Posts Tagged ‘Konterrevolution’

Schwarz lackierte Jakobiner

April 16, 2010

Kuehnelt-Leddihn plagt, in seiner Schrift „Katholischer Glaube – links oder rechts?“[1] der dringende Verdacht, dass alle nichtkatholischen oder nichtgläubigen Rechten nur deshalb „rechts“ sind, weil sie in „natürlicher“ Opposition zu den abstrusen Ideen des linksliberalen Mainstreams stehen. Indirekt weist Kuehnelt-Leddihn damit dem rechtgläubigen Katholiken – ja, es gibt auch andere – den Platz als „einzig wahre Rechte“ zu. Es macht in der Tat einen Unterschied, ob man sich der Konterrevolution – gegen die „Ideale“ der Französischen Revolution – verschrieben hat oder einen Teil dieser Ideale, wie Demokratie oder Gleichheit, assimiliert: Eine „demokratische Rechte“ steht auf dem Boden der Revolution, sie ist nicht rechts, sondern sitzt – in Parlamenten – eben nur dort. Dass es zwischen diesen Fraktionen blutige Machtkämpfe ausbrechen, liegt in der Natur des politischen Systems: Es geht den agierenden Parteien, wie Davila schon bemerkte, nur um einen Anteil an der Macht und nicht um deren Beseitigung.

Unter diesen Aspekt ist auch die unübliche Einordnung Kuehnelt-Leddihns, der den Nationalsozialismus als originär linksradikale Kraft versteht [2], verständlich: Schließlich waren beide Elemente – Nationalismus und Sozialismus – Resulten der sogenannten „Aufklärung“ und der ihr nachfolgenden blutigen Revolutionsexzesse die seit 1789 periodisch die Welt erschüttern und deren Schockwellen regelmäßig Millionen Opfer verschlingen.

Entweder man betet die Revolution und ihre Ideale an, dann ist man ein Linker, oder man ist ein „Rechter“ oder „Weißer“, weil man solche niederhauen will: „Konservative Revolutionäre“ sind aus dieser Sicht nur schwarz lackierte Jakobiner. Selbst dann, wenn es mit Jenen inhaltliche Mengen gibt, die sich mit konterrevolutionären Ansichten decken.
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[1] Kuehnelt-Leddihn; Katholischer Glaube – links oder rechts?; Critión 14, 1972
[2] Kuehnelt-Leddihn; Der linke Etikettenschwindel – Kein Gegensatz, sondern Konkurrenzkampf

Revolution und Konterrevolution

Oktober 10, 2009

Sie ist seit November 1961 nach dem Begründer des Wissenschaftlichen Sozialismus benannt und weltbekannt: die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain und Mitte. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus fordert jetzt jedoch eine Umbenennung in „Straße der friedlichen Revolution“.

Quelle: Berliner KurierNeuer Name für Karl-Marx-Allee

Nun ja. Ich mahne hier mal die „marxistische Dialektik „an. Ohne „die friedliche Revolution“ in 1989 gäbe es heute keine zweistelligen Zuwächse für eine Partei, die sich ziemlich unverhohlen zur Tradition und zum Erbe der SED bekennt.

Die „friedliche Revolution“ hat möglich gemacht, was den Nazis nach 1945 verwehrt blieb: Da weiterzumachen, wo die Genossen 1989 kurzzeitig aufhören mussten. Revolutionen haben normalerweise das Ziel derartige konterrevolutionären Entwicklungen zu verhindern. Daher waren die erfolgreichsten Umstürze auch die blutigsten.

Aber die Deutschen sind keine Revolutionäre und statt „Straße der friedlichen Revolution“ sollte man die „Marx-Allee“ konsequenterweise „Straße der verpassten Revolutionen“ nennen.