Posts Tagged ‘Liberalismus’

Politik und Glaube

September 7, 2009

So trugen die rund 30 Priester der Gemeinschaft traditionelle schwarz-weiße Gewänder, einige von ihnen hatten einen Rosenkranz in den Händen. In Gebeten sprach Reinartz davon, «die christliche Kultur gegen die neuzeitlichen Totengräber wie Liberalismus, Feminismus und Materialismus zu verteidigen».

Quelle: euronews; Pius-Brüder sehen sich im Aufwind

Gegen Liberalismus, Feminismus und Materialismus bin ich auch. Allerdings hat dies nichts mit Gott zu tun und der Glaube sollte nicht mit politischen Ansichten vermengt werden. Politik, egal in welche Fahnen man sich kleidet, erlöst niemanden aus den Zumutungen des irdischen Jammertals. Die Pius-Brüder sollten sich auf den Glauben konzertieren; Politik und Politiker hochkant aus der Kirche werfen. Wer den rechten Glauben huldigt, wird nach der Andacht auch ohne solche grobschlächtigen Winke mit der Zaunlatte gottgefällige Schlüsse ziehen.

Liberales Gesäusel

Juni 18, 2009

Es mag uns postmodernen Liberalen, die sich selbst gern für ihre Toleranz gegenüber allen möglichen Lebensformen rühmen, nicht gefallen: Aber was Ramadan hier expliziert, entspricht exakt dem liberalen Programm. Unsere freiheitliche Grundordnung verlangt von allen BürgerInnen, die Lebensweise anderer hinzunehmen und im passiven Sinne zu tolerieren, solange sie Dritten nicht schadet; wir sind allerdings nicht verpflichtet, sie gutzuheißen.

Derselbe Grundsatz, der noch dem konservativsten Muslim auferlegt, sich Homosexuellen gegenüber fair zu verhalten, verlangt von uns Judith-Butler- oder Adrienne-Rich-geprägten Feministinnen, auch demjenigen Muslim fair zu begegnen, dem sich beim Gedanken an Sex unter Frauen oder unter Männern der Magen umdreht.

Nicht nur dem Muslim, übrigens. Es gibt genug nicht gläubige Deutsche, deren Sexualmoral hinsichtlich Schwuler und Lesben in den Fünfzigerjahren stehen geblieben ist; wir müssen damit leben, dass die katholische

Quelle: taz.de; Kolumne von Hilal Sezgin: Gläubig ohne Verrenkungen

Das liberale Gesäusel von der Anerkennung anderer Lebensweisen, die man freilich nicht billigen müsse, ist reine Augenauswischerei. Wer Homosexualität nicht billigt, wird längst stigmatisiert, ausgegrenzt, in einigen fällen sogar schon gerichtlich verfolgt[1][2]. Im Grunde zielt dies darauf ab, jede homophobe Äußerung unter den Vorwand der Verbreitung von Hass zu unterdrücken. Erneut soll schon eine Meinung und nicht mehr die Tat zum Straftatbestand erhoben werden.

Warum sollte ausgerechnet Homophilie angeboren und untherapierbar sein, Homophobie hingegen nicht? Hat der Homophobe kein Recht auf „Outing“, kein Recht sich öffentlich zu seinen Gefühlen oder Neigungen zu bekennen? Sie öffentlich auszuleben, nach den Motto Wowereits: Ich bin Homophob und das ist gut so.

Der brasilianische Präsident Lulu hat, glaubt man den Quellen, die Argumentation mit der man früher die Schwulen verfolgte, flugs auf am Kopf gestellt: Homophobie bezeichnete Lula als „widernatürlichste Krankheit, die den menschlichen Kopf befallen hat“ [3] und rückte sie damit in die Nähe einer Geisteskrankheit. Lulu ist zu klug, um nicht zu wissen, was er damit in Gang setzt. Die Kriminalisierung und Verfolgung der Homophoben, denjenigen also, denen sich beim Gedanken an Sex unter Frauen oder unter Männern der Magen umdreht und für die schon die Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe den Tatbestand sexueller Belästigung erfüllt.

