Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Die Scherbenhügel der USA

Januar 18, 2011

Zuerst das Immobilien-Debakel, dann das Banken-Beben. Jetzt kollabieren die Zinspapiere der Städte und Staaten – viele werden Leute entlassen müssen.[1]

Der Monte Testaccio ist ein Hügel in Rom, der vollständig aus Scherben besteht. Hier häuften die antiken Römer ihre zerbrochenen Amphoren an, die als Tribute aus den unterworfenen Provinzen in der Ewigen Stadt eintrafen.

Die gigantischen Schuldenberge, welche die Amis angesammelt haben, sind dem Monte Testaccio ganz ähnlich. Im Grunde bezahlt das Ausland das, was die Amerikaner an privaten oder staatlichen Schuldenbergen auftürmen, wobei sich der „freundliche“ Hegemon in der glücklichen Lage befindet, die Waren oder Dienstleistungen, die ihm seine Vasallen liefern, mit bedrucktem Papier „bezahlen“ zu können, welches die amerikanische Notenbank jederzeit nachdrucken kann und welches er ausdrücklich auch nicht zurückzunehmen braucht, respektive kann.

Denn die Chinesen und die anderen „Bundesgenossen“ könnten auf die Idee verfallen, mit den über ihre Warenlieferungen angehäuften Dollars, so nennt sich das bedruckte Papier, auf Einkaufstour in den USA zu gehen und sich ihre Ware dadurch zurückholen, dass sie diese mit Dollars bezahlen. Dann hätte der Ami zwar viele Dollars, aber nichts mehr in den Supermärkten, was man kaufen könnte.

Das hat nur den Haken das der „Wert“ der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge der sogenannten „Leitwährung“, den Wert der amerikanischen Volkswirtschaft mittlerweile drastisch übersteigen dürfte. Dieses bunte Papier ist schließlich das Gleitmittel für den internationalen Warenaustausch, muss also wesentlich höhere Werte abdecken, als die USA produzieren oder überhaupt wert sind.

Macht auch nichts, man kann nämlich die „fehlenden Werte“ an den Finanzmärkten generieren, das heißt anlegen, zum Beispiel in sogenannten „Internet-“, „Immobilien-“ oder „Finanzblasenblasen“.

Diese platzen zwar regelmäßig, aber das gehört zum System, denn es ist der Gläubiger – in den meisten Fällen ist es wieder das Ausland, genauer der ausländische Steuerzahler – der auf seinen Schulden sitzen bleibt, während sich die amerikanische Volkswirtschaft in regelmäßigen Abständen über solche Großpleiten entschuldet. Defacto hat der Steuerzahler, der für die Schulden der Banken aufkommen muss, siehe „Rettungsschirm“, damit Tribut bezahlt, nur nennt das heute keiner mehr so.

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[1] Anleihen: Die nächste US-Finanzkrise rollt an;FOCUS Online.

Lebensversicherung für Unsterbliche

Januar 4, 2011

Ein scheinbar geniales Anlagemodell: US-Bürger schließen eine Lebensversicherung ab und verkaufen sie noch zu Lebzeiten an einen Fonds. Dessen Anleger bezahlen die monatlichen Prämien weiter und kassieren die Versicherungssumme, wenn der Versicherte stirbt.[1]

Dass solche „Rechnungen“ nicht aufgehen, weiß jeder Versicherungsmathematiker, weil die Höhe der Prämien ähnlich wie die Wahrscheinlichkeiten im Roulette berechnet werden: Im Schnitt gewinnt immer die Bank, also die Versicherung, weil eine große Zahl der Versicherten mehr einzahlt, als sie ausbezahlt bekommen. Die Versicherung wettet zudem nicht auf ein kurzes, sondern ein möglichst langes Leben des Versicherten, weil sich mit der Fortdauer der Prämienzahlung auch die Gewinn- und Provisionsspanne erhöht. Der Idealfall für eine Lebensversicherung ist ein Vertrag mit einem Unsterblichen.

