Posts Tagged ‘Allmacht’

Der Zufall ist das Gesetz

September 2, 2010

In New York hat ein 22-jähriger junger Mann einen Sturz aus dem 39. Stockwerk überlebt – Bei dem Selbstmordversuch landete er in einem Auto – Der Besitzer des Autos glaubt, dass die Rosenkränze in dem Auto den Mann das Leben gerettet haben. [1]

Ob mit oder ohne Rosenkranz. Das Ereignis ist, sollte es sich so zugetragen haben, allein aufgrund der äußerst geringen statistischen Wahrscheinlichkeit, ein reinrassiges Wunder. Und es gibt solche Wunder überall auf der Welt, ohne das katholische Utensilien irgendeine eine Rolle spielen.

Wunder sind Ausdruck, ja Beweis von Gottes Allmacht, seiner absolutistischen Willkür, seines Triumphes über die Laplaceschen Dämonen, über den Schicksalsglauben, den Determinismus und dumpfen Atheismus.

Wer an Gott glaubt – oder auch profaner, an bestimmte Ansätze des neueren mathematisch-physikalischen Denkens-, der glaubt an kein Schicksal, an kein Gesetz, sondern nur daran, dass jederzeit alles und jedes möglich ist. Es gibt kein Naturgesetz, allenfalls statistische Wahrscheinlichkeiten mit denen bestimmte Ereignisse eintreten – oder auch nicht, wie das New Yorker Beispiel wieder einmal schlagend zeigt: Der Zufall, die Willkür, die Allmacht ist das Gesetz.

[1] KATH.NET – Rosenkranz-Wunder‘ in New York?.

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Anbetung der Willkür

Oktober 10, 2008

Die Erbauung, welche der römischste aller Römer, Alipius, in der Betrachtung eines animierten Gif findet, hat mich zu diesem Eintrag inspiriert: Blue Ball Machine. Danke für die Idee.

Nun, dem Laplacescher Dämon, so schrieb ich in einem Kommentar dazu, ist schon manche verirrte Seele verfallen, denn seine Botschaft ist in der Tat verführerisch: Es gibt kein Glück. Alles ist vorherbestimmt. Erklärbar. Hat eine Ursache. Ist Schicksal. Er verlockt uns zur fatalistischen Weltsicht, fernab jedweder Anstrengung. Denn wozu „sich waffnend gegen eine See von Plagen durch Widerstand sie enden“, wenn unsere „Gene“ unser Schicksal sind?

Ich glaube an den Zufall, in dem sich die Allmacht Gottes manifestiert, an die Willkür seines göttlichen Willens. Es gibt kein Gesetz, keine Kausalität, kein zwangsläufiges Eintreten eins Ereignisses, sondern nur eine Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Ursache eine bestimmte Wirkung auslöst. Wenn wir uns wundern, dann ist etwas eingetreten, was wir nicht erwartet haben, was abweicht von der Regel, die Normalität durchbricht. Wir haben Glück oder Pech. Der Gläubige baut auf Gott. Der Quantenphysiker auf die Wahrscheinlichkeit. Der Mathematiker benutzt die Gaußsche Normalverteilung oder beruft sich auf den Unvollständigkeitssatz. Es ist die Unmöglichkeit der Vorhersage dessen, was uns morgen begegnet. Der blinde Zufall oder die blanke Willkür. Je nachdem, an was man glaubt. Nur der Dämon hat damit nichts zu tun. Er ist der Wiedergänger der Nornen und Meuren. Ein moderner Aberglauben.