Posts Tagged ‘Thomas von Aquin’

Thomismus V

Dezember 20, 2010

Die Theologie geht von den Artikeln des Glaubens aus, die nicht denknotwendig sind, da sie ja nicht von allen anerkannt werden.[1]

Interessant auch deshalb, weil Thomas die Ursätze der Wissenschaft für denknotwendig hält. Das Mittelalter dachte strikt deduktiv.

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[1] [1] Thomas von Aquino; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; I. Untersuchung; II. Artikel; I

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Thomismus IV

Dezember 16, 2010

Denn einen und denselben Satz beweisen der Astronom und der Physiker: etwa daß die Erde rund ist; aber der Astronom mit Hilfe der Mathematik. d. h. absehend von der Bestimmung des Stoffes, der Physiker hingegen durch Erwägungen, die sich auf das Stoffliche beziehen.[1]

Ho, ho, ho. Das sagt der Heilige Thomas vor 1274, seinem Todesjahr. Also rund 200 Jahre vor Kopernikus und 300 Jahre vor Galileo. Ohne das er gefoltert, verbrannt oder exkommuniziert wurde. 500 Jahre, bevor die Hexen auf den Scheiterhaufen brannten: Die Erde ist rund.[2] Das sagt er mit großer Gelassenheit, so, als wäre es die größte Selbstverständlichkeit der Welt. Was sie damals wohl auch war.

Wieviel oktroyierte Vorurteile schleppen wir sonst noch mit uns herum?

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[1] Thomas von Aquino; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; I. Untersuchung; I. Artikel; (2.2)
[2] Ist es gar der Erste, der es schriftlich festhält?
[3] Damit sich niemand wundert, ich lese zur Zeit die Summa. Ob ich den unglaublichen Wälzer durchhalte, weiß ich nicht. Aber der Weihnachtstag naht, da muss man irgendetwas für den Glauben tun. Na ja.

Thomismus III

Dezember 16, 2010

„Zwar soll der Mensch die Dinge, die der Erkenntniskraft seiner Vernunft entrückt sind [1], nicht mit seiner Vernunft ergründen wollen; aber was von Gott geoffenbart ist, soll durch den Glauben aufgenommen werden.“ [2]

Wie erklärt der Mensch einem Bakterium in seiner Petrischale die Welt? Indem er sie über die Nährlösung offenbart!?

Ein provozierender Vergleich? Klar!

Von wegen Krone der Schöpfung. Wir sind Bakterien in Gottes Petrischale. Demut statt Hochmut. Auf das sich die „Kultur“ so entwickle, wie ihr Schöpfer es wünscht. Ansonsten droht der Abfalleimer. Laboralltag.

Das mag jetzt wenig heilig sein. Aber man muss die gottvergessenen Vernunftbolzen gelegentlich mit Gewalt in die Scheiße der Wahrheit tunken, bevor die ums Höllenfeuer tanzenden darwinistischen Affen sich endgültig dem Größenwahn überantworten.

Wenn wir von „höheren Mächten“ reden, dann können wir darüber vernünfteln, sie verstehen können wir nicht. Wer mit der Theorie der Freiheitsgrade vertraut ist, weiß was ich meine.
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[1] Also Dinge, die nicht „messbar“ sind.
[2] Thomas von Aquino; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; I. Untersuchung; I. Artikel; (2.1)

Thomismus II

Dezember 15, 2010

Wissenschaft kann es nur geben von dem, was ist: denn gewußt wird das Wahre, das mit dem Seienden zusammenfällt. [1]

Welchen Forschungsgegenstand hat, beispielsweise, Astrobiologie, außer der Vorstellung das Leben irgendwo anders tatsächlich existiert? Das ist kein Wissen sondern Glaube – folglich kann Astrobiologie, beispielsweise, keine Wissenschaft sein. Weite Teile der sogenannten ‚modernen‘ Wissenschaft beruhen auf reiner Fiktion oder sind einfach nur glatter Humbug. Er gibt keine Wissenschaft ohne empirische Grundlage.