Wetten auf einen frühen Tod, sind ein Extra-Profit für die Versicherungen. Das ist kein Geschäftsmodell, sondern Betrug; mindestens jedoch ein fragwürdiges Glücksspiel, weil die Gewinnchancen mieser sind als in „6 aus 49“. Als „geniales Geschäftsmodell“ kann so etwas nur durchgehen, weil die „Anleger“ weder rechnen, noch logisch denken können.

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[1] Geldanlage: Fatale Wetten auf den Tod; FOCUS Online.

Keltischer Bettvorleger

November 23, 2010

Die grüne Insel, die nun Milliardenhilfe beantragt, gehört nicht zu den armen Staaten in Europa. Ganz im Gegenteil: Irland ist zu einem der reichsten Länder aufgestiegen. Doch mit der Bankenkrise und der Rezession stürzt das Land ab. Nun braucht es Finanzhilfe, die zum Teil von deutlich ärmeren EU-Staaten kommt.[1]

Der „keltische Tiger“, aufgepäppelt mit EU-Milliarden, endet erwartungsgemäß als Bettvorleger.

Die Iren sollten sich auf das zurückbesinnen, was sie wirklich beherrschen: die Schafzucht.

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[1] Keltischer Tiger in Not: Das reiche Irland hängt nun am Tropf ärmerer Staaten; FAZ.NET.

Währungsreform?

Mai 5, 2010

Das Rettungspaket für Griechenland hat die Finanzmärkte nicht überzeugt. Mittlerweile ist eine Debatte über eine Reform der Währungsunion in Gang gekommen. Zu recht: denn ohne eine solche dürfte die Einheitswährung längere Zeit noch unter Druck stehen.[1]

Reform des Euro? Also eine Währungsreform. Wie 2002 schon gehabt: Löhne und Gehälter werden halbiert, die Preise bleiben im Wesentlichen dieselben. Nach acht Jahren wird dann wieder „reformiert“.
[1] Schuldenkrise: Der Euro braucht eine Reform – Griechenland – Wirtschaft – FAZ.NET.

Aasgeier und Trickbetrüger

März 9, 2010

Die Fonds wetteten darauf, dass Griechenland seine Kredite nicht begleichen könne, und erschwerten dem Land damit die Refinanzierung. Papandreou verglich die Spekulanten mit Brandstiftern. Der gesunde Menschenverstand gebiete es, dass eine Person nicht eine Feuerversicherung auf das Haus des Nachbarn abschliessen, dieses dann in Brand stecken und dann die Versicherungssumme kassieren könne. Gemeinsam könnten die USA und Europa derartige Aktivitäten eindämmen.[1]

Nun ja. Die Griechen verhalten sich im Gegenzug wie ein Trickbetrüger, der im Weltversandhaus großzügig Waren bestellt und sie anschließend nicht bezahlt, weil er über seine Verhältnisse eingekauft hat. Woher sonst die immense Staatsverschuldung? Hinzu kommt, dass den Griechen bis heute jede Einsicht dafür fehlt, dass die Krise hausgemacht und eben nicht durch die Spekulanten verursacht ist. Das internationale Finanzkapital verhält sich lediglich wie ein Aasgeier. Es töte die sieche Beute nicht, es wartet, bis sie von selber stirbt.

[1] «Spekulanten sind wie Brandstifter» (International, NZZ Online).

Profitmaschine EU

September 23, 2009

Richtig ist, daß der freie Handel im Interesse der deutschen Wirtschaft ist, aber Handel bringt wenig, wenn ich vorher meinem Handelspartner das Geld schenken muß, mit dem er nachher bei mir einkauft.

Quelle: CDU-POLITIK.DE; EU: Deutschlands Nettobeitrag steigt weiter.

Der Satz ist unvollständig. Das Geld, was Deutschland der EU „schenkt“, hat der Staat vorher beim Bürger eingesammelt. Die Gewinne, welche die Wirtschaft daraus macht, dass die so Beschenkten dann bei ihr einkaufen, landen – zum größten Teil – in den Taschen von Aktionären und Managern. Aus deren Sicht ist die EU eine hochprofitable Angelegenheit.

