen war und er keine Gewalt mehr über ihn hatte. Der Sohn beging ein schändliches Bubenstück nach dem anderen und wurde endlich außer Landes gejagt. Doch spielte er sich bald darauf in einen Busch unweit der Stadt und ließ seinen Vater zu sich herausrufen; er wolle sich, wie die Botschaft lautete, vor seinem Ende noch einmal an seinem Anblick letzen. Als aber der Alte zu ihm herauskam, empfing er in kalt und forderte in auf, ihm aus dem Stamm einer kräftigen Eiche, die er ihm zeigte, eine Rutenschlinge zu machen. Das sei ihm unmöglich, erwiderte der Alte betroffen, er könne den Baum nicht zwingen, und auch wenn er ihn zwingen könnte, so würde der nur zerbrechen. „So mach mir“, sagte der Sohn, „die Schlinge aus diesem jungen Weidenstrauch hier.“ Dies geschehen, nahm er sie in Hand und sagte: „Mein Vater, sehet, als ich noch ein kleines Bäumlein war, da hättet Ihr mich auch beugen können und ziehen nach Eurem Willen. Aber jetzt bin ich in meiner Bosheit erstarkt, niemand kann mich mehr zwingen, und ich kann mein Herz selber nicht mehr zwingen, denn die Schurkerei ist mir durch alle meine Adern und Blutstropfen gekrochen, ich kann sie nicht mehr lassen, und es ist unausbleiblich, daß ich dem Diebeshenker in die Hände komme. Und darum muß ich Euch zuguterletzt den Lohn geben für Eure Kinderzucht.“ Damit warf er ihm die Schlinge um den Hals, erwürgte ihn und hängte ihn an die Eiche. Nicht lange darauf starb er selber, wie er vorhersagte, von Henkers Hand.[1]

Eine alte Fabel zum „Vatertag“. Etwas zum nachdenken. Für Väter und Bischöfe. Ich komme darauf zurück.
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[1] Aus Herzberges Herzpostille; W. Schulze Verlag; 1853

Lob der Zensur

April 26, 2010

Diejenigen, welche gegen die Zensur zu Felde ziehen, stellen an die Spitze ihrer Beweisführungen gewöhnlich den Satz: Der Mensch habe das Recht zu sagen, was er denkt. Dieses Recht hat er aber nicht. Wenn er etwas Unrechtes, etwas Verkehrtes, allgemein Schädliches denkt, so hat er ebensowenig das Recht, es zu sagen, als es zu thun. True words are things sagt Lord Byron; Worte sind Sachen.

Diesen Anhaltspunkt aufgegeben und die Zurechnungsfähigkeit geäußerter Meinungen zugestanden, argumentiert man weiter: in der Zensur sieht sich die richterliche Gewalt in ihrer natürlichen Ordnung verkehrt. Allerwege straft man sonst Uebertretungen nur, wenn sie erst begangen sind; hier aber geht die Strafe dem Vergehen voraus, was widersinnig und empörend sei. Aber einerseits ist die Zensur keine Strafe, sondern nur eine Abhaltung; dann ist der werkthätige Vorsatz zu schaden schon durch die Vorbereitung zum Druck konstatiert, wie der Uebelthäter, dem man das Gewehr vor dem Abdrücken entreißt, eben auch dem Gesetze verfallen ist, nicht bloß der, der abgedrückt und getroffen hat. Endlich besitzt der Staat außer der richterlichen auch unbezweifelt noch eine andere, die Polizeigewalt nämlich, welche Verbrechen verhütet, die der zu spät kommende Richter nur bestrafen kann.

Nun finde ich aber eine Meinung, die nicht Lust hat, sich durch Handlungen zu bekräftigen, eine höchst läppische Sache; die Handlungen finden wir aber allerwege beschränkt. Die Gesellschaft, das Wohlergehen aller hängt von dieser heilsamen Beschränkung ab. Wenn nun Meinungen, da sie den Willen bestimmen, zu Thaten führen, und gewisse Thaten verboten sind, warum nicht auch die Meinungen, der Anlaß dazu? Sollte wirklich jedermann das Recht haben, seine Meinung zu sagen? Auch wenn sie schädlich, zum Bösen verlockend, sittenverderbend, das Gute verlachend, heilsame Beschränkungen angreifend wäre? True words are things, sagt Byron, »Worte sind Dinge,« und ich glaube, er hat recht.[1]