Den empörten Aufschrei unserer liberalen Toleranzen habe ich vermisst und vermisse ihm immer noch. Wer Toleranz fordert, so lernen wir erneut, ist noch lange nicht bereit sie auch zu üben. Der scheut nicht davor zurück, die geforderte Duldsamkeit einer Lebensweise mit Gewalt durchzusetzen. Man ist so liberal.

[1] Queer.de; England verbietet Homophobie im Stadion
[2] Queer.de; Homophobie: Fußballfans bestraft
[3] Queer.de; Lula: Homophobie ist widernatürliche Krankheit

Mainstream-Konservatismus

April 20, 2009

Beim Lesen von Kubitscheks „Wozu Chemnitz?“ stolperte ich über folgende Formulierung:

„Von Mannheim nach Chemnitz, denn der Gast stellte die Frage, wozu wir uns dies antäten: Von vornherein sei doch klar gewesen, daß wir die Übermalung des Bildes hätten nicht aufhalten können. Und sicher gefalle nicht jedem unserer Leser und Freunde die Vorstellung, daß man sich als Konservativer in Handschellen abführen lasse, also nicht für, sondern gegen die Staatsmacht und ihre Ordnung stehe.“
Quelle: Sezession im Netz; Wozu Chemnitz?

Was nur ist falsch an der Vorstellung, dass ein Konservativer nicht gegen die Staatsmacht agieren könne? Vielleicht gibt ein Satz, den ich heute in einem anderen Zusammenhang gelesen habe, eine Antwort:

Das Verschwinden der radikalen Linken ist ein Anzeichen dafür, daß sie im Grunde diejenigen ihrer Ziele, die erreichbar waren, erreicht hat. Was niemand zugibt, ist die Tatsache, daß das, was wir rund um uns sehen, der Sieg der Revolution ist.
Quelle: Counterdjiad; Die Tyrannei des Liberalismus

Denn wenn die Linke ihre Ziele weitgehend erreicht ist, dann sind ihre natürliche Antipoden, die Konservativen und die Reaktionäre, in der Opposition und folglich im logischen Widerspruch zur Staatsmacht. Hingegen:

Einfacher Mainstream-Konservatismus ist die Sichtweise vernünftiger Menschen, die dem Etablierten anhängen, aber willens sind, neuen Entwicklungen entgegenzukommen. Er hat viel gemeinsam mit Liberalismus und wäre gut geeignet, diesen zu mäßigen, wenn irgendetwas dazu in der Lage ist. Beide sind diesseitige Ansichten, die Absolutem mißtrauen und Vernunft und Erfahrung wertschätzen. Der grundlegende Unterschied ist, daß der einfache Konservatismus überkommene Gewohnheiten und Erwartungen als Anleitung hinnimmt, was vernünftig ist, während der Liberalismus zu etwas Abstrakterem neigt. Aus diesem Unterschied ergeben sich weitere. Der Konservatismus nimmt gesellschaftliche Gewohnheiten hin, die nichtliberale Auffassungen weitertragen; wenn dogmatische Religion und autoritäre Elemente familiären Lebens gesellschaftlich akzeptiert werden, neigt er dazu, sie zu unterstützen. Wie dem auch sei, als bloßer Konservatismus ist ihm die Wahrheit gleichgültig, und er behandelt die Religion und die moralische Tradition als verhandelbare Interessen.
Quelle: Counterdjiad; Die Tyrannei des Liberalismus

Die Tyrannei des Liberalismus

April 20, 2009

Ein interessantes Essay von James Kalb über die „Tyrannei des Liberalismus“ findet sich auf dem Blog Counterdjihad. Hier einige kurze Auszüge:

Wahre Opposition kommt nicht von der Linken, sondern von reaktionären und restaurativen Gruppen, die sich selbst von der ehrenwerten Politik ausschließen, indem sie den Liberalismus und die Linke zurückweisen. Die heutigen Dissidenten sind partikularistisch — traditionalistisch, fundamentalistisch, populistisch oder nationalistisch. Darüberhinaus sind sie antisäkularistisch und antihedonistisch. Sie weisen ein System von Politik zurück, das die gesellschaftliche Ordnung auf menschlichen Willen gründet, weil sie die dahinterliegende Ansicht ablehnen, die Menschen brächten Moral für ihre eigenen Zwecke hervor.

