Posts Tagged ‘Gott’

Kein Atheismus ohne Gott

Dezember 20, 2010

Nichtgläubige werben in den USA verstärkt über das Internet. Mit Erfolg: 15 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als „nicht religiös“.

Äh! Die WELT schreibt wieder mal schlecht recherchierten Unsinn.

Der Atheismus in sowenig Erfolgsgeschichte, sowenig er neuzeitlich ist. Er hat einen langen Bart, denn er ist ein paar Tausend Jahre älter als das, gegen ihn, geistesgeschichtlich supermoderne Christentum. Belegbar ist er Indien und einigen anderen asiatischen Hochkulturen, weit vor Christ Geburt und diversen abrahamitischen Abirrungen.

Es gab immer Atheisten und es wird sie immer geben, aber sie sind nicht auf dem Vormarsch. Die Glaubenslosen sind gar, aufgrund demografischer Fehlentwicklungen, eine schrumpfende, wie belächelbare Minderheit im Meer des menschlichen Glaubens.

Gerade mal ein bis 10 Prozent, je nach Institut und ideologischer Ausrichtung, der Menschheit, bezeichnet sich als atheistisch, wobei darunter schon jede Menge Agnostiker sein dürften. Der Anteil der Atheisten an der Weltbevölkerung sinkt drastisch. Die Fertilität von ungläubigen Pessimisten war zu keiner Zeit besonders hoch.

Atheismus ist schlicht sinnlos und seine höchste Geistigkeit, zu der er im imstande ist, ist Nihilismus. Also nichts, womit man sich geistesgeschichtlich aufhalten muss. Diese Grenze kann die Gottlosigkeit nicht überschreiten. Er ist geistig so fruchtlos, wie er bedeutungslos ist. Sein Gegenstand ist, welche Ironie, Gott, gerade weil er ihn leugnen muss. Atheisten denken vermutlich mehr über Gott nach, als manche Christen. Er gibt keinen Atheismus ohne Gott.

Nicht der Atheismus ist die Gefahr, sondern religiöse Irrlehren.

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[1] Religion: US-Atheisten kämpfen gegen „Mythos Weihnachten“;  WELT ONLINE.

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Vorsehung oder Schicksal?

Dezember 15, 2010

Kanzlerin Angela Merkel hat sich in ihrer Regierungserklärung mit Pathos zum Euro bekannt und ihn als schicksalhafte Notwendigkeit beschrieben.[1]

Der Führer glaubte an die Vorsehung, Merkel an das Schicksal. Kann in Deutschland nicht endlich ein Politiker regieren, der nicht an sich oder diverse höhere Mächte, sondern einfach nur an Gott glaubt?

Die merkelsche Variation zur Alternativlosigkeit heißt Schicksal. Wenn die Weiber nicht mehr weiterwissen, flüchten sie ins Esoterische.

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[1] Regierungserklärung: Merkel beschwört das Euro-Schicksal; FOCUS Online.

Ein feste Burg ist unser Gott

September 24, 2010

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

Am 19. September war Familientreffen. Diesmal in einem Ort in Sachsen. Deshalb, weil einige unsere Verwandten ihre Wurzeln hier verorten und im Zuge der „Bodenreform“ von hier vertrieben wurden. Auch deshalb tragisch, weil ein Teil der von den Kommunisten Vertriebenen vorher schon aus Ostpreußen und dem Sudetenland flüchten mussten und diese gehofft hatten, in Sachsen eine sichere Zuflucht zu finden.

Wie dem auch sei, zum Abschluss des Treffens besuchten wir traditionell die Kirche zu einem Gottesdienst und es stellte sich heraus, dass sich der Nachwuchs gehörig mausert: Ein Luxemburger Spross enterte spontan die Kirchenorgel und stimmte – freilich evangelische – Psalmen an. Die Familie erhob sich, wer konnte, sang mit. Ich natürlich nicht. Gefreut hat es mich trotzdem. Endlich einen Musikus in unserer Gens.

