Posts Tagged ‘Schröder’

Sozialdemokratisch beleuchtet

Oktober 30, 2010

Gerhard Schröder sieht die Demokratie bedroht. Wenn Bush eine Entscheidung im Gebet erfahren habe, sei keine Diskussion möglich gewesen.[1]

 
Schröder hat die Antinomie zwischen Demokratie und Religion ziemlich genau erfasst. Der Glaube ist nichts, worüber eine Mehrheit zu entscheiden hätte. Jesus ist kein Demokrat, sondern König der Welt. Wir können nicht per Handaufheben darüber entscheiden, ob Gott existiert oder nicht.

Eine christlich fundierte Politik beruht auf Glaubensgrundsätzen, die für einen Gläubigen genauso wenig zur Disposition stehen, wie die „Menschenrechte“ für Humanisten. Dass die großen Kirchen ihren universalistischen Glaubensanspruch an die Linksliberalen abgetreten haben, ändert nichts daran, dass der Glaube ebenso unabdingbar ist, wie er nicht beliebig sein kann und das Glaubensbekenntnis dann besonders gefragt scheint, wenn es durch Antichristen handgreiflich in Frage gestellt wird.

Ein christlicher Politiker, der seinen Glauben ernst nimmt, der tritt der Demokratie mit äußerstem Misstrauen gegenüber. Nicht ohne Grund waren alle Volksdemokratien der Vergangenheit aggressiv atheistisch. Christen können in einer Demokratie höchstens überleben, meistens aber wurden sie aggressiv verfolgt. Ein Christ kann dort nichts gewinnen.

Der Begriff „Christlich Demokratische Union“ ist ein Oxymoron, das nur deshalb nicht schon längst auseinandergeflogen ist, weil die repräsentative Demokratie einerseits und der sinkende Einfluss christlicher Lehrämter anderseits, den Antagonismus abgemildert haben. Der Druck auf den Glauben ist latent. Die „Missbrauchsdebatte“ zeigt, dass Verhältnisse jederzeit kippen können. Da mache ich mir keine Illusionen. Der demokratische, linksliberale Mob lauert in seinen Rattenlöchern; die Stimmung wird systematisch aufgeheizt. Nicht nur gegen Christen. Dies mag dramatisch klingen, ist es vielleicht auch. Aber besser, auf das Schlimmste vorbereitet, als davon überrascht zu werden.

Zum anderen lässt sich das Argument Schröders leicht gegen den Urheber selber kehren: Wer von der „Unveräußerlichkeit“ der Menschenrechte überzeugt ist, der wird sich widersprechenden Argumenten genauso verschließen, wie qualifizierten „demokratischen“ Mehrheitsmeinungen; der ist nicht weniger antidemokratisch als ein religiös „Erleuchteter“. Und antidemokratische Tendenzen sind bei radikalen Linksliberalen nicht weniger ausgeprägt als bei religiösen Fundamentalisten.

Viel besser kann man diesen Zusammenhängen im Übrigen im islamischen Raum nachspüren. Aber Schröder weiß natürlich ganz genau, wo er folgenlos kritisieren kann, ohne dass er Gefahr läuft, dass man ihm Gurgel durchschneidet oder einen Selbstmordattentäter auf den Hals schickt.

Soviel Mut kann ein sozialdemokratisch „Beleuchteter“ natürlich nicht aufbringen.

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[1] Fundamentalismus: Schröder warnt vor „erleuchteten“ Politikern; WELT ONLINE.

Die Kuh muss vom Eis

Oktober 13, 2010

Schwarz-Gelb steckt im Umfragetief, die Wahl in Baden-Württemberg droht verloren zu gehen. Jetzt spekuliert sogar die in konservativen Kreisen verwurzelte „Frankfurter Allgemeine“ über eine Ablösung von Kanzlerin Merkel – Guttenberg oder Koch könnten ihre Nachfolger sein.[1]

Koch Kanzler – naja.  Guttenberg Außenminister.  Ja gut.  Eine Übergangsregierung.  Hauptsache die dummen Kühe sind vom Eis. Merkel, von der Leyen, Schröder.

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[1] Konservative K-Frage: „FAZ“ spekuliert über Merkels Ende; SPIEGEL ONLINE

Geschmacklos

September 10, 2008

Am Wochende wurde in Bodman-Ludwigshafen das neuste „Kunstwerk“ des Bildhauers Peter Lenk „enthüllt“. Der „Künstler“ fühlt sich missverstanden.

Wahrscheinlich muss „Kunst“ in einer pornografischen Gesellschaft auf adäquate Ausdrucksmittel zurückgreifen, um wahr genommen zu werden. Ich halte es dennoch für geschmacklos und durch und durch proletarisch. Dafür sprechen auch die höchst belanglosen Allerwelts-Äußerungen des „Künstlers“, der etwas hochtrabend ein moderner „Till Eulenspiegel“ genannt wird:

„Ich möchte mich nicht mehr aufregen über Politiker, die immer dreister lügen, und Manager, die sich die Taschen vollstopfen, sondern ihnen ein würdiges Denkmal setzen.“
Quelle: Suedkurier; Nackte Merkel sorgt für Aufregung

Eulenspiegel brauchte keine pornografischen Anleihen, um seine Kritik an Herrschaft und Herrschaften zu formulieren. Überhaupt Kritik? Ist es welche? Das „Kunstwerk“ hat einen Titel. Kommen Sie drauf welchen? So ganz ohne Google?