Posts Tagged ‘Kunst’

Das Bild meines Lebens

Februar 13, 2011

Ich bin der Erzengel, da links oben, das ist meine Frau. Mit meiner Tochter. Die Söhne sind irgendwo im Gewimmel. Sie werden auftauchen, mit blutverschmierten, wie bübischen Lächeln nach der Schlacht.

Ich hab das Bild in frühster Jugend gesehen und verinnerlicht. Es ist das Bild meines Lebens. Obwohl ich Tintoretto überhaupt nicht mag.

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Ein alter Hut

März 26, 2010

Wahre Schönheit kommt von innen. Das dachte sich wohl auch Nick Veasey und machte sich diesen Spruch kurzerhand zur Leitlinie seines beruflichen Schaffens. „Fast nichts ist für mich schöner, als die innere Schönheit eines Objekts freizulegen. Das Unsichtbare wird sichtbar, das Innenleben wird erkennbar“, sagt Veasey. Doch als der Fotograf zur Kamera griff, standen ihm nicht etwa hübsche und weniger hübsche Frauen Model. Vielmehr will der gebürtige Londoner den Gegenständen des Alltags auf den Grund gehen. Dafür hat er einen sehr technischen, aber überaus beeindruckenden Weg gefunden: Denn Veasey fotografiert mit einem Röntgenapparat. Nun liegt sein neuester Bildband „X-Ray. Die Schönheit des Verborgenen“ im Rolf Heyne-Verlag auf Deutsch vor.[1]

Ein ziemlich alter Hut. Ich meine mich zu erinnern, dass irgendein durchgeknallter Fotograf ein Liebesakt per Röntgenstrahl auf die Platte bannte: Das Ergebnis war ziemlich morbide. Wer möchte schon zwei menschliche Gerippe beim Sex in Missionserstellung sehen?

Allenfalls sind die Bilder ein neuer Beweis für die intellektuelle Impotenz moderner Kunst: Sie lebt schon seit geraumer Zeit fast ausschließlich der Ausbeutung der Vergangenheit. Für solche Bilder können sich nur Menschen begeistern, die sich nicht wirklich dafür interessieren, wann die Röntgenstrahlung tatsächlich entdeckt wurde: am 8. November 1895. Seitdem sind die X-Strahlen Thema in allen Kunstgattungen. Also ein wirklich alter Hut.

Ironisch sei angemerkt: Einer der ersten „Anwendungen“ waren Versuche, Neger durch Bestrahlung zu „Weißen“ zu machen. Es war damals der Neger eigener Wunsch, so wie heute Weiße in Bräunungsstudios strömen, um sich Hautkrebs zu holen. „Schönheit“ hat seinen Preis.

[1] Ein Fotograf röntgt die Welt: X-Ray: Die Schönheit des Verborgenen – Hintergründe – Gesellschaft – FAZ.NET.

Mathematische Traumwelten

Juni 2, 2009

„Wenn Sie einen Job in Hollywood wollen, studieren Sie Mathematik.“ Dieser Satz stammt von dem Mathematikprofessor Tony Chan an der University of California in Los Angeles, der Stadt, in der Hollywood liegt. In der Tat spielt Mathematik heute eine enorme, aber dennoch fast unsichtbare Rolle bei der Herstellung von Filmen. Und zwar nicht nur von comic-artigen Filmen wie „Toys“, sondern auch von Spielfilmen wie „Titanic“ oder „Herr der Ringe“.

Quelle: Leipziger Internet Zeitung; „Wenn Sie einen Job in Hollywood wollen, studieren Sie Mathematik.“

Schon Oswald Spengler behauptete, dass die Mathematik keine Wissenschaft sei, sondern abstrakter Ausdruck einer Kultur. Die Kunst jeder Zivilisation nehme intuitiv vorweg, was die Mathematik nur nachvollziehe.

„Demgegenüber ließen die magische und die faustische Seele ihre steinernen Traumgebilde als Oberwölbungen bedeutungsvoller Innenräume emporsteigen, deren Struktur den Geist zweier Mathematiken, der Algebra und der Analysis, vorwegnimmt.“
Quelle: Oswald Spengler; Untergang des Abendlandes; Gestalt und Wirklichkeit; Makrokosmos

Die behauptete Symbiose zwischen Kunst und Mathematik wird evident in Hollywood. Die Macht des verborgen Abstrakten wächst mit jedem neuem Spezialeffekt und längst dominieren nicht mehr die wissenschaftlichen Bedürfnisse sondern hedonistische Begierden die Weiterentwicklung der Rechenkunst. Mathematik degradiert zur Magd der oberflächlichen Zerstreuung einer nihilistischen Masse, die sogar ihren Zukunftsglauben für ein wenig mehr Spaß aus Flimmerkiste opfert. Selbst die Physik und die Biologie geraten in den Sog des populären Unterhaltungsstrudels und müssen den Anspruch der Naturbeschreibung zugunsten unterhaltsamer oder politischer Pointen opfern. Die Klimatologie mit ihren mathematischen Modelle hat mehr mit Politik und Popkultur zu tun, denn mit empirisch-exakter Wissenschaft.