(Und WordPress werde ich, ob seiner scheiß neumodischen Spielereien, irgendwann in die Tonne treten. Hatte grad einen Wutanfall. Ich bin mir sicher, ich hatte auf speichern, nicht auf publizieren geklickt, als heute morgen das Telefon klingelte.)

Der Zufall ist das Gesetz

September 2, 2010

In New York hat ein 22-jähriger junger Mann einen Sturz aus dem 39. Stockwerk überlebt – Bei dem Selbstmordversuch landete er in einem Auto – Der Besitzer des Autos glaubt, dass die Rosenkränze in dem Auto den Mann das Leben gerettet haben. [1]

Ob mit oder ohne Rosenkranz. Das Ereignis ist, sollte es sich so zugetragen haben, allein aufgrund der äußerst geringen statistischen Wahrscheinlichkeit, ein reinrassiges Wunder. Und es gibt solche Wunder überall auf der Welt, ohne das katholische Utensilien irgendeine eine Rolle spielen.

Wunder sind Ausdruck, ja Beweis von Gottes Allmacht, seiner absolutistischen Willkür, seines Triumphes über die Laplaceschen Dämonen, über den Schicksalsglauben, den Determinismus und dumpfen Atheismus.

Wer an Gott glaubt – oder auch profaner, an bestimmte Ansätze des neueren mathematisch-physikalischen Denkens-, der glaubt an kein Schicksal, an kein Gesetz, sondern nur daran, dass jederzeit alles und jedes möglich ist. Es gibt kein Naturgesetz, allenfalls statistische Wahrscheinlichkeiten mit denen bestimmte Ereignisse eintreten – oder auch nicht, wie das New Yorker Beispiel wieder einmal schlagend zeigt: Der Zufall, die Willkür, die Allmacht ist das Gesetz.

[1] KATH.NET – Rosenkranz-Wunder‘ in New York?.

Gott oder Mammon?

Mai 19, 2010

Der natürliche Mensch hat von je den Reichtum angebetet, der wilde nicht mehr als der zivilisierte; diese Religion wurzelt in dem Wesen unseres Geschlechts und sie weicht nicht vor der Aufklärung des Kopfes. Sie ist die Barbarei des Herzens, sie ist das Heidentum der Sitte, und deshalb helfen auch gute Lehren wenig gegen sie. Man bemerke, daß das Christentum kaum etwas anderes mit größerem Nachdrucke predigt als Verachtung irdischer Schätze, als die Unversöhnlichkeit zwischen Gott und Mammon; man bedenke, daß das Evangelium die irdische Armut mit dem erhabensten Beispiele verklärt hat, und man beachte, wie unmerklich wenig Einfluß Lehre und Beispiele im Laufe von achtzehn Jahrhunderten auf das praktische Leben ausgeübt haben. Die freiwillige Armut wird in christlichen Landen als ein Beweis übermenschlicher Heiligkeit verehrt, aber das härene Gewand der Kanonisierten beweist eben nicht mehr als der Mantel des Epaminondas: die Ausnahme! In protestantischen Ländern wäre es noch die Frage, ob ein freiwillig Armer nicht mehr Aussicht hätte, unter Kuratel gestellt als heilig gesprochen zu werden. [1]

Mit der Aufklärung des Kopfes ist nicht „die Aufklärung“ sondern ihr vermeintliches Gegenteil die christliche, halt! nein!, die katholische Theologie gemeint. Schaut her: Wir klären auf, über die dunklen Seiten der Seele, über die Folgen von Habgier, Geiz und Gier, von Maßlosigkeit und Völlerei, in deren betörenden Gefolge die apokalyptischen Reiter galoppieren.