Die gegenwärtige Lage resultiert zum Teil aus der enormen Macht, die die Massenmedien in die Hände einer kleinen Elite geben, die die Welt mit den Meinungen ausgesuchter Experten überfluten und das kritische Denken in einem Sumpf aus Trivialitäten und Zitat-Häppchen versinken lassen können. Diese Macht integriert die Meinungsbildner — Medienleute, Entertainer, Experten, Pädagogen — in die Regierung; unsere Herrscher steuern die öffentliche Meinung, denn diejenigen, die die öffentliche Meinung steuern, sind unter ihnen.

Jemand, der mich willkürlich einsperrt oder meinen Besitz konfisziert, ist ein Tyrann. Herrschende Eliten, die die gesellschaftlichen Einrichtungen und die Beziehungen zerstören, die mich zu dem machen, was ich bin, die die Familie angreifen, die Unterscheidung der (sozialen; A.d.Ü.) Geschlechter abschaffen, die ethnischen Bindungen und die traditionellen moralischen Selbstverständlichkeiten abschaffen, die die Religion aus dem öffentlichen Leben vertreiben und privaten Gesellschaften vorschreiben, wen sie aufnehmen und warum, sind ebenfalls tyrannisch.

Quelle: Counterdjihad; Die Tyrannei des Liberalismus

Liberalismus

Februar 18, 2009

Meine Damen und Herrn, vor einiger Zeit war ich in Paris auf dem „Platz der Revolution“. Sie werden sich erinnern, daß die moderne Freiheit des Liberalismus auf diesem „Platz der Revolution“ verkündet und ziemlich heftig, gewissermaßen zwangsläufig durchgesetzt wurde. Auf diesem historischen „Platz der Revolution“ habe ich so eine Art gedanklicher Rückblende über einige Jahrzehnte, über mehr als ein Jahrhundert hinweg gemacht: da floß auf diesem Platz das Blut in solchen Strömen, daß es in den Abflußlöchern keinen Platz mehr hatte. Man war so frei, viele Tausende zu fesseln, zu foltern und zu köpfen. Um den Begriff der Freiheit für diese neue Auslegung gefügig zu machen, löste man ihn zunächst von Gott los, den man durch die menschliche Vernunft ersetzte. Dann sauste das Fallbeil unbehindert… Diese Art von Liberalismus ist, allerdings in den Formen des geistigen Terrors unserer Zeit, auch heute noch und gerade heute wieder wirksam. Seine äußere Erscheinung ist die Laisierung und Profanierung des Heiligen, die Auflösung des Göttlichen in einen bloßen Bestandteil der menschlichen Vernunft und damit gewissermaßen also mit einem Advokatenkniff, die „Freisetzung“ des menschlichen Wollens und Handelns von den Geboten Gottes. Gewisse ethische Dekorationen und Drapierungen hat man beibehalten. Denn die nackte häretische Grausamkeit des liberalistischen Verfahrens widerspricht so sehr der menschlichen Natur und Ordnung, daß es ohne die verbergenden und täuschenden Schleier zivilisatorischer Deutung in seinen Konsequenzen nur abschrecken würde: wie die Blutlachen auf jenem „Platz der Revolution“, wo diese satanische Freiheit erstmals mit der kalten Wut gottverlassener Vernunftstheoretiker praktiziert wurde.

Quelle: Pater Leppich spricht „3x Satan“