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Wider der Verlotterung der Sitten

Januar 20, 2011

Mit ihrer gerne figurbetonten Kleidung und großzügigem Make-up gebärden sich russische Frauen nach Ansicht eines Kirchenmannes, als seien sie Stripperinnen. Es gebe ein Problem mit „Leuten, die die Straße für einen Striptease halten“, erklärte Wsewolod Tschaplin von der russisch-orthodoxen Kirche am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Interfax. Frauen, die „fast nichts anhaben oder wie ein Clown herumlaufen (…), werden sicherlich keinen Mann als Lebenspartner finden, der auch nur ansatzweise Verstand oder Selbstachtung hat“, fügte der für die Beziehungen zwischen der Kirche und Gesellschaft zuständige Vertreter hinzu. In seinem offenen Brief forderte Tschaplin eine nationale Kleiderordnung nach dem Vorbild von Büros und Schulen.

Ich stelle mir gerade vor, wie die komplette deutsche Feministenlobby in hyperventilierende Schnappatmung verfallen würde, würde ein deutscher Bischof einen ähnlichen Brandbrief gegen die sexuelle Anmache auf deutschen Straßen verfassen würde.

Tschaplin legt den Finger auf eine eiternde Wunde. Denn auch auf Deutschlands Straßen werden vornehmlich Männer durch aufreizend bekleidete Frauen so aufdringlich sexuell belästigt, das der Tatbestand der „sexuellen Nötigung“ in öffentlichen Räumen einer gerichtlichen Prüfung bedarf.

Dass Bekleidung und das gepflegte Aussehen in der Öffentlichkeit keine Privatsache ist, bestätigte erst kürzlich das Landesarbeitsgericht Köln. Sogar die Art und die Farbe der Unterwäsche darf der Arbeitgeber danach zu zwingend regeln. [2]

Wenn Kleidung Privatsache der Frauen sei, wie die russische Feministenlobby sofort zu kontern versuchte, ja dann bitteschön konsequent privat: In ihrer privaten Küche kann Frau auch nackt die Bratpfannen schwingen. Kleidung ist genauso Privatsache, wie Religion nach Gusto der Linken und Liberalen Privatsache ist und sie nach deren Meinung auf öffentlichen Plätzen und Straßen nichts zu suchen hat.

Aus diesem Grunde wollen sie religiöse Symbole wie Kruzifix, Burka und Kopftuch verbieten und schreiben so die Kleiderordnung für bestimmte gesellschaftliche Gruppen vor. Warum soll das nicht auch für den Minirock gelten? Man kann sich nicht auf die Freiheit in Sachen Kleidung berufen und sie für andere einschränken wollen. [3] Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen sein Nachtigall.

Ob ein deutscher Bischof genug Mors unter seinem Messgewand hätte, um gegen die ausufernde Verlotterung der Sitten auf gut katholische Art zu wettern, wage ich allerdings zu bezweifeln. Mixa vielleicht, aber ist kein Bischof mehr.
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[1] RP-Online; „Russinnen kleiden sich wie Stripperinnen“
[2] FAZ; Arbeitgeber darf über Unterwäsche entscheiden
[3] Interfax; Rights activist slam idea of „Orthodox dress code“

via: Angst vor Folter ist keine Phobie