Wobei die Renaissance nicht zum antiken Begriff vom Reichtum, der, wie die Gottgleichheit, nur wenigen Auserwählten zustand, zurückkonnte; sie musste vielmehr das christliche Gebot der Gleichheit aller vor Gott, im Sinne einer Hegelschen Triade, bejahend negieren. Daraus entstand der Inbegriff, ja die ultimative Definition des Humanismus an sich: der Wohlstand für alle. Der, wie in den Offenbahrungen vorhergesagt, sogleich als „Wohlfahrtsausschuss“ blutige Urständ feierte, indem er die aufklärerische Vernunft – siehe oben – massenweise guillotinierte. Man kann nur einem Herren dienen, Gott oder Mammon.

Ein Grund übrigens, warum der – katholische – Glaube mit der Neuzeit unversöhnlich und die Ökumene – siehe Käßmann und Kirchentag – eine fromme Illusion ist. Katholiken beten zu Gott, die Reformierten lobpreisen den Mammon. Wie beten eben doch nicht alle zum gleichen Gott.
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[1]Otto Gildemeister; Vom Reichtum; Essays – Band 1; J. G. Cotta’sche Buchhandlung, 1903

Glauben unerwünscht

Januar 7, 2010

Mit einem Skandal startet die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ins neue Jahr. In einer Pressemitteilung forderte Oberkirchenrat Christhard Wagner für die EKM von Helmut Matthies die Rückgabe des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises.

Der Chefredakteur des evangelischen Wochenmagazins Idea-Spektrum hatte den Preis im Dezember für seine Verdienste um eine christlich-konservative Publizistik entgegengenommen. Die Idea-Redaktion balanciere wegen der Verbindung zur JF, so Wagner, mit der Entgegennahme dieses Preises „auf dem Grat zum rechtsextremen Milieu“.[1]

„Lasst alle Hoffnung fahren.“ In Bezug auf Evangelische Kirche ist Dantes Satz längst Paradigma. Zumindest für Konservative. In Käßmanns Reden beispielsweise kommt Gott gar nicht mehr vor. Wer es nicht glaubt, der kann, wie ich, eine Strichliste führen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Evangelischen schämen sich für ihren Glauben an Gott. Anders ist das nicht mehr zu erklären.

Glauben unerwünscht: Jüngst erst bin ich einem begegnet der mir, angesprochen auf merkwürdige theologische Aussagen, tatsächlich erklärte er wäre ein „säkularisierter Christ“. Ein „Christ“ ohne Glauben also, der die Kirche höchstens noch als Gesangsverein oder politischen Erfüllungsgehilfen der Staatsmacht begreift. Abwinken. Jeder Gedanke verschwendet. Jedes Wort zu viel.

[1] JUNGE FREIHEIT; Kampagne gegen Konservative.

Wissenschaftlicher Atheismus – ein Oxymoron

November 2, 2009

„Die Kirche wird das Osterhalleluja noch singen, wenn der wissenschaftliche Atheismus vielleicht nur noch in den Geschichtsbüchern als Relikt menschlicher Verirrung vermerkt wird“, sagte Kardinal Meisner.

Quelle: KATH.NET – Katholischer Nachrichtendienst

Der „wissenschaftliche Atheismus“ ist ein wissenschaftstheoretisches Oxymoron, weil er unbeweisbar ist. Es gibt keine einzige wissenschaftliche Theorie, die ohne grundlegende – meist stillschweigende – Annahmen auskommt, die sich allein auf den „gesunden Menschenverstand“ stützen. Diese Annahmen sind innerhalb der Theorie, in der sie als Randbedingungen fungieren, unbeweisbar, weil eine Theorie, welche die Richtigkeit ihrer eigenen Voraussetzung prüfen will, nichts anderes wäre, als ein logischer Zirkelschluss.

Um ein gottloses Universum zu beweisen, bräuchte man eine „Metatheorie“, in der die Existenz eines Schöpfergottes nicht ausgeschlossen werden kann. Nur innerhalb einer solchen Theorie wäre durch Deduktion oder Induktion zu beweisen, ob es einen Gott gibt oder nicht. Eine solche Metatheorie wäre allerdings schon deshalb widersprüchlich, weil sich beide Annahmen – Gott oder nicht Gott – nach dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten – in diesem Fall die Metatheorie – nicht vereinen lassen.