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[1] Thomas von Aquino; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; I. Untersuchung; I. Artikel; (2)

Thomismus I

Dezember 15, 2010

Was die Vernunft übersteigt, soll der Mensch nicht versuchen.[1]

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[1] Thomas von Aquino; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; I. Untersuchung; I. Artikel

Die Todsünde des unehelichen Beischlafs

Mai 5, 2009

Es liegt aber auf der Hand, daß zur Erziehung des Menschen nicht bloß die Sorge der Mutter erfordert wird, von der er genährt wird, sondern viel mehr noch die Sorge des Vaters, von dem er zu unterrichten und zu schützen und sowohl in den inneren wie auch den äußeren Gütern zu fördern ist. Es verstößt darum gegen die Natur des Menschen, daß er sich dem ungebundenen Beischlafe ergibt; vielmehr gehört sich, daß der Mann mit einer bestimmten Frau zusammenkommt, mit der er zusammen verbleibt, nicht für ein Weilchen Zeit, sondern lange, ja sogar für das ganze Leben. Daher rührt, daß naturhaft dem Männlichen in der menschlichen die Sorge um Gewißheit des Nachkommen [das er der seinige ist] innewohnt, weil ihm die Erziehung der Nachkommenschaft obliegt. Diese Gewißheit fiele aber weg, wenn der Beischlaf ungebunden wäre. – Nun heißt aber diese Beschränkung auf eine bestimmte Frau Ehe, und schon sagt man, es gebe sie vom naturhaften Rechte her.

Da nun also die Unzucht ungebundener Beischlaf ist, nämlich ein solcher außerhalb der Ehe, so geht er gegen das Gut der aufziehenden Nachkommenschaft. Somit ist er eine Todsünde.

Wer die Verführung durch das Fleisch erleidet, wird durch die Werke der Gottseeligkeit vom ewigen Verderben befreit, insofern er durch derartige Werke sich zurüstet, die Gnade zu erlangen, durch die Buße tut, und insoweit er durch solche Werke für den begangenen Fehltritt im Fleische genugtut.

Quelle: Thomas von Aquin; Summe der Theologie; Der Mensch und das Heil; 154. Untersuchung; Die Arten der Unkeuschheit; Zweiter Artikel; Ist einfache Unzucht Todsünde?

Der uneheliche Beischlaf wird zur sühnbaren Todsünde, weil er gegen das „Gut“ der Nachkommenschaft verstößt. Ein „Gut“, welches heute zwar noch scheinheilig deklamiert wird, aus dem aber keine konkreten Rechtsverhältnisse mehr entspringen. Rechte der Ungeborenen, und beim Heiligen Thomas noch nicht einmal Gezeugten, gibt es heute nicht mehr. Sie mussten den „Rechten“ des hedonistischen Individuum weichen, während die Kindesfürsorge sukzessive dem Staat anheimfällt, mit den bekannten Folgen der geistigen und moralischen Verwahrlosung des Nachwuchses.

Beim Vater tritt verschärfend hinzu, dass ihm das Recht auf die Gewissheit seiner Vaterschaft erschwert, respektive gleich ganz verwehrt wird. Das schwächt die moralische Verantwortung die auf dem Vater hinsichtlich seines biologischen Nachwuchses lastet erheblich ab und trägt zum politisch beförderten Zerfall der Familie bei.

Diese katastrophale Entwicklung hätte ich vormals allenfalls dem Kommunismus zugetraut.

Dialektisches Weib

Mai 3, 2009

Ohne das Weib, so lese ich gerade beim Heiligen Thomas, wäre das Universum unvollkommen. Auf die Frage, warum Gott mit dem Weib dem Mann die Möglichkeit zu Sünde gab, antwortet Thomas: „Hätte Gott alles, womit der Mensch sich versündigen kann, ferngehalten, so wäre es ein unvollkommenes All gewesen. Das allgemeine Gut durfte nicht unterbleiben, nur damit ein Teilübel vermieden würde; überdies, Gott weiß jedes Übel zum Guten zu steuern.