Gerangel um Mindestlohn

September 15, 2009

Die Bundesregierung hat den Weg für Mindestlöhne in Branchen mit geringer Tarifbindung geebnet. An diesem Dienstag konstituiert sich die neue Mindestlohn-Kommission, die über die Einführung gesetzlicher Lohnuntergrenzen entscheiden soll, wenn es in einer Branche „soziale Verwerfungen“ gibt. Der „Hauptausschuss“ wird von dem SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi geleitet.

Quelle: FAZ.NET; Arbeitsmarkt: Mindestlohn-Kommission soll Grenzen finden

Ob der Mindestlohn etwas bringt, kann berechtigt bezweifeln. Aber der hier gewählte Ansatz ist einfach nur Nonsens. Die Mehrzahl der Arbeiter „schuftet“ in kleinen oder mittelständischen Unternehmen, die sowieso keine Tarifbindung haben, weil sie sich die gewerkschaftlichen „Mondtarife“ entweder nicht leisten können oder leisten wollen. Letztere bleiben von diesen Reglungen unberührt, weil sie in Branchen tätig sind, die vom Mindestlohn ausgenommen werden sollen. Außerdem werden die Betriebe, die dann unter diese Reglung fallen, mit Sicherheit Wege finden auszuweichen. Das führt in der Folge zu erhöhten bürokratischen Aufwand und ausufernder Kontrollwut seitens der Behörden. Wenn schon Mindestlohn, dann einheitlich und für alle. Am besten aber gar nicht.

Angemerkt sei noch: Dass die „Kommission“ unter der Leitung von Dohnanyi steht, ist ein sicheres Zeichen, dass die Reglung wohl nicht zustande kommen wird oder zumindest so ausfallen wird, dass sie wirkungslos verpufft.

Bis zur nächsten Pleite

September 15, 2009

Ein Jahr nach der Insolvenz der Ínvestmentbank Lehman Brothers läuft das Geschäft für die Zertifikatebranche fast wie zuvor. Ihr hauptsächlicher Vertriebskanal über die Bankfilialen funktioniert wieder bestens. Ein Jahr nachdem der amerikanische Emittent von Zertifikaten spektakulär zahlungsunfähig wurde, liegt das Marktvolumen in Deutschland mit knapp 90 Milliarden Euro im Juni deutlich über dem Tief von 78 Milliarden Euro im Februar.

Quelle: FAZ.NET; Lehman-Pleite: Aus der Krise nichts gelernt

Solange der Steuerzahler nicht pleite ist, wird munter weiter geschachert.

Beamte blicken nicht mehr durch?!

August 14, 2009

40 Millionen Euro hat die Regierung 2008 für externe Beratung ausgegeben, 14,3 Millionen Euro allein das Finanzministerium. 500 Euro pro Stunde verdient so ein Berater manchmal. Trotzdem ist das gut angelegtes Geld. Denn die Beamten blicken schon lange nicht mehr durch.

Quelle: WELT ONLINE; Finanzkrise: Ohne teure Anwälte regiert es sich schlecht

Manchmal weiß man nicht, ob man noch lachen oder schon heulen soll. Warum, um alles in der Welt, sollten Beamte nicht können, was „Berater“ von sich behaupten? Scheißen die „Berater“ neuerdings Törtchen?

Deutschland in der Spitzengruppe

Mai 13, 2009

Beschäftigte in Deutschland mit durchschnittlichem Gehalt zahlen höhere Steuern und Abgaben als Arbeitnehmer in den meisten anderen Industriestaaten. Zudem belastet das hiesige Steuersystem Paare, bei denen beide berufstätig sind. Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Demnach blieben vom Einkommen eines Geringverdieners in Deutschland im vergangenen Jahr nach Steuern und Abgaben gerade einmal 52,7 Prozent übrig. Nur in Belgien ist der Wert geringer. Einem Single mit Durchschnittseinkommen bleiben sogar nur 48 Prozent. Nur in Belgien und Ungarn ist hier die Belastung höher.

Quelle: WELT ONLINE; Abgabenlast: So benachteiligt Deutschland berufstätige Paare

Man ahnt, wie unsere Politiker auf diese Studie reagieren: Nein, die Familien zahlen nicht zu viel Steuern sondern die anderen zu wenig.