Archive for the ‘Kultur’ Category

Das böse Weib

Februar 1, 2011

Ein einzig böses Weib lebt höchstens in der Welt:
Nur schlimm, daß jeder seins für dieses einz’ge hält.

Gotthold Ephraim Lessing

Zauberwort der Mitläufer

November 5, 2010

„Ausdruck moderner Individualität.“

Das Konstrukt habe ich gerade in einem Kommentar gelesen. Witzig.

Modern heißt eigentlich nichts anderes, als mit der Mode zu gehen. Sich zu kleiden, wie andere sich kleiden. Zu denken, was Zeitgenossen denken. „Modern“ sein heißt, man will nicht aus Reihe tanzen. „Trendi“ sein, nicht gegen den Zeitgeist paddeln. „Modern“ waren zu ihrer Zeit auch die Nazis. „Modern sein“, ist das Zauberwort der Mitläufer.

Individualität ist ein Gegenteil, denn es bezeichnet die Eigenschaften einer Person, durch die sie sich von allen anderen Individuen unterscheidet, sich aus der Masse heraushebt, sie als Person sichtbar wird. Aber das ist nicht „modern“. Denn je größer die Unterschiede zwischen Masse und Individuum werden, desto „unmoderner“ wird die Person. Irgendwann stammen seine Ansichten aus dem „Mittelalter“; er wird angefeindet, ausgegrenzt.

Spätestens jetzt beginnt sich der wahre Charakter des relativierenden Adjektives „modern“ zu enthüllen: Man darf zwar ein Individuum sein, aber bitte schön, ein an den Zeitgeist Angepasstes. Modern ist als Adjektiv nichts anderes als die Einhegung des Individuums auf die herrschende Mode.

Morgen kommt der Schwed!

Juli 18, 2010

Bet‘ Kinder, bet‘
Morgen kommt der Schwed,
Morgen kommt der Ossenstern[1],
der wird die Kinder beten lern‘.

Ein „Schlaflied“ aus dem 30jährigen Krieg. In der mitteldeutschen Heide (Mansfeld/Braunschweig) gedichtet und gesungen. Wohlgemerkt, bei Protestanten.
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[1] Niederdeutsche Verballhornung des schwedischen Grafen Axel Oxenstierna.

Nach uns die Sintflut

Juni 27, 2010

Für alle Menschen, denen die höhere Natur Liebe zur Wahrheit aufgeprägt hat, scheint dies am wichtigsten zu sein, daß sie in der gleichen Art, wie sie von der Arbeit der Alten reich geworden sind, nun selbst den Späteren vorarbeiten, auf daß die Nachwelt etwas von ihnen habe, wodurch sie reich werde.[1]

Die Generation der Kinderlosen hat anderes zu tun. Sie verprasst nicht nur vollkommen schamlos den Reichtum, den die Väter vererbt haben, nein, sie häuft dazu noch einen so horrenden Schuldenberg an, von dessen Höhen die Nachfolgenden in bittere Not stürzen werden. Wer keine Kinder hat, der lebt im „hier und jetzt“, dem ist die Vergangenheit genauso egal, wie er sich um die Zukunft schert.
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[1] Dante Alighieri; Monarchia

Objektiv und sachlich

Juni 27, 2010

Da entscheidet der Schiedsrichter nach einem englischen Torschuss für Deutschland und die deutschen Reporter fangen an, über eine angebliche Fehlentscheidung zu maulen. Ist es Dummheit oder nur fehlender Patriotismus? In einem solchen Spiel muss niemand „objektiv“ oder „sachlich“ sein. Das sind diese Typen ja sonst auch nicht.

Wer sich wundert: ARD-Livestream.

Nicht Medium, sondern Partei

Juni 22, 2010

„Das war das Signal für mich und andere Kollegen, zu sagen, wenn man die Auseinandersetzung auf dieses Weise sucht, dann können sie diese Auseinandersetzung auch haben.“ Dies gab der FAZ-„Kirchen“-Redakteuer Daniel Deckers heute gegenüber der „Berliner Zeitung“ unverblümt zu. Anlass für die „Enthüllungen“ von Deckers & Co. war das Interview von Bischof Mixa in der Tageszeitung „Die Welt“, in der dieser auch Kritik an einigen Bischofskollegen geübt hat.[1]

 

In diesen Sätzen tritt die ganze Berufsauffassung von Decker und Konsorten zutage: Sie verstehen sich nicht als Medium, nicht als Berichterstatter, sondern als Partei in innerkirchlichen Grabenkämpfen und sie bedienen sich, statt investigativen Journalismus zu pflegen, höchst fragwürdiger Methoden, in dem sie Gerüchte, Hörensagen oder Halbwahrheiten verbreiten.

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[1] KATH.NET – Katholischer Nachrichtendienst.

Tröten gehört zum Handwerk

Juni 14, 2010

Deutschland gegen Australien: Nach 10 Minuten hatte ich das nervtötende Tröten satt. Ich verließ die Hotelbar, die Tortur ist Fußball nicht wert. Zumindest für mich. Konsequenterweise sollte man gleich ein rauschendes Fernsehbild ausstrahlen und das zur „afrikanischen Kultur“ erklären und jeden, der das für ausgesprochen dämlich hält, zum Rassisten: die Nazikeule ist die deutsche Tröte und exekutiert exakt dieselbe Funktion. Tröten gehört zum Handwerk: „Laut gegen Nazis“, wer auch immer das ist. Im monotonen Hintergrundrauschen der ewig gleichen Phrasen verschwindet jede andere Information: den „Reichsparteitag-Lapsus“ habe ich nicht mehr mitbekommen, da war ich schon auf dem Zimmer und habe nach Hause telefoniert. Wer hat das Spiel eigentlich gewonnen?

Schade Eva

Juni 3, 2010

Via Karl Eduard: Eva Herman wieder auf Sendung. Im KOPP-Verlag!

Nun ist Eva angekommen, wo sie nach Meinung ihrer Gegner sowieso schon hingehört: in einer Nische. Sie stellt damit die traditionelle Familienpolitik, die sie wie keine andere Frau in diesem Lande repräsentiert, in eine Reihe mit Ufologen und Leuten, die hinter jedem falschen Furz eine ganz gemeine Weltverschwörung vermuten. Sicher, jede Nische hat ihre Daseinsberechtigung, nur gehört eben Eva mit ihrem Anliegen ganz bestimmt nicht dorthin.

Schade Eva. Ich werde mir Deine Sendung nicht anschauen. Ich will Dich so in Erinnerung behalten, wie du einmal warst.

Mutters Hände

Mai 25, 2010

Kurt Tucholsky

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht …
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bonbons zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält …
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
auch n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht,
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben …
alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Der Erlkönig

Mai 13, 2010

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. –

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.