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Nicht verraten, aber verkauft

Oktober 31, 2008

Wer Familienpolitik sagt, meint Geld. Transferleistungen, die es den Familien leichter machen sollen. Nur, warum haben die es eigentlich so schwer?

Rückblende. Januar 1945. Meine Großmutter hochschwanger. Auf der Flucht vor den Russen gebiert sie ihr erstes Kind. Mitten hinein in die deutschen Trümmerwüsten. Haus und Hof verloren, wird auch der kleine Restbesitz in der SBZ enteignet. Wieder Flucht bei Nacht und Nebel. Wieder Hochschwanger. Jetzt haben sie nichts mehr, nur die Kleider auf ihren Leibern. Wieder Neuanfang. Unter Tränen. Und noch ein Kind. Gewollt und geliebt. Da war noch kein Staat gegründet und nirgendwo Sicherheit. Hungerjahre und drei Kinder durchgefüttert. So wurden sie große und kräftige Burschen. Aus dem Nichts.

Gegenwart, Familienpolitik: Kindergeld! Erziehungsgeld! Muttergeld! Vatergeld! Nochmehrgeld! Je mehr man hineinsteckt, desto schlimmer scheint es zu werden. Noch weniger Kinder. Noch mehr Hilfen? Vergeblich! Er wird immer zu wenig sein. Weil Geld das Problem nicht löst, sondern das Problem ist. Das ist das Gift, was Familien zersetzt. Ihre Substanz aushöhlt. Sie nutzlos macht.

Vielleicht wird man, wenn über Hollywood die Geier kreisen, wieder einmal begreifen, welchen Sinn Familie, jenseits verkitschter Ideale, eigentlich wirklich hat. Und was sie zu leisten im Stande ist, wenn man ihr nicht hilft, sondern sie lässt. Sie hat alle Zeiten, Staaten und Krisen überlebt. Nur den Wohlstand nicht. Der lässt sie verächtlich links liegen. Er braucht sie nicht mehr.

Familie ist der kleinste Sozialstaat der Welt und ihr Netz ist, wenn einer fällt, mindest so fest, wie das einer Seidenspinne. Verraten, Herr Liminski aus Bonn, wurden die Familien nicht, aber verkauft. An die Börse. Um des Wohlstands willen.

Inspiriert durch: idea; Wie die Familie „verraten“ wird