Mit anderen Worten: Entweder wäre eine solche „Metatheorie“ vollständig, dann wäre sie widersprüchlich oder sie ist widerspruchsfrei, dann ist sie nicht vollständig.

Diese Überlegungen sind weder ein Beweis für oder gegen Gott, sondern zeigen das logische Dilemma beider Annahmen. Beide sind unbeweisbar. Genau aus diesem Grunde spielt der Glaube in jeder Hochreligion eine zentrale Rolle.

Hinzufügen will ich noch, dass der Atheismus als geistige Strömung vermutlich um einige tausend Jahre älter ist als das moderne Christentum. Dass er sich nie durchgesetzt hat, liegt wohl hauptsächlich daran, dass jeder Atheismus mit dem „Sinnlosigkeitsverdacht“ des Daseins schwanger geht und tendenziell zum Nihilismus neigt, um den sich prinzipiell nur Gesellschaften bilden können, die sich irgendwann im Suff und im Drogenrausch auflösen.

Religiöser Pluralismus

Juni 11, 2009

Die westliche Welt könne vom Hinduismus unter anderem „die positive Annahme eines religiösen Pluralismus“ lernen und außerdem „die Entdeckung der weiblichen Dimension des Göttlichen, allerdings nicht im Sinne eines westlichen Feminismus“.

Quelle: Nachrichtenübersicht der Bischöflichen Pressestelle; Hinduistisch-christlicher Dialog ist im Bereich der Spiritualität am fruchtbarsten

„Religiöser Pluralismus“ herrscht in der Christenheit seit der Reformation. Ob das eine Segnung ist, sei dahingestellt. Allerdings vermisse ich bei dem Thema einen Bezug auf die aktuelle Verfolgung indischer Christen und was wir daraus über „die positive Annahme eines religiösen Pluralismus“ durch den Hinduismus zu lernen vermögen.

Gott ist männlich, aber auch er hatte eine Mutter, die ihn als Mensch geboren hat. Für mich ist dies genügend „weibliche Dimension“ in der christlichen Religion.

Dreifaltige Einfältigkeit

Mai 8, 2009

Tom Hanks bei Bild:

„Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich glaube an Gott. Wir gehen in die Kirche. Meine Kinder sind getauft. Aber ich kenne mich nicht mit dem Kondomverbot aus – weil ich seit 21 Jahren glücklich verheiratet bin!“

Quelle: Bild.de; Tom Hanks: Interview mit dem Star aus dem Vatikan-Thriller „Illuminati“

Gott und Kondome in einen Atemzug zu erwähnen zeigt, wie tief ein einmal verbreiteter Mythos sitzt. Selbst bei intelligenten Menschen wie Hanks. Gott, Papst, Kondom. Das ist dreifaltige Einfältigkeit der Moderne.

Zweifelnde Atheisten

Oktober 30, 2008

Je mehr Leute wie Dawkins uns mit ihrem „Gotteswahn“ traktieren und je militanter Atheisten auftreten, um den Glauben und Gläubige zu bekämpfen, desto mehr rückt das Thema Gott und Glaube in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussion, desto mehr Menschen beschäftigen sich mit religiösen Fragen. Insofern sind Leute wie Dawkins, die Brights und wie sie sich sonst noch alle nennen, sogar hilfreich bei der Mission und insbesondere dann, wenn sie mit merkwürdigen Parolen hausieren gehen:

Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Jetzt hören Sie auf, sich Sorgen zu machen, und genießen Sie Ihr Leben“, steht seit neusten auf Londons Bussen zu lesen.

Wahrscheinlich? Die Atheisten beginnen zu zweifeln! Das ist doch eine wirklich frohe Botschaft.

Quelle: Zeit; Gott ist tot. Oder nicht?