Hm. Da bin ich aber jetzt froh.

Quelle: Thomas von Aquin; Summe der Theologie; Gott und Schöpfung; 92. Untersuchung; Die Hervorbringung des Weibes

Gottesbeweis? Gottesbeweis!

August 7, 2008

Walter Brandmüller gibt der „Welt-online“ wieder einmal ein Interview über Gott, Vernunft und Beweise. Was für Atheisten ein rotes Tuch ist, erweist sich für Christen als eine Frage der Logik und Vernunft. Natürlich kann man den Weg zu Gott nur über die Vernunft finden, denn der Weg über Mystik und ihr nahe verwandte Formen erweist sich als Sackgasse. Mit anderen Worten: Es ist vernünftig, an Gott zu glauben.

„Hingegen gibt es philosophische Gründe für den Glauben an Gott. Thomas von Aquin hat die bekannten Fünf Wege zur Erkenntnis Gottes formuliert. Natürlich können diese hier zwar nicht dargestellt, wohl aber angedeutet werden. Der erste ist der kausale Gottesbeweis: Alles was ist, muss eine Ursache für seine Existenz haben. Am Ende muss aber dann eine selbst nicht mehr verursachte Ursache stehen. Schon Aristoteles hatte von dem „ersten unbewegten Bewegenden“ gesprochen. Auch die Tatsache, dass Welt und Mensch sinnvoll eingerichtet und der Vervollkommnung fähig sind, lässt auf ein intelligentes Wesen schließen, das an oberster Stelle stehend Plan und Ziel vorzugeben vermag. Eine moderne Variante: Die physikalischen Naturkonstanten sind dergestalt miteinander in Harmonie und aufeinander abgestimmt, dass Leben entstehen konnte. Würden diese Konstanten nur um geringe Promille abweichen, wäre Leben unmöglich. Auf diesen oder ähnlichen Wegen vermag man in der Tat – eine grundsätzliche Offenheit des Denkens einmal vorausgesetzt-, die Existenz Gottes einsichtig zu machen.“
Quelle: Welt-Online, Kann man mit Vernunft Gottes Existenz beweisen?

Mein Lieblingsbeweis, weil er so schön formal logisch ist, ist im Übrigen der des Mathematikers Gödel: Gödels-Beweis als PDF. Er ist, wie jeder mathematische Beweis, unwiderlegbar und zeigt die „Mächtigkeit der axiomatischen Methode“, wie Gödel einmal schelmisch bemerkte. Da aber ausnahmslos jede wissenschaftliche Theorie auf axiomatischen Annahmen beruht, ist die Theorie, welche von einem bewusstlosen Universum ausgeht, nicht besser und nicht schlechter als ihr axiomatisches Gegenteil. Beweisen oder widerlegen ließen sie sich nur in einer Metatheorie, die beide einschließt und die deshalb unmöglich ist, weil sie dann logisch nicht widerspruchsfrei wäre.
Möglicherweise hat Gödel selbst den mathematischen Beweis erbracht, dass axiomatische Systeme überhaupt nicht in der Lage sind, die Welt zu beschreiben. Seine Unvollständigsätze, sie gelten streng genommen nur für Peanoaxiome, spiegeln vielleicht ein fundamentales Naturprinzip: Jede Annahme über die Welt ist entweder widersprüchlich oder unvollständig. Eine Welt kann nicht zum Beweis ihrer eigenen Widerspruchsfreiheit verwendet werden. Beide Sätze hat Gödel bewiesen und für mich klingt das so, wie eine moderne Variante des biblischen Verdikts: Gottes Wege sind unerforschlich.

PS: Dem Autor sind alle Einwände gegen Vernunftbeweise bekannt und er würdigt sie in der im Text beschriebenen weise.