Das ist so ziemlich das Intelligenteste, was ich über die Meinungsfreiheit bisher gelesen habe. Es geht bei einer Meinungsäußerung nie nur darum jemanden seine Meinung zu sagen, sich etwas folgenlos von der Seele zu reden, sondern immer auch darum etwas zu ändern. De jure mag Meinungsfreiheit existieren, de facto ist sie eine Illusion, weil es unzählige Mittel gibt, die Meinungsfreiheit unterhalb der juristischen Schwelle einzuschränken. Jeder abhängig Beschäftigte kennt innerhalb seines Arbeitsverhältnis die Grenzen, die er nicht überschreiten darf, will er seinen „Job“ behalten. Wer stets widerspricht, mäkelt oder kritisiert gefährdet auf Dauer die Existenz des reibungslosen Betriebes. Es macht gesellschaftlich durchaus Sinn nicht nur Taten, sondern auch Meinungsäußerungen unter Strafe zu stellen, sofern sie geeignet sind, das öffentliche Leben zu stören. Diejenigen, die heute Meinungsfreiheit fordern, würden sie, mit ganz ähnlichen Begründungen, ganz gewiss morgen ebenso einschränken, wenn es ihnen gelänge, die politische Macht zu erobern.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Der Autor dieser Zeilen rechtfertigt keineswegs die gegenwärtige Praxis, denn im Unterschied zu klaren gesetzlichen Reglungen, gibt es heute keinerlei Rechtssicherheit, weil entweder die betreffenden Paragrafen viel zu schwammig formuliert sind oder es subtile gesellschaftliche Mechanismen gibt, gegen die eine juristische Gegenwehr praktisch unmöglich ist. Gäbe es eine offene Zensur, hätte man auch die Möglichkeit sich mit rechtsstaatlichen oder politischen Mitteln dagegen zu wehren. Eine kaschierte Zensur, wie sie in der Bundesrepublik üblich ist, schafft erst die rechtsfreien Räume, innerhalb derer sich eine „Antifa“ erst bewegen kann. Man behauptet heuchlerisch es gäbe Meinungsfreiheit und sieht regelmäßig großzügig darüber hinweg, wenn der Mob sie de facto einschränkt.

Ich plädiere im Gegensatz zu Grillparzer für eine offen staatliche Zensur, in der klare juristische Grenzen gezogen werden und in der Streitfälle vor einem Zivilgericht ausgetragen werden und eben nicht auf der Straße. Es geht nämlich nicht um „Wahrheit“[2], wie Grillparzer meint, sondern um die Erhaltung eines funktionierenden Systems.
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[1] Franz Grillparzer; Ueber die Aufhebung der Zensur; 1844
[2] Ich halte Wahrheit keineswegs nur für eine Variable innerhalb eines bestimmten Bezugssystems, bin also kein Anhänger des Relativismus. Nur kenne ich keinen Menschen der im Besitze einer „absoluten Wahrheit“ wäre, was allerdings nicht heißt, das es eine solche nicht irgendwo gäbe. Die Natur ist nirgendwo relativ oder reversibel.

Schwarz lackierte Jakobiner

April 16, 2010

Kuehnelt-Leddihn plagt, in seiner Schrift „Katholischer Glaube – links oder rechts?“[1] der dringende Verdacht, dass alle nichtkatholischen oder nichtgläubigen Rechten nur deshalb „rechts“ sind, weil sie in „natürlicher“ Opposition zu den abstrusen Ideen des linksliberalen Mainstreams stehen. Indirekt weist Kuehnelt-Leddihn damit dem rechtgläubigen Katholiken – ja, es gibt auch andere – den Platz als „einzig wahre Rechte“ zu. Es macht in der Tat einen Unterschied, ob man sich der Konterrevolution – gegen die „Ideale“ der Französischen Revolution – verschrieben hat oder einen Teil dieser Ideale, wie Demokratie oder Gleichheit, assimiliert: Eine „demokratische Rechte“ steht auf dem Boden der Revolution, sie ist nicht rechts, sondern sitzt – in Parlamenten – eben nur dort. Dass es zwischen diesen Fraktionen blutige Machtkämpfe ausbrechen, liegt in der Natur des politischen Systems: Es geht den agierenden Parteien, wie Davila schon bemerkte, nur um einen Anteil an der Macht und nicht um deren Beseitigung.

Unter diesen Aspekt ist auch die unübliche Einordnung Kuehnelt-Leddihns, der den Nationalsozialismus als originär linksradikale Kraft versteht [2], verständlich: Schließlich waren beide Elemente – Nationalismus und Sozialismus – Resulten der sogenannten „Aufklärung“ und der ihr nachfolgenden blutigen Revolutionsexzesse die seit 1789 periodisch die Welt erschüttern und deren Schockwellen regelmäßig Millionen Opfer verschlingen.

Entweder man betet die Revolution und ihre Ideale an, dann ist man ein Linker, oder man ist ein „Rechter“ oder „Weißer“, weil man solche niederhauen will: „Konservative Revolutionäre“ sind aus dieser Sicht nur schwarz lackierte Jakobiner. Selbst dann, wenn es mit Jenen inhaltliche Mengen gibt, die sich mit konterrevolutionären Ansichten decken.
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[1] Kuehnelt-Leddihn; Katholischer Glaube – links oder rechts?; Critión 14, 1972
[2] Kuehnelt-Leddihn; Der linke Etikettenschwindel – Kein Gegensatz, sondern Konkurrenzkampf